Freitag, 04. Juli 2008
11.000 Tonnen Abfall: Uralt-Käse aus Italien
Die italienische Polizei ist einem neuen Lebensmittelskandal auf der Spur: Uralte Milchprodukte, die höchstens noch zu Tierfutter verarbeitet werden sollten, sind in italienischen und deutschen Supermärkten zum Verkauf angeboten worden. Eine kriminelle Bande rund um einen 46-jährigen Unternehmer aus Sizilien habe halb vergammelten und schimmeligen Käse so aufbereitet, dass er wie frisch erschienen sei, berichtet die Zeitung "La Repubblica".
Bei ihren Ermittlungen fanden die Einsatzkräfte unter anderem Würmer, Maus-Exkremente sowie Plastik in den Käseresten, die recycelt und als "neue Produkte" in den Handel gelangen sollten. Eine "Spezialität" der Bande sei es zudem gewesen, wegen des abgelaufenen Verfallsdatums vom Markt genommenen Mozzarella sowie verfaulte Scheibletten auf neu zu trimmen, erklärten Polizisten.
30 Jahre alter Käse
In einer Kühlzelle sei gar Schnittkäse aus dem Jahr 1980 entdeckt worden, der - neu aufgemischt und gesäubert - auf den Tischen von Deutschen und Italienern landen sollte. "Es war ekelerregend", erinnert sich Polizeikommandant Mauro Santonastaso aus Cremona.
Betroffen sind unter anderem Scheibletten, Mozzarella und Gorgonzola so berühmter Marken wie Galbani, Granarolo und Prealpi. Da den Tätern durch die Aufbereitung des Ekel-Käses kaum Kosten entstanden seien, hätten sie sich um Dutzende Millionen Euro bereichert, hieß es. Allerdings seien die Milchprodukte für die Gesundheit der Konsumenten "eine ökologische Bombe" gewesen.
Galbani teilte am Abend allerdings mit, von dem Skandal um Ekel-Käse "in keiner Weise" betroffen zu sein. Die Produkte von Galbani enthielten "keinerlei Inhaltsstoffe der beschuldigten Firma". Galbani verwies auf strenge Kontrollen zu jedem einzelnen Produktionsschritt: von der Beschaffung der Milch bis hin zum Vertrieb der Endprodukte, damit die umfassende Rückverfolgbarkeit der Produkte und die Einhaltung der sehr strengen Qualitätsstandards gewährleistet werde.
Gestank aus einem Lkw
Beamte kamen der Gruppe auf die Spur, nachdem vor zwei Jahren in Norditalien ein Lastwagen angehalten worden war, aus dessen Laderaum ekelerregender Gestank drang. Der Käse, den die Polizisten fanden, sollte zur Weiterverarbeitung an die Firma Megal in dem Örtchen Vicolungo geliefert werden - jedoch sei er bereits völlig verfault gewesen, hieß es.
Nachdem Telefone abgehört worden waren, deckten Spezialisten den Skandal schließlich auf. Ohne Umschweife wurde der Käse bei den Telefonaten als "merda" (Scheiße) bezeichnet, die "gesäubert und in Ordnung gebracht" werden müsse.
Eine Spur führt nach Bayern
Verarbeitet wurde der Gammel-Käse in drei norditalienischen Unternehmen und in einem Werk im bayerischen Woringen. Spezialisten des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit durchsuchten den Betrieb im Unterallgäu noch am Freitag. Das Ministerium forderte die italienischen Behörden auf, "schnellstmöglich" die nötigen Informationen zur Verfügung zu stellen. In dem kleinen Woringer Betrieb mit etwa zehn Angestellten wird nach Angaben des Bürgermeisters vor allem Schmelzkäse verarbeitet.
In den vergangenen zwei Jahren seien 11.000 Tonnen Uralt-Käse in Frisch-Produkte verwandelt worden, schreibt "La Republicca". Sie seien in Supermarkt-Regalen in ganz Europa gelandet - unter anderem auch in Deutschland.
Um den widerwärtigen Schwindel ungestört durchziehen zu können, hatte die Bande den Angaben zufolge auch Verbündete bei der örtlichen Gesundheitsbehörde: Der Direktor und zwei Mitarbeiter sollen ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sein und Kontrollen in den Käse-Werken frühzeitig angekündigt haben.
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