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Eine dritte Plattform ist offenbar gar nicht nötig.
Eine dritte Plattform ist offenbar gar nicht nötig.(Foto: picture alliance / dpa)

Ölplattform gefährdet letzte Weibchen: Tierschützer fürchten um Wale

Vor der russischen Insel Sachalin will der Ölkonzern Shell eine weitere Bohrplattform installieren. Naturschützer wollen das verhindern, weil die nötigen seismischen Messungen Grauwal-Weibchen stören, die genau dort ihre Jungen aufziehen. Nur wenige tote Exemplare könnten das Aussterben der ganzen Art nach sich ziehen.

Den letzten rund 130 Westpazifischen Grauwalen droht nach Angaben von Tierschützern durch eine dritte Ölplattform vor der russischen Insel Sachalin neues Ungemach. Die Sakhalin Investment Company mit Shell als Miteigentümer werde mit der geplanten großen Förderanlage die Nahrungsgründe der vom Aussterben bedrohten Art weiter einschränken, warnten Aktivisten. Nur noch etwa 30 fortpflanzungsfähige Weibchen seien zur Sicherung des Bestandes erhalten, sagte der Meeresbiologe des Internationalen Tierschutzfonds IFAW, Ralf Sonntag.

Der Naturschutzfonds WWF kritisierte insbesondere die für diesen Sommer geplanten seismischen Messungen als schweren Eingriff in die Nahrungssuche der Grauwale. Es bestehe die Gefahr, dass die Tiere durch den Lärm der Bodenuntersuchungen vertrieben und dann an Unterernährung leiden würden. "Schon wenn nur ein paar Weibchen sterben, kann dies das Ende der Art bedeuten", sagte der WWF-Experte Alexej Knischnikow. Laut einem Bericht der Weltnaturschutz-Union IUCN wurden dort knapp 40 Prozent weniger Grauwale als 2007 gezählt.

Lagune überlebenswichtig

Ein höchst seltener Grauwal, hier vor der Pazifikküste Mexikos.
Ein höchst seltener Grauwal, hier vor der Pazifikküste Mexikos.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Beide Umweltorganisation wiesen auf Studien der Ölförderer hin, nach denen die zwei bereits bestehenden Ölplattformen ausreichend seien für die Gewinnung des Rohstoffs. Die flache Lagune von Sachalin sei überlebenswichtig für die Grauwale. Dort lernen die Kälber von ihren Müttern, wie sie am Meeresboden nach Nahrung suchen. "Schon letzten Sommer wurden die Wale durch die seismischen Tests massiv gestört", sagte Maria Woronzowa, Leiterin des IFAW in Russland.

Der Westpazifische Grauwal galt lange aufgrund des Walfangs als ausgestorben. Erst in den 1980er Jahren wurde er durch russische Wissenschaftler vor der Küste Sachalins wieder entdeckt. Der IFAW fürchtet jedoch, dass diese Grauwale in 15 Jahren tatsächlich ausgestorben sein werden.

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Quelle: n-tv.de

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