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Pendel und Tarotkarten gehören für viele Auguren zur Grundausstattung - oft würde jedoch auch eine Münze reichen.
Pendel und Tarotkarten gehören für viele Auguren zur Grundausstattung - oft würde jedoch auch eine Münze reichen.(Foto: picture alliance / dpa)

Wissenschaftler untersuchen Prognosen : Wahrsager liegen auch 2013 daneben

Oft angekündigt, nie passiert: Ereignisse wie der Weltuntergang werden jedes Jahr aufs Neue von einer Schar von Wahrsagern prognostiziert. Eine Gruppe von Wissenschaftlern will dem Treiben nicht tatenlos zusehen und entlarvt die Ankündigungen als Schwindel - zumindest meistens.

Wahlerfolg der Linkspartei, Börsencrash und Stromausfälle durch Gammablitze: Das sind nur einige Ereignisse, die dieses Jahr nicht eingetreten sind, von Wahrsagern jedoch angekündigt wurden. "Sie versagten mit ihren Prognosen auf ganzer Linie", meint die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) über die Arbeit von Hellsehern, Wahrsagern und Astrologen.

Den Rücktritt von Benedikt XVI. habe beispielsweise keiner auf dem Schirm gehabt. Ebenso schien der im Februar über dem russischen Tscheljabinsk niedergegangene Meteoritenschauer für die Wahrsager aus dem Nichts zu kommen. Die GWUP aus Roßdorf bei Darmstadt hat in ihrer Prognosenrückschau mehr als 100 Texte mit mehr als 400 Vorhersagen ausgewertet.

Papst Benedikt geht: eines der weltbewegenden Ereignisse, die auch für Wahrsager überraschend kamen.
Papst Benedikt geht: eines der weltbewegenden Ereignisse, die auch für Wahrsager überraschend kamen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Den kritischen GWUP-Verein gibt es seit 1987. Laut Martin Mahner von der Geschäftsstelle machen rund 1300 Wissenschaftler und fachlich Interessierte aus verschiedenen Richtungen mit. Der 55-Jährige und seine Mitstreiter nennen sich Skeptiker, die ihre Wahrsager-Bilanz seit den 90er Jahren erstellen.

Je genauer, desto falscher

Vorhersagen blieben wie immer vage, genaue Angaben über Ort und Zeit würden gern vermieden. "Wenn tatsächlich genauere Daten genannt wurden, dann erwiesen sich diese als falsch", erläutert der Bilanzierer Michael Kunkel. Auch bei der Bundestagswahl habe sich die Augurenzunft weitgehend blamiert: Statt das Ausscheiden der FDP zu prognostizieren, setzten einige stattdessen auf einen durchschlagenden Erfolg für Die Linke.

Der österreichische Astrologe Manfred Zimmel versuchte sich hingegen am Aktienmarkt. Doch der von ihm für Mitte 2013 angekündigte Börsencrash mit anschließender weltweiter Depression traf trotz anhaltender Probleme vieler Länder im Euroraum nicht ein. Sein Kollege Karsten F. Kröncke lag mit seinen Prognosen schon etwas besser: Das von ihm angekündigte monatliche Steigen oder Fallen von Börsenindizes entsprach immerhin dem Ergebnis, das auch beim Münzenwerfen entstanden wäre.

Vorhersagen können auch mal zutreffen

Der Deutsche Astrologen-Verband (DAV) steht der GWUP natürlich kritisch gegenüber. "Es gibt mehr als eine Wahrheit", sagt die DAV-Vorsitzende Helen Fritsch. "Astrologie ist nicht dazu geeignet, sich statistisch untersuchen zu lassen. Jedes Horoskop wird individuell gedeutet", rechtfertigt die 69-Jährige ihre Zunft.

Die GWUP räumt auch ein, dass die Wahrsager nicht immer danebenlägen. Allerdings gebe es dafür eine ganz und gar rationale Erklärung: "Wenn man sehr viele Prognosen formuliert, dann sind einzelne Treffer praktisch unvermeidlich", sagt Mathematiker Kunkel, der zum zwölften Mal die Bilanz zusammengetragen hat.

So habe die Wiener Hellseherin Rosalinde Haller zum Beispiel tatsächlich die Entmachtung von Ägyptens Präsident Mohammed Mursi vorhergesehen, sagt der 53-Jährige. Die ebenfalls von Haller angekündigte Entdeckung einer menschenfressenden Pflanze blieb jedoch aus, genau wie ein weiterer Atom-GAU in Japan oder ein Vulkanausbruch in den USA.

Angekündigt wird, was passiert ist

Die Vorgehensweise habe dabei stets dasselbe Muster: "Was im Bewusstsein der Menschen drin ist, das wird auch vorhergesagt." Seitdem Tsunamis und Atomkatastrophen geschehen sind, gehöre das Vorhersagen solcher Schrecken zum festen Programm der Wahrsager.

Die Möglichkeit eines Papstrücktritts ging dagegen bislang gegen null - bis Benedikt XVI. als erster Papst der Neuzeit im Februar das Amt aufgab. "Dieser Rücktritt war bei den Prognosen nicht dabei", sagt Kunkel. Und was kommt 2014? Laut GWUP "die üblichen Warnungen vor Börsen- und Naturkatastrophen sowie die eine oder andere Prognose zur Fußball-WM". Immerhin: Einer Vertreterin der Wahrsager-Zunft aus dem Gastgeberland Brasilien hat Deutschland schon zum künftigen Weltmeister erklärt.

Allerdings bleiben den Wahrsagern ja für 2013 noch ein paar Tage. Wenn die Vorhersage eines Herrn Wagner eintreffen sollte, dann wird es wohl gar nicht erst zu einer WM kommen. Denn am ersten Weihnachtsfeiertag soll ein Zusammenstoß zwischen Jupiter und einem Schwarzen Loch den Jupitermond Europa in Richtung Erde katapultieren und 2013 doch noch den Weltuntergang auslösen.

Quelle: n-tv.de

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