Montag, 15. Februar 2010
Systematischer Betrug in Köln: U-Bahn-Skandal weitet sich aus
Die Pfuschvorwürfe beim Bau der Kölner U-Bahn nehmen immer neue Ausmaße an. Inzwischen ist von "systematischem Betrug" die Rede. Vermessungsprotokolle werden gefälscht, Beton und stützende Bügel weggelassen.
Noch immer ist die genaue Ursache für den Archiveinsturz vor einem Jahr unklar. Fest steht: Es gibt erhebliche Mängel beim Bau der U-Bahn.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Der Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau nimmt nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeigers" das Ausmaß systematischen Betruges an. Mittlerweile seien bereits falsche Vermessungsprotokolle für 28 sogenannte Schlitzwände der Baugruben an den Stationen Waidmarkt, Heumarkt und Rathaus entdeckt worden, berichtete das Blatt. Diese Stahlbetonkonstruktionen sind zum Abstützen der Baugrube notwendig. "Wir gehen davon aus, dass es noch deutlich mehr sein können" zitierte das Blatt eine an der Aufklärung des Falles beteiligte Person. Es sehe nach einer "systematischen Fälschung" aus.
Zu wenig Beton, fehlende Eisenbügel
Zuvor hatten Zeitungen bereits berichtet, dass bei der Herstellung der unterirdischen Stützwände nicht nur der Großteil der stabilisierenden Eisenbügel weggelassen, sondern auch zu wenig Beton eingefüllt wurde. Die Eisenstangen sollen von Arbeitern an Schrotthändler verkauft worden sein. Die rechtlich vorgeschriebenen Werte, die die Beschaffenheit des jeweiligen Wandabschnitts dokumentieren müssten, seien nicht nur vertauscht, sondern offensichtlich gezielt manipuliert worden, schrieb der "Stadt- Anzeiger".
Zunächst war lediglich eine Schlitzwand der U-Bahn-Grube Waidmarkt ins Visier der Ermittlungen geraten. Die Gutachter der Staatsanwaltschaft vermuten ein Loch in diesem Abschnitt, durch das Grundwasser in die Grube strömte. Dies könnte Vermutungen nach vor knapp einem Jahr zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs geführt haben. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben.
Monate bis zur Klarheit
Nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft sind alle Berichte über etwaige Ursachen des Archiveinsturzes derzeit reine Spekulation. Es gebe "keinerlei belastbaren Erkenntnisse", sagte Oberstaatsanwalt Günther Feld vergangene Woche. "Die können wir auch nicht haben, weil die Schadensstelle noch gar nicht zugänglich ist." Sie befindet sich tief in der unter Wasser stehenden Baugrube. Es werde Monate dauern, bis die Stelle für die Ermittler erreichbar sei.
Die nordrhein-westfälische Landesregierung sorgt sich unterdessen um die Sicherheit der Jecken am Rosenmontag. Der Staatssekretär im Bauministerium, Günter Kozlowski, sagte: "Natürlich machen auch wir uns Sorgen darüber, dass hier hunderttausende Menschen in unmittelbarer Nähe der Baustelle unterwegs sind." Bauminister Lutz Lienenkämper sagte: "Ich erwarte, dass die Entscheidungen des Oberbürgermeisters (Jürgen Roters) ausschließlich von der Sorge um die Sicherheit der Menschen bestimmt sind."
"Der Umzug ist sicher"
Zugleiter Christoph Kuckelkorn versicherte, der Rosenmontagszug sei sicher. "Weder die Zuschauer noch die Teilnehmer müssen sich Sorgen machen." Er stehe im ständigen Kontakt mit den Behörden. Wenn sich die Lage ändern sollte, werde er sofort handeln: "Im extremsten Fall könnten wir noch wenige Stunden vorher den Zugweg ändern."
Nach Worten von Roters besteht keine Einsturzgefahr der Baustelle. Geprüft wird allerdings noch, ob die Baugrube auch einem extremen Hochwasser standhalten würde. In wenigen Wochen beginnt die Schneeschmelze und der Pegel des Rheins dürfte steigen.
dpa
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