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In Regensburg liegt Schnee - noch.
In Regensburg liegt Schnee - noch.(Foto: dpa)

Schneefallgrenze bei 2000 Metern: Weihnachten wird eher grün

Die gute Nachricht zuerst: Im Norden und Osten gibt es eine 50- bis 60-prozentige Wahrscheinlichkeit auf eine weiße Weihnacht. Im Westen allerdings sind die Chancen gleich null: Atlantiktief "Petra" sorgt für Wärme und Feuchtigkeit.

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n-tv.de: Björn, wie läuft es mit den Prognosen für die weiße Weihnacht?

Björn Alexander: In diesem Jahr problematischer als jemals zuvor. Zumindest habe ich in der Woche vor Weihnachten noch nie so ein Durcheinander bei den Wettermodellen erlebt.

Das heißt ...?

Dass die Sprunghaftigkeit der maßgeblichen Wettermodelle extrem war. Von Winter mit Tagestemperaturen um minus 6 bis plus 3 Grad und Schnee bis hin zu sehr milden Temperaturen zwischen 5 und 15 Grad wurde so ziemlich alles berechnet. Und zwar nicht in der Form, dass das amerikanische Wettermodell immer kalt war und das britischen immer warm. Es gab im Prinzip kaum eine Konsistenz bei den Berechnungen. Dementsprechend groß waren die Unsicherheiten in Bezug auf das weiße Fest oder auf die Hochwassersituation im Südwesten und Westen.

Wisst ihr denn inzwischen mehr?

Glücklicherweise schon. Jedoch sind das keine guten Nachrichten für Winterfreunde. Denn die mildere Variante dürfte sich mit großer Wahrscheinlich durchsetzen. Außerdem wird sich mit dem neuerlichen Tauwetter und dem teilweise ergiebigen Regen in den kommenden Tagen die Hochwasserlage im Westen und Süden verschärfen.

Was bedeutet das konkret?

Jetzt steuern wir erst einmal auf eine Grenzwetterlage hin: Auf der einen Seite steht das Russlandhoch "Thomas", das sehr kalte und trockene Luft nach Mitteleuropa schiebt. Dem gegenüber steht Atlantiktief "Petra". Das bringt mit einer südwestlichen Strömung Wärme und Feuchtigkeit mit. Dazwischen liegt eine Luftmassengrenze, die für ein zweigeteiltes Adventswochenende sorgt. In der Südwesthälfte sehr mild mit reichlich Regen. Und bei Temperaturen, die bis zum Sonntag auf 10 bis 15 Grad ansteigen, geht es mit der Schneefallgrenze auf über 2000 Meter rauf. Damit wird sich neben der Hochwassersituation auch die Lawinengefahr in den Alpen deutlich verschärfen. Ganz anders ist das Wettergefühl im Norden und Osten unseres Landes.

Dort herrscht der Winter vor?

Grüne, nasse Weihnachten.
Grüne, nasse Weihnachten.(Foto: dpa)

So sieht es aus. Meist leichte bis mäßige Schneefälle werden von Schleswig-Holstein über Teile Niedersachsens bis herunter ans Erzgebirge sowie nordöstlich davon einige Zentimeter Neuschnee bringen. Sowohl dort als auch im Übergangsbereich zur milderen Luft mit Glättegefahr. Allerdings wird die Kälte in den nächsten Tagen immer weiter abgedrängt. Spätestens am Heiligen Abend ist der Dauerfrost dann auch im Nordosten vorbei. Stattdessen müssen Sie sich dann auch dort auf gefrierenden Regen oder Nieselregen einstellen. Ansonsten bringt uns der 24. Dezember sehr wahrscheinlich extrem milde Temperaturen. Die erreichen oft zwischen 5 und 15 Grad. In vielen Landesteilen mit reichlich Gewölk. Deutlich schöner dürfte es in Richtung Alpen werden.

Und wo bestehen dann überhaupt noch Chancen auf einen weißen Heiligen Abend?

Im Flachland im Norden und Osten mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 bis 60 Prozent. In den östlichen Mittelgebirgen bleibt es mit 90-prozentiger Sicherheit weiß. Und auch auf den Bergen der Alpen oberhalb von rund 1000 Metern sollte der Schnee vielerorts das kurze, aber sehr intensive Tauwetter überstehen können.

"Kurz" bedeutet in diesem Zusammenhang?

Ab dem ersten Weihnachtsfeiertag dreht die Strömung voraussichtlich wieder auf West bis Nordwest. Und damit sinkt die Schneefallgrenze wieder auf etwa 800 Meter. Im Flachland wird es nasskalt bei meistens 3 bis 8 Grad und auf den höheren Bergen eben wieder winterlich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Damit dürften dann die Pegelstände von den Oberläufen her auch wieder sinken.

Jetzt steigen sie aber zunächst einmal an?

n-tv Meteorologe Björn Alexander
n-tv Meteorologe Björn Alexander(Foto: n-tv)

Ja. Ab Sonntag werden die Bäche und Flüsse im Süden und Westen nochmals deutlich anschwellen. Das betrifft vor allem den Rhein und sein Einzugsgebiet. Bislang ist von einem mittleren Hochwasserereignis mit entsprechenden Überflutungen der Auenbereiche auszugehen. Das würde für den Pegelstand in Köln beispielsweise eine Höhe von etwa 7 bis 8 Meter bedeuten. Zum Vergleich: der höchste Pegelstand liegt bei circa 10,70 Meter.

Eine Frage noch zum Thema Hochwasser: Ich habe immer den Eindruck, dass gerade Köln da häufig im Blickpunkt steht.

Mag sein. Grundsätzlich denke ich aber, dass in den vergangenen Jahren sehr viel am Hochwasserschutz getan wurde und dass die Brennpunkte sich verteilt haben. Allerdings gibt es in Köln eine siedlungstechnische Besonderheit. Während die Römer den heutigen Altstadtbereich nicht zum Wohnen genutzt haben, wurde das im Mittelalter irgendwann einmal geändert. Die ursprüngliche Zurückhaltung bei der Besiedlung hatte natürlich einen Grund: Die heutige Altstadt gehört in der Höhe eigentlich zum Au- oder Überflutungsbereich des Rheins.

Quelle: n-tv.de

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