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Laut Bahn war das technische Sicherungssystem in einwandfreiem Zustand.
Laut Bahn war das technische Sicherungssystem in einwandfreiem Zustand.(Foto: REUTERS)

Polizei: Ursache noch nicht gefunden: Wer trägt Schuld an dem Zugunglück?

Noch immer ist nicht klar, warum zwei Regionalzüge bei Bad Aibling auf einer eingleisigen Strecke zusammenprallten. Berichte deuten darauf hin, dass menschliches Versagen dafür verantwortlich ist. Die Polizei weist das zurück.

Die Ursache des Zugunglücks von Bad Aibling ist nach offiziellen Angaben noch nicht gefunden. Die Polizei hat Berichten widersprochen, nach denen "menschliches Versagen" zum Unfall geführt habe. Ein Sprecher sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Das sind reine Spekulationen, werfen Sie das weg, das weisen wir zurück." Die Ermittler wollen sich nun erst nach Auswertung der Blackboxes äußern, die in den Zugwracks gefunden worden sind.

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Zuvor hatte die Deutsche Presse-Agentur "aus zuverlässiger Quelle" gemeldet, dass nach ersten Ermittlungen "menschliches Versagen" zu der Katastrophe geführt habe. Lediglich die "genaue Unglücksursache" werde noch ermittelt. Wer genau verantwortlich ist, sei der Agentur noch nicht bekannt.

Detaillierter stellte das Redaktionsnetzwerk Deutschland, dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören, den Ermittlungsstand dar. Demnach sei "die Fehlentscheidung eines Fahrdienstleiters im Stellwerk von Bad Aibling" offenbar der Grund für das Unglück. Der Bahnbedienstete habe das automatische Signalsystem ausnahmsweise außer Kraft gesetzt, um einen verspäteten Triebwagen noch "quasi von Hand durchzuwinken".

Rotes Signal überfahren?

Der verspätete Zug erreichte dann jedoch nicht mehr rechtzeitig den sogenannten Begegnungspunkt, einen zweigleisigen Abschnitt der sonst eingleisigen Strecke, an dem die Züge aneinander vorbeifahren können. Der andere Zug "fuhr auf Ersatzsignal", wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland einen Ermittler zitiert. Das bedeutet: Auf Weisung des Stellwerks habe er den kurzen zweigleisigen Streckenabschnitt trotz roten Signals befahren.

Diese Darstellung deckt sich mit Aussagen von Insassen aus dem Zug und einem Video, das bei Youtube hochgeladen wurde. Die "Bild"-Zeitung zitiert einen Passagier: "Wir warteten in Kolbermoor. Da ist aber kein Gegenzug gekommen. Wir fuhren weiter." Das Video zeigt laut dem Blatt Momente nach dem Aufprall. Darin sprechen Passagiere auch über die Ampelschaltung: "Er hat gesehen, die Ampel ist umgeschaltet", sagt einer. Und: "Der Gegenzug ist gekommen. Kolbermoor gewartet. Die Ampel war umgeschaltet."

Unklar ist, warum keine technische Vorrichtung das Unglück verhinderte. Der Streckenabschnitt ist nach Angaben von Verkehrsminister Alexander Dobrindt und der Streckenbetreiberin, der Deutschen Bahn, mit dem seit 2011 bundesweit installierten sogenannten Punktförmigen Zugbeeinflussungssystem PZB 90 ausgestattet. Dieses soll verhindern, dass zwei Züge zusammenstoßen. Laut Deutscher Bahn waren erst vergangene Woche alle signaltechnischen Anlagen auf der Strecke überprüft worden. Es habe keine Beanstandungen gegeben.

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Quelle: n-tv.de

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