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Panorama

Montag, 27. April 2009

Erster Fall in Spanien: Virus erreicht Europa

Die Schweinegrippe hat Europa erreicht. Die spanische Regierung bestätigte einen ersten Fall des H1N1-Virus. Es handele sich um einen Mann, der vor kurzem von einer Reise aus Mexiko zurückgekehrt war, erklärte Gesundheitsministerin Trinidad Jimenez.

Verdachtsfälle in Europa wurden auch aus Italien, der Schweiz, Großbritannien, Dänemark und Schweden gemeldet. In Frankreich gaben die Behörden vorerst Entwarnung, vier Schweinegrippe-Verdachtsfälle dort erwiesen sich als harmlose Grippe-Erkrankungen. Weitere Verdachtsfälle gibt es in Israel, Brasilien, Kolumbien und Australien.

"Kein Grund zur Panik"

Die Fälle von Schweinegrippe in den USA sind nach den Worten von US-Präsident Barack Obama Grund zur Besorgnis und zur erhöhten Wachsamkeit. Sie seien aber kein Grund zur Panik, sagte Obama in der Akademie der Wissenschaften in Washington. In den USA gibt es bisher 20 bestätigte Fälle von Schweinegrippe. Alle Erkrankten sind inzwischen genesen.

Obama verwies darauf, dass bereits am Sonntag in den USA ein "Gesundheitsnotstand" ausgerufen worden sei. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um zu gewährleisten, dass die nötigen Mittel zu einer raschen Reaktion zur Verfügung stünden. Die US-Behörden verfolgten die Lage intensiv und stellten sicher, dass die Bevölkerung ständig über ergriffene oder nötige Maßnahmen auf dem Laufenden gehalten würden.

In Mexiko stieg die Zahl der mutmaßlichen Grippetoten nach Angaben von Gesundheitsminister Jos Angel Crdova auf 103. Bei zunächst 20 Toten wiesen die Behörden den gefährlichen Schweinegrippen-Erreger A/H1N1 bereits nach. Mehr als 1600 Menschen wurden den Angaben zufolge wegen mutmaßlicher Schweinegrippe medizinisch behandelt.

"Keine unmittelbare Gefahr"

Deutschland ist durch die Schweinegrippe in Nordamerika nach Auskunft der Bundesregierung derzeit nicht direkt gefährdet. "Eine unmittelbare Gefährdung besteht nicht", sagte der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Klaus Vater. An dieser Einschätzung ändere auch der erste bestätigte Schweinegrippefall in Europa nichts. In der Bundesrepublik habe es bislang einen Verdachtsfall gegeben, der sich aber nicht bestätigt habe.

Die Behörden hätten Vorsichtsmaßnahmen getroffen, sagte Vater. So würden in Flughäfen Merkblätter verteilt mit Hinweisen, was zu beachten sei. Auch Ärzte erhielten Informationsblätter. "Da beginnt der Pandemieplan merkbar zu werden", sagte Vater. Zur Abwehr einer außergewöhnlich gefährlichen Grippe gibt es in Deutschland den Nationalen Pandemieplan.

Die Bundesregierung geht von einer ausreichenden Menge antiviraler Medikamente in Deutschland aus. Die Länder hätten wohl im Wesentlichen ihre Vorgaben zum Vorrat solcher Mittel erfüllt, sagte Vater. Solche Mittel seien allerdings nur wirksam, um eine eventuelle Infektion besser zu überstehen. Nicht alle Fragen seien gelöst.

Reisende werden untersucht

Aus Mexiko ankommende Flugpassagiere werden unmittelbar nach der Landung in Frankfurt am Main bei Verdacht auf Schweinegrippe untersucht. Reisende, die möglicherweise erkrankt seien, würden noch im Flugzeug von Ärzten des Gesundheitsamtes und der Flughafenklinik untersucht, teilte das hessische Gesundheitsministerium mit. Gegebenenfalls würden sie zur weiteren Untersuchung und Behandlung in die Frankfurter Universitätsklinik gebracht.

Ergebnisse von Tests auf die Krankheit lägen nach sieben Stunden vor. Sollte ein Test positiv sein, erhielten Mitreisende und die Crew umgehend Medikamente, die einen Ausbruch der Krankheit verhindern sollen.

Deutsche Fluggesellschaften und Reiseveranstalter sind wegen der zunehmenden Fälle von Schweinegrippe in Amerika in Alarmbereitschaft. Während Airlines von Flugstreichungen bislang absehen, haben die beiden größten deutschen Reiseveranstalter, TUI und Thomas Cook, Ausflüge nach Mexiko City bis auf weiteres abgesagt.

EU rät von Reisen ab

Die Europäische Kommission warnte vor Reisen in betroffene Gebiete. Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou riet EU-Bürgern, auf nicht unbedingt notwendige Reisen in von der Krankheit betroffene Regionen zu verzichten.

Die Reisewarnung gilt nach Angaben der EU-Kommissarin in erster Linie für Mexiko und die USA. Für Donnerstag ist ein Krisentreffen der europäischen Gesundheitsminister geplant.

Auftreten in Deutschland wahrscheinlich

Forschungsinstitute rechnen mit einem Auftreten der für Menschen gefährlichen Schweinegrippe auch in Deutschland. Sie stufen die Bedrohung als ernst ein, warnten aber zugleich vor unbegründeter Panikmache. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts in Berlin, Jörg Hacker, sprach im RBB von einer "ernsten und Besorgnis erregenden" Situation. Mit einem nationalen Pandemie-Plan und entsprechenden Vorkehrungen in den Ländern sei Deutschland aber gut vorbereitet. "Für alle diese Fälle gibt es Vorkehrungen, und wir sind in Deutschland insgesamt gut gerüstet", sagte Hacker weiter.

Die großtechnische Produktion eines neuen Impfstoffs dauert nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts in der Regel zehn bis zwölf Wochen. Im Fall des aktuellen Schweinegrippe-Auftretens sei man aber noch längst nicht so weit, sagte PEI-Sprecherin Susanne Stöcker. Derzeit sei die US-Gesundheitsbehörde CDC mit der Herstellung eines sogenannten Impfstamms beschäftigt. Dazu werde das Virus so verändert, dass es sich in Hühnereiern vermehre. Für die industrielle Impfstoffherstellung seien nach wie vor Hühnereier die Basis.

Die Zulassung dürfte nach Ansicht des PEI kein Problem sein, zumal es bereits Zulassungen für Pandemie-Impfstoffe gebe, die nur variiert werden müssten. Es sei allerdings die Frage, wie viel Produktionskapazität die Hersteller für einen möglichen neuen Impfstoff hätten. Derzeit werde der Impfstoff für die nächste "normale" Grippewelle produziert.

Leere Straßen in Mexiko

In der mexikanischen Hauptstadt sind die Straßen wie leergefegt. Viele Menschen haben sich mit Schutzmasken und Vorräten an Nahrungsmitteln und Wasser eingedeckt, um sich auf einen längeren Aufenthalt zu Hause vorzubereiten. Die Weltbank sagte Mexiko 25 Millionen Dollar (rund 19 Millionen Euro) Soforthilfe für den Kauf medizinischer Ausrüstung zu. Weitere 180 Millionen sollen für mittelfristige Schutzmaßnahmen zur Verfügung stehen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat der Erreger das Potenzial zum Auslösen einer Pandemie. Die WHO befürchtet zudem weitere Mutationen, die das Virus noch gefährlicher machen könnten.

dpa / rts / AFP

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