Panorama

Trauer um vier tote KinderVater liegt noch im Koma

16.06.2012, 04:51 Uhr
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Ilsede steht unter Schock. (Foto: dapd)

Nachbarn beschreiben ihn als schwer depressiv, die Staatsanwaltschaft spricht von einer vollkommen unauffälligen Familie: Ein 36-Jähriger soll in Niedersachsen seine vier schlafenden Kinder getötet haben. Ein kleiner Ort versucht das Unfassbare zu verstehen. Der Mann, der das getan haben soll, kann sich noch nicht äußern.

Nach der Familientragödie in Niedersachsen haben Schulfreunde in einer stillen Andacht an die vier Geschwister erinnert, die von ihrem Vater umgebracht worden sein sollen. Vor allem Schulfreunde der Getöteten strömten am Freitagabend mit ihren Eltern in die kleine St. Nikolai Kirche in Ilsede.

Vor allem Schulfreunde der Getöteten kamen mit ihren Eltern in die kleine St. Nikolai Kirche. Viele Kinder weinten immer wieder. Die Mädchen und Jungen zündeten hunderte Teelichter an und schrieben Fragen und Gebete auf kleine Zettel, die sie auf den Altar legten. Die Andacht hielt der Pastor der Gemeinde, Walter Faerber. Er war nach dem Verbrechen als Notfallseelsorger im Einsatz gewesen. Der Pastor betonte, es brauche Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten.

Anwohner reagierten mit Entsetzen auf die Bluttat. "Ich bin total geschockt", sagte eine Nachbarin, die die Kinder immer zur Schule hatte gehen sehen. "Ich bin fassungslos." Erschüttert zeigte sich auch der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde. "Man kann sich das gar nicht vorstellen", sagte Otto-Heinz Fründt dem "Spiegel". "Ich bin regelrecht gelähmt von dieser Information."

Vier Kinderleichen

In der Nacht zuvor waren dort in einem Reihenhaus die Leichen eines 12-jährigen Mädchens und seiner drei Brüder im Alter von 5, 7 und 9 Jahren gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Vater die Kinder umbrachte. Der 36-Jährige unternahm anschließend einen Selbstmordversuch.

Die Ermittler warten nun darauf, dass der Mann aus dem Koma erwacht. Er liegt mit schwersten Verletzungen in einer Klinik. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Beziehungsprobleme Motiv für die Tat in der 7000-Einwohnergemeinde zwischen Braunschweig und Hannover waren.

Die Mutter war zum Zeitpunkt der Tat im Ausland. Sie hatte nach Angaben der Ermittler in ihrem Urlaub eine SMS von ihrem Mann erhalten, in der dieser die Tat andeutete. Die Frau leitete die Nachricht sofort an Verwandte weiter, die die Polizei alarmierten. Als die Retter in dem Haus eintrafen, fanden sie aber nur noch die Leichen der Kinder und den schwer verletzten Vater.

"Wir gehen davon aus, dass die Kinder im Schlaf getötet worden sind", sagte der Hildesheimer Staatsanwalt Bernd Seemann. Die Verletzungen von einem der Kinder deuteten aber daraufhin, dass es möglicherweise noch versucht habe, sich zu wehren.

Quelle: ntv.de, dpa