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Ein wenig ahnte man es ja schon immer: Es ist etwas faul in der Lebensmittelindustrie.
In einer Industrie, die Hühnchen zum Spottpreis verkauft ...
... und Tomaten 3.000 Kilometer quer durch Europa karrt.
Doch welche Abgründe sich noch auftun, vermag man sich meist nicht vorzustellen.
Erst wenn man den Dokumentarfilm "We feed the world" gesehen hat, erweitert sich die Vorstellungskraft, und der Appetit schwindet.
Akribisch hat sich der Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer auf die Spur unserer Nahrungsmittel gemacht.
Und er zeigt: Essen ist nicht einfach Essen, sondern vor allem ein Produkt, das den Gesetzen der Industrialisierung und Globalisierung unterworfen ist.
So wird in Brasilien Regenwald gerodet, ....
... um Soja für die Tiermast in Europa anzubauen.
Gleichzeitig hungern Millionen Brasilianer und können nur verschmutztes Wasser trinken.
In Wien dagegen wird täglich so viel Brot weggeworfen und vernichtet wie in Österreichs zweitgrößter Stadt Graz gegessen wird. Mittlerweile ist hier der Weizen billiger als Rollsplit für die Straßen.
Die Schweiz importiert Weizen aus Indien, wo noch immer 200 Millionen Menschen an Hunger leiden.
"Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet", sagt Jean Ziegler, der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung.
Dabei könnte die Weltlandwirtschaft ohne Probleme zwölf Milliarden Menschen ernähren.
Gleichzeitig stützen allein im Jahr 2004 die OECD-Staaten ihre Landwirtschaft mit 226 Milliarden Euro - und verkaufen die Lebensmittel dann zu Billigpreisen in Afrika.
Ein Gutteil der Förderungen sind Exportsubventionen: Sie helfen, überschüssige Agrarerzeugnisse, die im eigenen Land nicht abzusetzen sind, auf dem Weltmarkt zu verkaufen.
Diese künstliche Verbilligung drückt die Weltmarktpreise und macht so die Landwirtschaft in vielen anderen Teilen der Welt unrentabel.
"Wenn Sie im Senegal auf den Markt gehen, können Sie europäische Früchte zu einem Drittel der einheimischen Preise kaufen. Also hat der senegalesische Bauer keine Chance mehr, das Auskommen zu finden", so Jean Ziegler.
Wer kann, versucht nach Europa zu fliehen.
Saatgutfirmen wiederum verdrängen zunehmend einheimische alte Pflanzen und machen die Bauern abhängig von Kunstsamen.
Karl Otrok, Produktionsdirektor von Pioneer, einem der weltgrößten Saatguthersteller in Rumänien: "We fucked up the west some time ago ...
... and now that we are coming to Romania, we will fuck up all the agriculture here."
"An sich interessiert den Handel der Preis...
... Der Geschmack, eigentlich, ist kein Kriterium", so auch der Geflügelzüchter Hannes Schulz.
Dem wachsenden Preisdruck können viele Bauern nicht mehr standhalten.
Von 1975 bis 1995 wurden mehr als 1,4 Millionen landwirtschaftliche Betriebe in Europa aufgegeben.
Ein wesentlicher Grund: Die Agrarpolitik der EU.
War anfangs die Förderung noch an den Ertrag gekoppelt - je mehr ein Bauer produzierte, desto mehr EU-Gelder - so gab es in den letzten Jahren desto mehr Geld, je mehr Fläche ein Bauer bewirtschaftete oder je mehr Vieh er hielt.
Die Folge: Produktionssteigerungen, Intensivierungen und der Trend zu immer größeren Betrieben.
Bei Nestl, dem größten Nahrungsmittelkonzern der Welt, sieht man die Entwicklung gelassen.
So plädiert Vorstandschef Peter Brabeck für eine noch weiter gehende Globalisierung: "Wasser ist ein Lebensmittel wie jedes andere und sollte einen Marktwert haben".
Ob man das in Afrika ähnlich sieht, bleibt fraglich.
Eins jedoch ist klar: Wir stehen erst am Anfang, die Globalisierung unserer Nahrung wird weiter gehen. (Alle Fotos: dpa oder aus dem Film "We feed the world"; Text: Gudula Hörr)
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