Panorama
Blick vom Rodelberg in Schönwalde am Bungsberg in Schleswig-Holstein - dem nördlichsten Skilift Deutschlands.
Blick vom Rodelberg in Schönwalde am Bungsberg in Schleswig-Holstein - dem nördlichsten Skilift Deutschlands.(Foto: dapd)

Menschen erfrieren, Verkehr behindert: Weißer, kalter zweiter Advent

Wer seine Nase heute aus der Tür gesteckt hat, weiß: Es ist kalt. Hinzu kommen dichte Schneetreiben. Zwei Menschen erfrieren in Deutschland. In Frankfurt werden etliche Flüge abgesagt, die Bahn drosselt die Geschwindigkeit. Und das Wetter soll so weiter gehen: Kommende Woche warten zweistellige Minusgrade.

Dichtes Schneetreiben und klirrende Kälte haben am zweiten Advent vielen Menschen in Deutschland zu schaffen gemacht. Eine Frau in Sachsen-Anhalt und ein Mann in Berlin erfroren. In Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg wurden Spaziergänger dank ihrer Handys vorm Erfrieren gerettet. In Osteuropa erfroren mehrere Menschen. Für die Woche sagten Meteorologen noch mehr Schnee und Frost voraus.

Starken Schneefall gab es in Sachsen wie hier auf der A17.
Starken Schneefall gab es in Sachsen wie hier auf der A17.(Foto: dpa)

Für manche Reisende sah es am Wochenende düster aus: Am Frankfurter Flughafen wurden mehr als 350 Flüge gestrichen, wie der Betreiber Fraport mitteilte. Die Räumfahrzeuge waren pausenlos im Einsatz. Das Unternehmen bat Flugreisende, sich auf den Internetportalen der Fluggesellschaften zu informieren. Schon am Freitag und frühen Samstagmorgen hatte die Lufthansa rund 100 Flüge gestrichen.

Auch Züge fuhren langsamer: Die Deutsche Bahn drosselte die Geschwindigkeit ihrer Züge für den Fernverkehr auf 200 Stundenkilometer. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, um Betriebsschäden zu verhindern, sagte eine Bahnsprecherin. Reisende müssten dadurch derzeit im Fernverkehr mit Verspätungen von bis zu 30 Minuten rechnen. Zugausfälle habe es aber bislang aufgrund der Kälte noch nicht gegeben.

Bahn sieht sich besser gerüstet

Die Deutsche Bahn sieht sich besser für den Winter gerüstet als in den Vorjahren, als es durch das Wetter zu zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen gekommen war. 20.000 Mitarbeiter der Bahn und externer Dienstleister stehen laut Bahn bereit, um Bahnsteige und Gleise von Schnee und Eis zu räumen.

Hauptsache Mensch und Tier sind gut gegen die Kälte geschützt.
Hauptsache Mensch und Tier sind gut gegen die Kälte geschützt.(Foto: dpa)

Die Schneeräumflotte wurde aufgestockt, flächendeckend stehen insgesamt 36 Abtauanlagen zur Verfügung, um das Enteisen von Zügen zu beschleunigen. Alle 48.000 Weichen auf Strecken mit fahrplanmäßigem Personenverkehr sind laut Bahn beheizt. Die erhoffte Reserveflotte für den Winter konnte die Bahn wegen erneuter Verzögerungen bei der Auslieferung von ICE-Zügen durch Siemens allerdings nicht aufbauen.

Für die weitere Woche sollte das Winterwetter andauern. "Schnee, Eis und Frost werden uns auch im Laufe der Woche begleiten", sagte eine Meteorologin des Deutsche Wetterdienstes (DWD). Autofahrer müssten sich auf Glatteis und Schneeverwehungen einstellen. Ab Wochenmitte sei mit zweistelligen Minustemperaturen zu rechnen. Was Autofahrer ärgert, freut Wintersportler: Viele nutzten das Winterwetter und stürmten am Wochenende die Pisten vieler Gebirge.

Handys retten Leben

In Großkühnau bei Dessau-Roßlau wurde eine Frau am Samstag in einem Park gefunden. Sie sei offenbar erfroren, teilte die Polizei mit. In Berlin wurde ein Mann tot in einem Hinterhof gefunden. Die Todesursache war zunächst unklar. In Mecklenburg-Vorpommern hatte sich ein 32-Jähriger in der Nacht zum Sonntag im Landkreis Vorpommern-Rügen im Wald verlaufen. Bei minus sechs Grad drohte er zu erfrieren. Mit dem Handy alarmierte er nach Angaben der Polizei seinen Bruder und wurde gerettet.

Spaß haben Wintersportler wie hier in Oberhof.
Spaß haben Wintersportler wie hier in Oberhof.(Foto: dapd)

In einem Wald bei Hamburg-Neugraben konnte eine 22-jährige Spaziergängerin nach einem Sturz am Freitagabend nicht mehr laufen. Mit ihrem Handy rief sie Hilfe herbei. 84 Rettungskräfte von Polizei und Feuerwehr durchkämmten das Gebiet zwei Stunden bei Dunkelheit. Auch Hunde und ein Hubschrauber waren im Einsatz.

In Schleswig-Holstein rettete ein Hubschrauberpilot der Bundespolizei einem Reh das Leben. Das Tier war auf dem Süseler See bei Eutin auf dünnem Eis festgefroren. Mit geschickten Flugmanövern blies die Hubschrauberbesatzung das Reh vom Eis ans Ufer.

Moskau erlebt härtesten Winter seit 20 Jahren

In der niederländischen Provinz Friesland starb ein 45-Jähriger, dessen Wagen auf der Autobahn ins Schlittern geriet und sich überschlug. In Serbien sorgte mehr als ein halber Meter Neuschnee für ein Verkehrschaos. Zwei Menschen starben dort in der Kälte. In Kroatien kamen vier Menschen bei dem Wintereinbruch ums Leben. Bundespräsident Joachim Gauck saß am Samstag mehrere Stunden in der kroatischen Hauptstadt Zagreb fest. Wegen Schneetreibens war der Flughafen zeitweilig geschlossen.

Auch in Moskau fielen wegen Schnee und Eisregen etliche Flüge auf den internationalen Flughäfen aus. "In diesem härtesten Winter seit 20 Jahren in Russland sind in Moskau bereits mindestens sechs Menschen erfroren", sagte ein Sprecher des Zivilschutzministeriums der Agentur Interfax. In Tschechien erfroren am Wochenende drei Menschen, wie die Agentur CTK am Sonntag meldete. Der tschechische Wetterdienst verlängerte seine Warnung vor Glatteis und starkem Schneefall bis Dienstag. Am kältesten wurde es mit minus 23,9 Grad auf 1000 Meter Höhe in der Böhmerwald-Einöde Breznik an der Grenze zu Bayern. In Bulgarien waren mindestens elf Orte ohne Strom.

Quelle: n-tv.de

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