Gutes Wetter an der "Costa Concordia"Vor Giglio wird abgepumpt

Die Vorbereitungen laufen seit Wochen, nun beginnt das Abpumpen des Öls aus den Tanks der "Costa Concordia" früher als geplant. In Rom gedenken die Menschen mit einem Gottesdienst an die Opfer des Schiffsunglücks vor einem Monat.
Knapp einen Monat nach der Havarie der "Costa Concordia" haben die Bergungsmannschaften mit dem Abpumpen des Treibstoffes aus den Tanks des Schiffswracks begonnen. Das teilten die italienischen Behörden am Sonntagabend mit. Die Arbeiten seien von Montag auf Sonntag vorverlegt worden, weil sich die Wetterbedingungen gebessert hätten.
Das havarierte Kreuzfahrtschiff hatte 2300 bis 2400 Tonnen Treibstoff an Bord. Sollte das Öl auslaufen, befürchten Experten eine Umweltkatastrophe. Die Vorbereitungen für das Abpumpen laufen seit Wochen, jedoch machte schlechtes Wetter den Bergungsexperten der niederländischen Firma Smit stets einen Strich durch die Rettung.
Bei dem Unglück am 13. Januar kamen vermutlich 32 Menschen ums Leben. Bislang wurden 17 Leichen geborgen. 15 Menschen werden noch vermisst, darunter sechs Deutsche. Insgesamt befanden sich mehr als 4200 Menschen an Bord.
Bei einem Gedenkgottesdienst am Sonntag in Rom drückte Italiens Präsident Giorgio Napolitano den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus. "Es war eine Tragödie", sagte er. Zugleich lobte er die Arbeit von Rettern und Tauchern. Diese hätten alles getan, um Überlebende zu retten und Tote zu bergen.
Video belastet Schettino
Am Wochenende war ein bislang unbekanntes Video aufgetaucht, das nach Medienberichten das Chaos auf der Kommandobrücke des leckgeschlagenen Schiffes dokumentiert. "Die Passagiere besteigen die Rettungsboote auf eigene Faust", ist in dem Film zu hören. "In Ordnung", antwortet eine gelassen klingende Stimme, die die Nachrichtensendung TG5 des TV-Senders Canale 5 Kapitän Schettino zuordnete. Die Staatsanwaltschaft wolle das Video nun für die Ermittlungen heranziehen, hieß es.
Kardinal Angelo Bagnasco mahnte in dem Gedenkgottesdienst, noch müsse die ganze Wahrheit über das Unglück ans Licht kommen und der Gerechtigkeit Genüge getan werden. "Das ist notwendig, um die Wunden zu heilen und das Vertrauen wiederherzustellen." Bagnasco, der Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz ist, dankte sowohl den Rettern als auch den Einwohnern von Giglio, die nach dem Unglück Überlebende bei sich aufgenommen hatten. "In ihnen erkennen wir die tiefe Seele unserer Nation, die reich an Intelligenz und Herz ist."
Kapitän Francesco Schettino steht weiter unter Hausarrest. Dem 52-Jährigen werden unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung und Verlassen des Schiffes während der nächtlichen Evakuierung vorgeworfen.