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Das Opfer im Gerichtssaal (Zweiter von rechts).
Das Opfer im Gerichtssaal (Zweiter von rechts).(Foto: dpa)

Freund der Tochter entmannt: Vater muss sechs Jahre in Haft

Dafür, dass er dem 41 Jahre älteren Liebhaber seiner Tochter die Hoden abschnitt, muss ein 48 Jahre alter Mann sechs Jahre ins Gefängnis. "Das war ein brutaler Racheakt", sagt der Richter. Das Opfer war der Opa einer Freundin der damals 17 Jahre alten Tochter.

Ein Vater, der dem 58 Jahre alten Freund seiner minderjährigenTochter die Hoden abgeschnitten hat, muss für sechs Jahre ins Gefängnis. Das Landgerichtverurteilte den Mann aus Bielefeld wegen schwerer Körperverletzung. Außerdem mussder 48-Jährige dem Opfer 80.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Angeklagte habeetwas "schwer fassbar Grausames getan", sagte der Vorsitzende RichterGeorg Zimmermann. Der Vater hat zugegeben, den um 41 Jahre älteren Liebhaber der17-jährigen Tochter im November 2010 überfallen und ihm die Hoden abgeschnittenzu haben.

Ein solches Verbrechen sei in Deutschland so noch nie zur Anklagegekommen, sagten Nebenkläger und Verteidiger. Der 58-Jährige hatte über Monate einesexuelle Beziehung mit der 17-Jährigen gehabt. Im Zorn hatte der Vater den Mannschließlich ohne Betäubung kastriert, um ihn gefesselt und geknebelt zurückzulassen.Das Opfer hatte damals schwer verletzt überlebt, weil der Täter anschließend denNotarzt verständigte. Als die Retter die Tür aufbrachen, fanden sie den Mann nacktin einer großen Blutlache. Das Messer und die Hoden wurden nie gefunden.

"Brutaler Racheakt"

"Das war ein brutaler Racheakt", sagte der Richter."Es ist zu kurz gedacht, wenn man sagt: Er hat das für seine Tochter getan.Wir glauben, er hat das vor allem für sich gemacht." Trotz der Entschuldigungsehe der 48-Jährige seine Schuld offenbar noch nicht vollständig ein.

Der Angeklagte mit einem Anwalt.
Der Angeklagte mit einem Anwalt.(Foto: dpa)

Das Opfer, das selbst fünf Kinder und neun Enkel hat, ist durchdie Verletzung zeugungsunfähig geworden. Sein Mandant sei immer noch in therapeutischerBehandlung und müsse bis an sein Lebensende künstliches Testosteron einnehmen, sagtesein Anwalt, Harald Schlüter: "Das ist ein außergewöhnlicher Fall von Selbstjustiz."Ankläger Christoph Mackel hatte zuvor die besondere Brutalität und Kaltblütigkeitdes angeklagten Gebäudereinigers hervorgehoben. "Die Tat diente insbesonderezur Erniedrigung des Mannes."

Opa träumte von großer Liebe

Die Verteidigung sprach von einem seelischen Ausnahmezustandund hatte für eine Bewährungsstrafe plädiert. Zugleich bezweifelten die Anwältedie angebliche Liebesbeziehung zwischen dem Mädchen und dem Mann. Er war der Großvaterihrer besten Freundin, sie nannte ihn jahrelang "Opa". Der 58-Jährigehatte dagegen von der großen Liebe gesprochen. Die junge Frau, die den kurz vorProzessbeginn erhobenen Vorwurf der Vergewaltigung inzwischen wieder zurückgezogenhat, sagte in dem Prozess nicht aus. Der Angeklagte, der fünf Kinder hat, bat inseinem Schlusswort um Entschuldigung, er habe überreagiert. "Mir ging es nurdarum, mein Kind zu schützen." Der 58-Jährige habe sich Luftschlösser gebautund von Heirat und Babys geträumt, sagte der Richter. "Sein Weg hat sich alsSackgasse erwiesen."

Der 58-Jährige, der für das Mädchen nach 36 Jahren Ehe seineFrau und seine Familie verlassen hatte, hatte eine Entschädigung von 150.000 Euroverlangt. Die Verteidigung übergab als Zeichen des guten Willens außerhalb des Gerichtssaalseinen Vorschuss von 15.000 Euro in bar.

Quelle: n-tv.de