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Der Prozess wird neu aufgerollt.
Der Prozess wird neu aufgerollt.(Foto: dpa)

Der Amoklauf von Winnenden: Tims Vater erneut vor Gericht

Schon einmal steht der Vater des Amokläufers von Winnenden vor Gericht. Doch der Bundesgerichtshof kassiert das Urteil, nun muss das Landgericht Stuttgart erneut verhandeln. Doch es bleibt fraglich, ob das etwas an dem Schuldspruch ändert.

Der Vater des Amokläufers von Winnenden muss sich erneut wegen fahrlässiger Tötung vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Er hatte die Pistole unverschlossen aufbewahrt, mit der sein Sohn Tim K. am 11. März 2009 15 Menschen und sich selbst getötet hatte. Ein gegen ihn bereits 2011 gefälltes Urteil von 21 Monaten auf Bewährung war vom Bundesgerichtshof (BGH) wegen eines Verfahrensfehlers aufgehoben worden.

Der Auftakt der Verhandlung gegen den 53-jährigen Unternehmer, an der erneut zahlreiche Hinterbliebene der Ermordeten teilnahmen, war bestimmt von Formalien und dem teilweisen Verlesen des ersten Urteils vom Februar 2011. Nach Maßgabe des BGH muss der Tag des Amoklaufs selbst nicht mehr aufgerollt werden. Damit bleibt den überlebenden Schülern und anderen unmittelbaren Betroffenen eine erneute Traumatisierung erspart.

In der bis zum 28. Januar terminierten Verhandlung muss das Landgericht nun der Verteidigung die Möglichkeit geben, eine Belastungszeugin zu befragen. Die freiwillige Mitarbeiterin eines Kriseninterventionsteams hatte sich bei früheren Aussagen zum angeblichen frühen Wissen des Vaters um die psychischen Probleme seines Sohnes in Widersprüche verstrickt. Das Landgericht hatte ihr deshalb ein Zeugnisverweigerungsrecht eingeräumt, noch bevor die Verteidiger von Jörg Wilhelm K. die Frau befragen konnten. Der BGH hatte das Urteil deshalb aufgehoben und den Fall an das Landgericht zurückverwiesen.

Es wird erwartet, dass die anstehende Anhörung dieser Zeugin zu keinem anderen Schuldspruch führt und der Angeklagte erneut der fahrlässigen Tötung und des fahrlässigen Überlassens einer Waffe schuldig befunden wird: Laut BGH kommt es für einen Schuldspruch nicht darauf an, "wie präzise die Kenntnis des Angeklagten über das Maß der psychischen Erkrankung seines Sohnes war", der in der Therapie vor dem Amoklauf Tötungsphantasien geäußert hatte. Er habe davon spätestens nach dem Rat einer psychiatrischen Klinik gewusst und Waffen und Munition verschließen müssen, um "vorhersehbare Folgen" zu verhindern.

Das Landgericht Stuttgart hat 14 Verhandlungstage angesetzt und wird sein Urteil voraussichtlich am 28. Januar verkünden.

Quelle: n-tv.de

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