Panorama

Glaubenshüter kritisiert Ökumene-Aufruf: Vatikan bewegt sich nicht

Der Aufruf von deutschen Politikern zur Ökumene stößt bei der katholischen Kirche auf entschiedene Ablehnung. Ihr oberster Glaubenshüter Erzbischof Müller sagt, die Katholiken könnten nicht von den Protestanten verlangen, den katholischen Glauben zu übernehmen. Das gelte auch umgekehrt.

Erzkonservativ: Gerhard Ludwig Müller. Er war bis zum Sommer 2012 Bischof von Regensburg.
Erzkonservativ: Gerhard Ludwig Müller. Er war bis zum Sommer 2012 Bischof von Regensburg.(Foto: picture alliance / dpa)

Der oberste Glaubenshüter der katholischen Kirche, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hat den Einsatz prominenter Katholiken und Protestanten für ein Ende der Kirchenspaltung kritisiert. Deutsche Spitzenpolitiker täten mit Aufrufen wie "Ökumene jetzt!" so als sei Kirche eine politische Partei, sagte der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre der "Rheinischen Post". Müller gilt als eingefleischter Erzkonservativer.

"Wir stimmen über den von Gott geoffenbarten Glauben nicht wie über Parteiprogramme ab", betonte Müller, der bis zum Herbst das Bistum Regensburg geleitet hatte. "Wir Katholiken können nicht von den Protestanten verlangen, gegen ihr Wahrheitsgewissen den katholischen Glauben zu übernehmen und umgekehrt." Müller sprach dabei von "politisierenden Ökumenikern und ökumenisierenden Politikern".

Ein Gruppe von Prominenten und Politikern war im September mit dem Appell "Ökumene jetzt - ein Gott, ein Glaube, eine Kirche" an die Öffentlichkeit getreten. Zu den Erstunterzeichnern zählten Bundestagspräsident Norbert Lammert, Verteidigungsminister Thomas de Maizière, Bildungsministerin Annette Schavan (alle CDU) und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.

Für Papst aus Lateinamerika

Anlass für die Initiative war der 50. Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzils, das sich für eine Verständigung mit den Protestanten ausgesprochen hatte, sowie der 500. Jahrestag der Reformation im Jahr 2017.

Müller zeigte sich offen für einen Papst aus Lateinamerika. Er kenne "eine Reihe von Bischöfen und Kardinälen aus Lateinamerika, die auch für die gesamte Weltkirche Verantwortung übernehmen könnten", sagte er. Er könne sich daher gut vorstellen, dass der nächste Papst von dort komme.

Quelle: n-tv.de

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