Panorama

Umerziehung in Malaysia"Weibische" Jungs müssen ins Lager

21.04.2011, 12:28 Uhr

In einem mehrheitlich muslimischen Bundesstaat Malaysias wollen die Behörden vermeintlich feminine Jungen mit Hilfe von Umerziehungslagern davon abhalten, homosexuell zu werden.

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Im Oktober protestierten Fundamentalisten in Kuala Lumpur gegen ein Konzert des offen schwulen "American Idol"-Zweitplatzierten Adam Lambert. (Foto: REUTERS)

In einem mehrheitlich muslimischen Bundesstaat Malaysias wollen die Behörden vermeintlich feminine Jungen mit Hilfe von Umerziehungslagern davon abhalten, homosexuell zu werden. Die Frauenministerium der Zentralregierung zeigte sich empört: Solche Camps könnten die Kinder nur traumatisieren, sagte Shahrizat Abdul Jalil.

Die Jungen hätten freiwillig an dem viertägigen Kurs teilgenommen, beteuerten dagegen die Behörden des Bundesstaates Terengganu. Zudem soll es weitere Camps dieser Art geben. Homosexualität ist nicht nur in Terengganu, sondern in ganz Malaysia verboten und wird mit 20 Jahren Haft bestraft.

Das viertägige Lager besuchten diese Woche 57 Teenager zwischen 13 und 18 Jahren, die nach Ansicht ihrer Lehrer "weibisches" Verhalten an den Tag gelegt hatten. Was damit genau gemeint war, blieb unklar.

Die Jungen bekamen Religionsunterricht, mussten im Gleichschritt marschieren lernen, durch den Dschungel wandern und mit Spritzpistolen schießen üben.

Der Erziehungsminister des Bundesstaates, Razali Daud, bestritt, dass die Lager etwas mit der sexuellen Orientierung der Jungen zu tun haben. "Das dient der Charakterbildung", sagte er der Zeitung "New Straits Times". "Wir hoffen, dass die Jungen physisch und mental stärker werden." Andere Behördenvertreter waren deutlicher: Man wolle verhindern, dass die Jungen später schwul oder bisexuell werden.

Quelle: hvo/dpa