Panorama

Loveparade-KatastropheUnglückstunnel wieder frei

05.09.2010, 14:45 Uhr
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Die Wut konzentriert sich weiter auf den Duisburger Oberbürgermeister. (Foto: REUTERS)

Die offizielle Trauerzeit für die Opfer der Loveparade ist zu Ende. In dem Unglückstunnel in Duisburg rollt wieder der Verkehr. Doch die Toten sind unvergessen – und viele Fragen immer noch nicht beantwortet. Seit Wochen schieben sich Stadt, Veranstalter und Polizei die Verantwortung für die Katastrophe zu.

Im Duisburger Unglückstunnel der Loveparade rollt sechs Wochen nach der Katastrophe wieder der Verkehr. Das teilte die Polizei mit. Zuvor hatte die Stadtreinigung die letzten sichtbaren Spuren der Trauer beseitigt. Dabei räumte sie Überreste von Kerzen und Trauersträußen sowie Zettel, Plakate und Absperrungen in dem Tunnel wag, in dem es zu dem tödlichen Gedränge gekommen war.

Am Samstag hatten Hunderte Menschen vor Ort noch einmal der Opfer gedacht. Trauergaben wie Plüschtiere, Briefe und Fotos wurden in einen containergroßen Kubus mit einer gläsernen Frontscheibe gelegt. An einer Mauer am Unglücksort wurde eine Gedenktafel angebracht. Damit ging die offizielle Trauerzeit zu Ende. Der Kubus soll eine Art provisorische Gedenkstätte sein. Über eine dauerhafte Gedenkstätte soll später entschieden werden.

Von der Stadt Duisburg war am Wochenende Kulturdezernent Karl Janssen (CDU) gekommen. Der umstrittene Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) blieb der Veranstaltung fern. "Ich glaube, wir haben einen Rahmen gefunden, der würdevoll für die Opfer und ihre Angehörigen ist", sagte Janssen als Sprecher des "Bürgerkreises Gedenken", der den Gedenktag organisiert hatte. Auch Innenminister Ralf Jäger (SPD) war unter den Besuchern.

Schuldfrage immer noch ungeklärt

Die Schuldfrage für die Katastrophe, bei der 21 Menschen starben, ist noch immer ungeklärt. Seit Wochen schieben sich Stadt, Veranstalter und Polizei die Verantwortung für die Katastrophe zu. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete unterdessen von einem Durcheinander bei aktuellen Absprachen zwischen Polizei, Stadt, Feuerwehr und Veranstalter am Unglückstag. Eine Telefonkonferenz sei "chaotisch und undiszipliniert" verlaufen, zitierte das Magazin einen Ermittler. Noch während des Krisengesprächs habe es offenbar bereits Schwerverletzte gegeben.

Die Duisburger Ratsfraktionen von SPD, FDP und Linke wollen Sauerland bei einer Sondersitzung am Montag zum sofortigen Rücktritt auffordern. Die Vorsitzende der CDU-Fraktion, Petra Vogt, rechnete jedoch nicht damit, dass der Oberbürgermeister dem Antrag Folge leisten wird.

Fraktionen debattieren Abwahlantrag

Am Montag wird auch über einen Abwahlantrag der drei Fraktionen nach der Gemeindeordnung debattiert. Eine Abstimmung darüber ist für den 13. September geplant. Spricht sich dann eine Zweidrittel-Mehrheit der Ratsmitglieder für eine Abwahl aus, müssen die Bürger entscheiden. Ein Erreichen dieser Mehrheit gilt wegen der Sitzverteilung im Rat allerdings als unwahrscheinlich.

Der Rat wird sich auch mit einem sogenannten Einwohnerantrag befassen. Darin haben sich mehr als 10.000 Bürger für die Abwahl Sauerlands und zweier Dezernenten ausgesprochen.

Quelle: dpa