Panorama
Die Toreros stehen auf verlorenem Posten.
Die Toreros stehen auf verlorenem Posten.(Foto: dpa)
Montag, 02. August 2010

Den Katalanen ist es egal: Toreros wehren sich gegen Verbot

Der Stierkampf ist jetzt in Katalonien verboten. Und das stört nur die, die davon profitieren. Die Katalanen wollen schon seit Jahren von dem umstrittenen Brauch nichts mehr wissen.

"Der Stierkampf ist ein Ausdruck unserer Kultur und unserer Tradition." Mit diesen Worten protestierte die Welt der Toreros gegen ein Verbot des umstrittenen Spektakels in der spanischen Region Katalonien. Stierkämpfer, Manager, Veranstalter und Züchter hatten sich auf eine gemeinsame Erklärung verständigt, die in den Arenen in Spanien, Portugal und Südfrankreich über Lautsprecher verlesen wurde. "Wir fordern die Anerkennung der persönlichen Freiheit, sich einen Stierkampf anzusehen", hieß es in dem Manifest der Stierkampf-Lobby.

Die Toreros sind nicht die einzigen, die sich gegen die Abschaffung des Stierkampfes in der wirtschaftsstärksten Region Spaniens zur Wehr setzen. Sie erhielten Unterstützung von der konservativen Volkspartei (PP), die das Verbot in Katalonien über eine Gesetzesinitiative im spanischen Zentralparlament in Madrid aushebeln will.

"Historische" Proteste der Stierkämpfer

Für den Stierkampf interessieren sich viele Einwohner Kataloniens schon lange nicht mehr.
Für den Stierkampf interessieren sich viele Einwohner Kataloniens schon lange nicht mehr.(Foto: dpa)

Das katalanische Regionalparlament hatte am 28. Juli entschieden, dass vom 1. Januar 2012 an in der Region im Nordosten Spaniens keine Stierkämpfe mehr stattfinden dürfen. Der Beschluss schlägt knapp eine Woche später in den spanischen Medien noch immer hohe Wellen. Die Zeitung "El Mundo" stufte die beispiellose Protestaktion der Stierkämpfer als "historisch" ein.

Die Bürger reagierten dagegen ausgesprochen gelassen auf die Debatte über das katalanische Stierkampfverbot. Nach einer Umfrage der Zeitung "El País" haben 60 Prozent der Spanier ohnehin nichts für Stierkämpfe übrig. Allerdings ist die Mehrheit auch dagegen, den umstrittenen Brauch per Gesetz zu verbieten.

Stierkampfarenen sind leer

In Katalonien schienen die Tage des Stierkampfs auch ohne die Entscheidung des Parlaments gezählt zu sein. In der Region mit 7,5 Millionen Einwohnern ist nur noch eine einzige Arena in Betrieb - "La Monumental" in Barcelona. Dort fand am 1. August erstmals nach dem Parlamentsbeschluss ein Stierkampf statt. Wer erwartet hatte, die Fans würden aus Protest gegen das - in anderthalb Jahren in Kraft tretende - Verbot in hellen Scharen in die Arena strömen, wurde eines Besseren belehrt.

Die Arena "La Monumental" in Barcelona wird bald keine Stierkämpfe mehr zeigen.
Die Arena "La Monumental" in Barcelona wird bald keine Stierkämpfe mehr zeigen.(Foto: dpa)

Auf den Rängen herrschte gähnende Leere. Die 18.000 Plätze waren nicht einmal zu einem Drittel besetzt. Ein großer Teil der Zuschauer waren keine Stierkampf-Fans, sondern ausländische Touristen. "Für mich war der Kampf um den Stierkampf in Katalonien schon vor dem Verbot verloren gewesen", sagte Rosa Gil, Präsidentin einer Vereinigung von Stierkampffans, der Zeitung "El País". "Die Leute in Barcelona gehen nicht in die Arena. Der Stierkampf war schon tot, bevor sie ihn nun per Gesetz abschafften."

Barcelona hatte dereinst drei Stierkampfarenen. Eine davon wurde abgerissen, eine andere wird in ein Einkaufs- und Vergnügungszentren umgebaut. In den anderen katalanischen Städten finden schon seit Jahren keine Kämpfe mehr statt. Die Arena in Tarragona wurde 2006 geschlossen und ist jetzt eine Mehrzweckhalle. Figueras und Gerona ließen ihre Stierkampfarenen abreißen und an deren Stelle ein Sportzentrum und ein Gerichtsgebäude errichten.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen