Panorama
Francisco G. war zu schnell.
Francisco G. war zu schnell.(Foto: picture alliance / dpa)

"Ich hoffe, es ist niemand gestorben": Telefonat des Lokführers veröffentlicht

Unmittelbar nach dem Zugunglück von Santiago de Compostela ruft Lokführer Francisco G. seinen Chef an. G. ist völlig außer sich, er fürchtet das Schlimmste. Er beklagt sich bitter über die gefährliche Kurve, die dem Zug offenbar zum Verhängnis wurde.

Die spanische Zeitung "El Pais" hat einen Mitschnitt eines Telefonats veröffentlicht, das der Fahrer des bei Santiago de Compostela entgleisten Zuges unmittelbar nach dem Unglück führte. In der Aufnahme ist zu hören, wie Francisco G. seinem Vorgesetzten von dem Unfall berichtet. Offenbar handelt es sich um den vieldiskutierten Anruf, mit dem der Lokführer das Notfallprotokoll der Bahngesellschaft aktivierte.

Bilderserie

"Es gibt sicher viele Verletzte, der Zug ist umgekippt, ich kann nicht aus der Kabine raus", berichtet er atemlos seinem Gesprächspartner, der zum Zeitpunkt des Telefonats laut BBC im Hauptbahnhof von Madrid saß. Wiederholt spricht G. von den "armen Passagieren", schließlich fügt er hinzu: "Ich hoffe, es ist niemand gestorben."

Weiter gibt er zu, er sei vor dem Unglück zu schnell gefahren. "Ich war abgelenkt; ich hätte 80 fahren sollen, aber ich war mit 190 unterwegs", sagt G.. Er habe den "Sicherheitsleuten" vorher schon gesagt, "dass diese Kurve gefährlich ist; dass eines Tages so etwas wie das hier passieren wird".

Weitere Ton- und Videodokumente

Das jetzt veröffentlichte Tondokument ist nicht der erste Mitschnitt, der im Zusammenhang mit dem Zugunglück an die Öffentlichkeit gerät. Bereits zuvor hatte eine spanische Zeitung das Video einer Aussage des Lokführers vor Gericht veröffentlicht. Darin gibt G. zu, er sei in der Kurve zu schnell gefahren. Der TV-Sender LaSexta enthüllte zudem den Inhalt eines Telefonats, das G. unmittelbar vor dem Unglück geführt haben soll.

Nach Ansicht der Ermittler trägt der Lokführer die Hauptschuld für die Katastrophe. Er soll sich wegen fahrlässiger Tötung in 79 Fällen vor Gericht verantworten. Der 52-Jährige war mit einem Schnellzug auf der Strecke Madrid-Ferrol wenige Kilometer vor dem Bahnhof der Pilgerstadt Santiago mit stark überhöhter Geschwindigkeit in eine Kurve eingebogen, in der nur Tempo 80 zugelassen war. Der Zug entgleiste, mehrere Waggons überschlugen sich und verkeilten sich ineinander.

Der Lokführer hatte vor dem Einbiegen in die Kurve auf dem Handy einen Anruf des Schaffners erhalten und war vermutlich davon abgelenkt worden, dass er den Zug hätte abbremsen müssen. Als er die Bremsen zog, war es bereits zu spät. Unmittelbar nach der Katastrophe verstärkte die Bahn die Sicherheitsvorkehrungen.

Bahngesellschaft entlastet

Der Untersuchungsrichter wies einen Antrag auf Ermittlungen gegen die spanische Bahngesellschaft Renfe ab. Renfe habe alle Vorschriften erfüllt, heißt es in einem Beschluss von Richter Luis Aláez, der von der Zeitung "La Voz de Galicia" veröffentlicht wurde. Den Antrag hatte der Anwalt eines der Opfer gestellt.

Am 24. Juli waren 79 Fahrgäste ums Leben gekommen, als der Schnellzug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe in einer Kurve wenige Kilometer vor Santiago de Compostela entgleiste. Es handelte sich um eines der schwersten Zugunglücke der spanischen Geschichte. Gegen den Lokführer wurde Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen