Panorama

Absturz im Staat WashingtonUS-Marine verliert Störflugzeug

12.03.2013, 14:40 Uhr
2013-03-11T221014Z-01-TOR401-RTRMDNP-3-USA-JPG1796774515547676029
Der Krater zeugt von der mörderischen Wucht des Aufpralls: Der Besatzung blieb offenbar keine Chance. (Foto: Reuters)

Entsetzte Trauer auf einer Marinebasis auf Whidbey Island: Ein Spezialflugzeug für elektronische Kriegführung verschwindet bei einem Trainingsflug von den Radarschirmen. Als Rettungskräfte den Krater entdecken, ist klar: Für die Besatzung gibt es keine Hoffnung.

RTX7WO3
Ein Pilot und bis zu drei Mann Besatzung: Eine Prowler bei den Flugvorbereitungen (Archivbild). (Foto: REUTERS)

Beim Absturz eines Militärflugzeugs der US-Marine im US-Bundesstaat Washington sind nach US-Medienberichten alle drei Besatzungsmitglieder an Bord ums Leben gekommen.

Die Maschine vom Typ EA-6B "Prowler" sei am Montagmorgen (Ortszeit) rund 80 Kilometer westlich von der Stadt Spokane im Lincoln County in ein Feld gestürzt, berichtete die "Los Angeles Times". Sie befand sich auf einem Trainingsflug vom Marine-Stützpunkt Whidbey Island am Puget Sound im Nordwesten des Westküstenstaates.

Erste Bilder vom Absturzort ließen die Hoffnung auf Überlebende schnell schwinden. Die zweistrahlige Maschine hatte sich offenbar im spitzen Winkel und in Seitenlage dem Boden genähert und beim Aufprall einen tiefen Krater in die Ackerfläche gerissen. Die Trümmer lagen weit verstreut hinter der Aufschlagstelle.

Die Absturzursache liegt bislang vollkommen im Dunkeln. Ein örtlicher Farmer berichtete, er habe am Morgen gerade seine Tiere gefüttert, als er am Horizont eine schwarze Pilzwolke habe aufsteigen sehen. Einen Explosionsknall habe er nicht gehört, hieß es. Die Absturzstelle liegt mehr als 250 Kilometer Luftlinie von der Basis entfernt in ländlicher Umgebung weit außerhalb von Spokane. Am Boden soll niemand zu Schaden gekommen sein, hieß es.

Im Tiefflug abgeschmiert?

Offizielle Angaben über etwaige Anzeichen für technische Probleme, lagen zunächst nicht vor. Flugunfallermittler der US Navy machten sich daran, die Aufzeichnungen üer Flugzeiten, Pilotenerfahrung und Wartungsarbeiten auszuwerten sowie die Aufzeichnungen zum Funkverkehr abzuhören. Ob es einen Notruf gegeben hat, blieb zunächst offen.

Organisatorisch war das abgestürzte Flugzeug Teil der "Electronic Attack Squadron 129" (VAQ-129), die den Beinamen "Vikings" trägt. Im Einsatz befinden sich auf den Plätzen neben und hinter dem Piloten bis zu drei Systemoffiziere. Details zu Namen, Einsatzerfahrung und Ausbildung der an Bord befindlichen Besatzungsmitglieder wollte die US Navy zunächst nicht veröffentlichen. Besonders tragisch: Die Maschine war just von jener Basis gestartet, an der die Marine eine eigene Gedenkstätte für alle 44 Navy-Angehörigen unterhält, die bisher bei Unfällen mit der Prowler ums Leben gekommen sind.

Fliegender Navy-Störsender

Die Prowler-Jets dienen üblicherweise zum Schutz von Flugzeugträgern, Flottenverbänden, Jägern und anderen Kampfflugzeugen, indem sie Radar und andere elektronische Aufklärungsmittel des Gegners stören. Im Ernstfall sind die Spezialflugzeuge für "elektronische Gegenmaßnahmen" in der Regel mit Anti-Radar-Raketen bewaffnet, die feindliche Radarstationen selbstständig ansteuern und zerstören können.

Die zweistrahlige Maschine ist etwa 18 Meter lang, maximal knapp 30 Tonnen schwer und voll trägertauglich. Zwei Triebwerke von Pratt & Whitney sorgen für ausreichend Schub. In der Spitze erreicht die Prowler eine Geschwindigkeit von 920 Kilometern in der Stunde. Die Dienstgipfelhöhe liegt bei etwa 11.500 Metern. Mit vollen Tanks beträgt die Reichweite rund 1000 Seemeilen (rund 1840 Kilometer).

Erste Versionen der A-6 befinden sich seit den frühen 1970er Jahren im Dienst. Hersteller ist der US-Rüstungskonzern Northrop Grumman. Der Stückpreis liegt bei 60 Mio. Dollar.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa