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Wie das wohl in einer Wetter-App angekündigt worden war?
Wie das wohl in einer Wetter-App angekündigt worden war?(Foto: dpa)
Freitag, 18. August 2017

Gefühltes und wahres Wetter: Was die Wetter-App eigentlich anzeigt

Von Björn Alexander

Sonne, Wolke, Regen: Das Symbol in der Wetter-App ist alles andere als eindeutig. Weiterhelfen können da schon Werte wie Regenrisiko, Regenmenge oder Sonnenstunden. Wie aber kommen sie zustande? Und was bedeutet sie?

Sonne, Wolke, Regen. Das Symbol in der Wetter-App ist alles andere als eindeutig. Weiterhelfen können da schon Werte wie Regenrisiko, Regenmenge oder Sonnenstunden. Jedoch: was heißt das eigentlich genau und wie kommen diese Wetterwerte zustande?

Vollautomatisch statt manuell

Die Wetterdaten, die Sie in Ihrer mobilen App oder übers Internet bekommen, sind in der Regel vollautomatisch bereitgestellte Werte. Das macht auch Sinn, denn es muss ja zu jeder Zeit von jedem Ort der Welt abrufbar sein. Aber: bei weitem nicht jeder Ort, den man abfragen kann, hat auch eine Messstation oder bekommt eine punktgenaue Prognose. Deshalb bedienen sich die automatischen Produkte eines sogenannten "Mappings".

Ist also für den angefragten Ort selber keine Vorhersage zu bekommen, dann wird einfach die nächst gelegene Wetterstation genommen. Das macht auf dem "platten Land" oft kaum einen Unterschied, ist aber besonders im Gebirge schon mal ein erster gravierender Fehlerteufel. Denn die nächstgelegene Wetterstation kann natürlich auch mal 1000 Meter höher oder tiefer liegen. Das macht in der Prognose direkt schon mal 5 bis 10 Grad Temperaturdifferenz.

Das Ergebnis solcher automatisch generierten Vorhersagen ist unterm Strich betrachtet insgesamt zufriedenstellend bis gut. Zumal auch die Wetterdaten, die uns die Computermodelle bereitstellen, über die Jahre gesehen immer genauer werden.

Allerdings gibt es noch einen gravierenden Unterschied zwischen dem Werk der Hochleistungsrechner und der Arbeit der Meteorologin oder des Meteorologen: Und der liegt in der Kombination und der Interpretation der vielen verschiedenen Wettermodelle und dem Abgleich mit dem Ist-Zustand. Insofern kann der menschliche Faktor, wie er beispielsweise in unserer eigenen Wetterredaktion auch hinzukommt, eine Wettervorhersage nochmals deutlich verbessern. Aber auch ohne fachwissenschaftliches Studium kann man natürlich einiges aus den Wetterdaten Ihrer App oder der von Ihnen benutzen Internetseite ablesen. Zumindest wenn man weiß, was genau gemeint ist. 

Das Regenrisiko in Prozent

Björn Alexander erklärt, wie das Wetter ins Handy kommt.
Björn Alexander erklärt, wie das Wetter ins Handy kommt.

Hier kann man sogar den ein oder anderen Meteorologen aufs Glatteis führen. Denn was sich so einfach liest, ist gar nicht unbedingt bekannt. Am einfachsten ist es am Beispiel zu erklären: Nehmen wir ein Regenrisiko von 10 Prozent. Das bedeutet, dass es an 1 von 10 Tagen bei einer ähnlichen Wetterlage geregnet hat. 20 Prozent bedeutet dementsprechend an 2 von 10 Tagen. 30 Prozent an 3 von 10, usw.

Um es in die umgangssprachliche Form zu bringen: ab einem Regenrisiko von 80 Prozent wird man im Prognosezeitraum ziemlich sicher nass. Von 60 bis 80 Prozent ist es wahrscheinlich, dass man Tropfen abbekommt. 40 bis 60 Prozenz kann man gleichsetzen mit: kann sein, kann nicht sein.

20 bis 40 Prozent stehen für wahrscheinlich nicht, aber eben auch nicht ganz auszuschließen. Ein Regenrisiko, bei dem man sehr sicher trocken bleibt, wäre demnach bei unter 10 Prozent. Doch nicht nur die Wahrscheinlichkeit macht was aus. Auch die Menge ist entscheidend.

Die Regenmenge in Liter pro Quadratmeter

Einige - vor allem die älteren Semester unter uns - benutzen noch die Mengenangabe in Millimetern. Das ist vom Wert her gleich. Also: 10 Liter pro Quadratmeter sind gleich 10 Millimeter. Nur dass sich der eine Wert einer Fläche bedient. Der andere Wert beschreibt hingegen, wie hoch sich das gefallene Wasser auftürmen würde. Gebräuchlicher ist aber in jedem Fall "Liter pro Quadratmeter".

Grundsätzlich spielt bei Niederschlagsereignissen die Zeit, in der der Regen fällt, eine entscheidende Rolle. Lesen Sie beispielsweise Werte von 15 Litern Regen pro Quadratmeter innerhalb eines Tages, dann könnte das ein Landregen sein, den die Natur mit Wohlgefallen aufnimmt. Geht es dagegen um 15 Liter in einer Stunde, dann ist das schon mal ein Wert, der einem Gewitterschauer entsprechen kann. Sind es 20 bis 40 oder mehr, dann sind auch Überflutungen relativ sicher. In Deutschland messen wir übrigens übers Jahr gesehen häufig Regenmengen zwischen 400 und 700 Liter auf jeden Quadratmeter.

Zeigt Ihre App hingegen ein 80-prozentiges-Regenrisiko mit einem Liter oder weniger über den Tag an, dann dürfte es sich eher um Nieselregen handeln - vielleicht aus einer geschlossenen Hochnebeldecke wie wir es im Herbst oft erleben. Hier wird dann eine weiterer Parameter wichtig. Nämlich die Sonnenscheindauer. 

Die Sonnenscheindauer

Gerne gibt man sie in Stunden an. Das hilft freilich nicht immer weiter. Denn 7 Stunden Sonne im Sommer sind etwas anderes als im Winter. Im Januar, wenn nur 7 bis 8 Sonnenstunden astronomisch möglich sind, würde uns somit ein schöner Tag erwarten. Im Sommer - bei bis zu über 17 möglichen Sonnenstunden - wäre das noch nicht einmal die Hälfte an möglichem Sonnenschein. Deshalb macht es schon mal Sinn - gerade bei Urlaubsreisen in andere Breiten zum Beispiel auf der Südhalbkugel - auch die relative Sonnenscheindauer in Prozent zu betrachten.

Die Temperatur

Blickt man auf den Tag, dann werden in der Regel zwei Temperaturen für einen Ort angegeben: die obere Grenze (Höchstwert) und die untere Grenze (Tiefstwert), die binnen 24 Stunden erreicht werden. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob ein Höchstwert ein positives oder negatives Vorzeichen hat. Denn die höchste Temperatur eines Tages kann im Winter natürlich auch mal negativ sein. Solche Tage mit Dauerfrost werden auch als "Eistage" bezeichnet.

Neben diesen 24-Stündigen Spitzenwerten geben die meisten Apps und Wetterdienste inzwischen natürlich auch die Temperatur zu jeder Stunde an. Dort können Sie dann ablesen, wann es am wärmsten und am kältesten wird. In der Regel wird der Höchstwert ab dem Mittag bzw. am Nachmittag erreicht. Die tiefste Temperatur wird - je nach Wetterlage - häufig kurz mit dem Zeitpunkt des Sonnenaufgangs oder kurz danach erreicht. 

Die gefühlte Temperatur (Windchill)

Bevorzugt im Winter rückt sie in den Fokus. Denn im Gegensatz zur gemessenen Temperatur (die stets in zwei Metern Höhe und im Schatten gemessen wird) wird hier versucht, dem Kälteempfinden Rechnung zu tragen. Hierzu spielt der Wind eine entscheidende Rolle. Je stärker er wird, umso mehr Wärme wird von der Haut weggeweht bzw. umso kühler fühlt es sich an. Auch hier bietet sich ein Beispiel an: eine gemessene Temperatur von 0 Grad fühlt sich bei einem stürmischen Wind von 70 km/h wie minus 9 Grad an. Deshalb steigt bei einem starken Wind auch die Gefahr von Erfrierungen.

Die Luftfeuchtigkeit

Sie wird in der Regel ebenfalls in Prozent angegeben. Es handelt sich also um die relative Luftfeuchtigkeit, die anzeigt, wie stark die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist. Eine 50-prozentige Luftfeuchtigkeit bedeutet dementsprechend, dass die Luft die Hälfte des maximal möglichen Wasserdampfes aufgenommen hat. Ist eine Luftfeuchtigkeit von 100 Prozent erreicht, kann die Luft nicht mehr Wasserdampf aufnehmen. Es  bilden sich Kondenswasser, Tau oder Nebel.

Gleichzeitig kann man die Luftfeuchtigkeit auch als Kenngröße für die Schwüle nutzen, denn der Wasserdampf in der Luft ist maßgeblich für unser Empfinden und die Behaglichkeit verantwortlich. Besonders bei hohen Temperaturen. Denn je höher die Temperatur ist, umso mehr Wasserdampf kann die Luft aufnehmen und umso unangenehmer fühlt es sich für uns an. Diesen Effekt kennt sicher der ein oder andere aus der Sauna, sobald beim Aufguss nachgeschöpft wird. Die trockene Hitze ist (gut) auszuhalten, mit der steigenden Luftfeuchtigkeit wird’s dann rasant brütend heiß.

Quelle: n-tv.de

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