Panorama

Leipziger Organspende-Skandal: Uni schließt Korruption nicht aus

Die Uniklinik Leipzig hält es für denkbar, dass beim Organspende-Skandal Korruption eine Rolle gespielt hat. Laut Bundesärztekammer dürften in den kommenden drei Jahren weitere Skandale aufgedeckt werden; so lange dauere die Arbeit der 2012 ins Leben gerufenen Prüfkommission.

(Foto: dapd)

Die Führung des Leipziger Uniklinikums schließt nicht aus, dass beim Organspende-Skandal an ihrem Transplantations- Zentrum Geld geflossen ist. "Ich kann nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass kein Geld geflossen ist", sagte Prof. Wolfgang Fleig, medizinischer Vorstand am Uniklinikum Leipzig (UKL).

Soweit er die beschuldigten Ärzte und die betroffenen Patienten kenne, könne er sich eine Bestechung jedoch nicht vorstellen, fügte Fleig hinzu. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat ein Verfahren eingeleitet, um eine mögliche strafrechtliche Relevanz zu prüfen.

Am Leipziger Transplantationszentrum waren Unregelmäßigkeiten bei der Organspende aufgedeckt worden. Laut Uniklinik sollen Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben und damit kränker gemacht worden sein, um deren Chancen auf eine Spenderleber zu erhöhen. Laut Fleig waren 37 Patienten in den Jahren 2010 und 2011 und ein Patient im Jahr 2012 betroffen. Der verantwortliche Direktor der Klinik sowie zwei Oberärzte wurden beurlaubt.

"Die Kontrollen funktionieren"

Die Bundesärztekammer rechnet mit weiteren Manipulationsvorwürfen im Zusammenhang mit Organtransplantationen. "Die Prüfkommission untersucht etwa 140 Transplantations-Programme, was etwa drei Jahre dauern wird. Deshalb rechnen wir damit, dass noch mehr ans Licht kommt", sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery der "Bild"-Zeitung. Allerdings seien die Fälle am Uniklinikum Leipzig ein Beleg dafür, dass die 2012 eingeführten Kontrollen funktionieren, so Montgomery im "Tagesspiegel".

In Leipzig waren die Unregelmäßigkeiten waren Mitte Dezember von der Prüf- und Überwachungskommission von Bundesärztekammer (BÄK), Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) entdeckt worden. In den an Eurotransplant übermittelten Unterlagen seien die Patienten als Dialysepatienten ausgegeben worden, obwohl dies nicht stimmte, sagte Fleig. Durch die Falschangaben wurden die Patienten auf der Warteliste der für die Zuteilung von Spenderorganen zuständigen Stiftung Eurotransplant besser positioniert.

"Ärzte können sich Vorwürfe nicht erklären"

Die betreffenden Ärzte könnten sich die Vorwürfe "derzeit nicht erklären", sagte Fleig. Es gebe bislang keine Hinweise, dass die Mediziner in Absicht gehandelt hätten oder dass Geld geflossen sei. Die Leipziger Staatsanwaltschaft leitete ein Vorermittlungsverfahren ein. Es werde geprüft, ob und inwieweit es Anhaltspunkte für einen möglichen Anfangsverdacht einer Straftat gebe, sagte ein Sprecher.

Im vergangenen Sommer war ein Organspende-Skandal an der Uniklinik in Göttingen aufgeflogen. Dort sowie auch in Regensburg sollen durch die Manipulation von Krankenakten bestimmte Patienten bei der Organspende bevorzugt worden sein. Die Prüf- und Überwachungskommission kontrolliert seit September 2012 deshalb alle rund 140 Transplantationsprogramme an den 47 deutschen Transplantationszentren.

Das Bundesgesundheitsministerium sieht durch die Vorwürfe keinen neuen Handlungsbedarf. Es handele sich um "Einzelfälle", sagte eine Sprecherin. Zudem gebe es ein funktionierendes Kontrollsystem.

"Zahl der Spender geht zurück"

Nach Ansicht der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) lassen Transplantations-Skandale grundsätzlich die Bereitschaft für Organspenden sinken. "Natürlich wirkt sich das auf die Spendenbereitschaft aus", sagte Günter Kirste, medizinischer Vorstand der DSO. "Im letzten Vierteljahr 2012 sind die Spenderzahlen deutlich zurückgegangen."

Im Oktober habe es nur noch 60 statt wie sonst 100 Spenden gegeben, im November seien es rund 80 gewesen, auch der Dezember sei ungünstig verlaufen. Kirste betonte jedoch: "Es ist kein Organspende-Skandal. Es ist ein Skandal in der Transplantation." Die DSO koordiniert die Organspende in Deutschland.

Quelle: n-tv.de

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