Panorama

Folter in der Deepcut-Kaserne: Wie kam Cheryl James zu Tode?

Vor 20 Jahren wird die 18-jährige Soldatin Cheryl James tot aufgefunden. In ihrem Kopf steckt eine Kugel. Die von der Armee in Umlauf gebrachte Selbstmord-Theorie bezweifeln die Eltern bis heute. Jetzt gibt es neue Beweise.

Bis heute ist das Schicksal von vier britischen Rekruten, die zwischen 1995 und 2002 an Schusswunden in einer Kaserne im Süden Englands starben, rätselhaft. Die Armee hatte stets behauptet, dass die drei Männer und eine Frau im Alter von 17 bis 20 Jahren Selbstmord begangen haben.

Nun liegen zumindest im Fall der toten Rekrutin neue Beweise vor, die für eine andere Todesursache sprechen, wie die BBC berichtet. Die 18-jährige Cheryl James aus Llangollen (Nordwales) war im vergangenen Jahr exhumiert und ihre Leiche von zwei Experten erneut untersucht worden.  Die Auswertung brachte nun offenbar neue Erkenntnisse über den Abend und die Nacht vor ihrem Tod.

Die Anwältin der Familie James sagte bei der vorgerichtlichen Anhörung, es gäbe Hinweise, dass James sexuell genötigt oder sogar vergewaltigt wurde. "Es gibt jetzt eine direkte Behauptung, dass Cheryl bestellt wurde, um mit einer Person höheren Ranges zu schlafen", so Alison Foster.

Systematisch gequält und erniedrigt

Die Soldatin war in der Grundausbildung, als sie im November 1995 mit einer Kugel im Kopf tot aufgefunden wurde. Auch die drei anderen Rekruten, Sean Benton, James Collinson und Geoff Grau, starben an Schussverletzungen.

Bereits 2004 hatte eine Untersuchung untragbare Zustände in der wegen der harten Ausbildungsbedingungen berüchtigten Deepcut-Kaserne in Surrey zu Tage befördert und Zweifel an der Selbstmord-Theorie aufkommen lassen. Dem geheimen Bericht zufolge, der damals dem britischen Guardian zugespielt worden war, wurden Rekruten systematisch gequält und erniedrigt. Vergewaltigungen waren demnach an der Tagesordnung. Der Polizeibericht legte schon damals den Verdacht nahe, dass Benton, Collinson, Gray und James vermutlich in den Selbstmord getrieben worden waren.

Doch das britische Verteidigungsministerium spielte die Vorwürfe herunter und erklärte, es gebe "keine systematischen Gewalttaten oder Missbrauch" in der Deepcut-Kaserne. Die Anschuldigungen in dem Polizeibericht seien nicht bewiesen, da er sich allein auf Aussagen von Zeugen beruft. Diese Aussagen seien nicht überprüft worden, in manchen Fällen beruhten sie auf Hörensagen.

Der Bericht von 2004 enthält mehr als 100 Anschuldigungen von Erniedrigungen und Missbrauch. Die meisten Rekrutinnen hatten Angst, die Torturen und Vergewaltigungen zu melden, manche hatten "freiwillig" Sex mit Soldaten, damit sie auf dem Paradeplatz nicht gequält wurden. Die Gerichtsverhandlung zum Tod von Cheryl James beginnt voraussichtlich Anfang Februar. Das Verteidigungsministerium warnte bereits vor weiteren Untersuchungen in Kasernen. Die Beweise, die jetzt vorlägen, seien keineswegs neu.

Quelle: n-tv.de

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