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Eigentlich sollte das Schiff am Sonntag schon nach Rotterdam weiterfahren.
Eigentlich sollte das Schiff am Sonntag schon nach Rotterdam weiterfahren.(Foto: REUTERS)

Havarie der "CSCL Indian Ocean": Wie kommt der Containerriese aus der Elbe?

Von Solveig Bach

Das havarierte Containerschiff "CSCL Indian Ocean" sitzt weiter in der Elbe fest. Wie ist es zu der Havarie gekommen und wie lange könnte sie noch dauern? Fragen und Antworten finden Sie hier.

Wie ist es zu dem Zwischenfall auf der Elbe gekommen?
Das Schiff der Reederei "China Shipping" hatte am Montagvormittag im britischen Hafen Felixstowe abgelegt und sollte am Mittwoch am Eurogate Terminal im Hamburger Hafen festmachen. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei war der Containerriese mit einem Tiefgang von etwa elf Metern unterwegs, als die Schiffsführung der Verkehrszentrale Brunsbüttel den Ausfall der Ruderanlage meldete. Der Grund für den Ausfall ist bisher noch nicht bekannt.

Was ist die "CSCL Indian Ocean" für ein Schiff?
Die "CSCL Indian Ocean" ist eines der größten Containerschiffe der Welt und unter der Flagge Hong Kongs im Liniendienst zwischen Europa und Fernost unterwegs. Das Schiff ist 400 Meter lang und 58,60 Meter breit und kann knapp 19.000 Container tragen. Angetrieben wird das Schiff vom größten Motor der Welt, einem Zweitaktmotor von MAN B&W mit einer Leistung von 56.800 Kilowatt (77.227 PS). Es kann eine Spitzengeschwindigkeit von 25 Knoten (46 Kilometer pro Stunde) erreichen. Der Frachter wurde erst im vergangenen Jahr zu Wasser gelassen und mit neuester Technik ausgestattet. Zuletzt war die "CSCL Indian Ocean" Anfang November in Hamburg.

Gibt es Schäden am Schiff oder Verletzte?
Verletzt wurde bei dem Unfall niemand. Auch eine Gefahr für Schiff und Umwelt besteht nach Angaben der Behörden nicht. Ebenso ist bisher kein Öl ausgetreten. Am Donnerstag hatte ein Flugzeug des Havariekommandos die Unglücksstelle überflogen, um nach möglicherweise aus beschädigten Tanks austretendem Treibstoff zu suchen. Es entdeckte aber nichts.

Das Schiff wurde von Lotsen in den Hamburger Hafen begleitet. Hätten die das Unglück verhindern können?
Die Lotsen an Bord des festsitzenden Containerschiffs haben nach Auffassung ihrer Vereinigung umsichtig gehandelt. Die Elblotsen hätten nach dem Ausfall der Rudermaschine dem Kapitän geraten, das Schiff bei der Tonne 116 an den Nordrand der Fahrrinne zu bringen. Auf diese Weise sollten der vom Schiff nahegelegene Lühe-Fähranleger und das steinige Südufer der Elbe verschont werden. "Durch das kontrollierte Handeln konnten größere Schäden verhindert und das Fahrwasser für den Zulauf auf Hamburg freigehalten werden", sagte Ben Lodemann von der Lotsenbrüderschaft Elbe dem NDR. Das fast 400 Meter lange "CSCL Indian Ocean" liegt jetzt vor der Insel Lühesand bei Stade.

Beeinträchtigt die Havarie den Schiffsverkehr auf der Elbe?
Der Verkehr auf der Elbe nach Hamburg ist durch die Havarie nach Angaben der Behörden kaum beeinträchtigt. Der Ältermann der Lotsenbrüderschaft Elbe, Ben Lodemann, sagte dem "Hamburger Abendblatt": "An einer Baustelle fährt man etwas langsamer vorbei, aber das ist auch schon alles." Der Hafen der Hansestadt gehört zu den drei größten Containerhäfen Europas; Störungen hätten erhebliche Folgen.

Was wurde bisher versucht, um das Schiff frei zu bekommen?
Noch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatten insgesamt sechs Schlepper, darunter Sd "Dolphin", Sd "Rover" und Zp "Boxer" versucht, das Schiff zu befreien. Der Versuch misslang jedoch, ebenso wie ein weiterer Versuch mit sieben Schleppern am Donnerstag. Ihre jeweiligen Zugkräfte von bis zu rund 90 Tonnen reichten einfach nicht aus.

Was können die Bergungsmannschaften jetzt unternehmen
Nachdem zwei Versuche, das Schiff freizuschleppen misslungen sind, pumpen Bergungstrupps jetzt Schweröl ab, um das Schiff leichter zu machen. Ein erneuter Bergungsversuch des Schiffs sei erst wieder bei Hochwasser möglich, sagte ein Sprecher des Havariekommandos am Morgen. Ingenieure berechnen nun, zu welchem Zeitpunkt ein neuer Abschleppversuch erfolgversprechend sei. Bergungsexperten sahen dem NDR zufolge inzwischen Konstruktionspläne des Schiffes ein, berechneten das Gewicht der Ladung und studierten Wetterdaten. Ein Peilschiff zeichnete die exakte Position des Havaristen im Flussbett auf. Bisher sieht es so aus, als könnte die nächste Gelegenheit, den Frachter wieder flottzumachen, in der Nacht zum Sonnabend sein. Ein Spülbagger steht bereit, um bei Bedarf Sand wegzuspülen, der sich rund um das Schiff befindet.

Könnte man nicht einfach einige der Container abladen?
Das ist sicher eine naheliegende Idee und soll mit einem Schwimmkran versucht werden. Da die Fracht aber rund 50 Meter über dem Wasser liegt, muss jedoch ein spezieller Kran zum Einsatz kommen, hieß es vom Schifffahrtsamt dazu.

Wie lange könnte das Schiff noch in der Elbe liegen?
Sollte die Befreiungsaktion am Wochenende erneut misslingen, könnte der Frachter laut Wasser- und Schifffahrtsamt noch bis Mitte kommender Woche dort liegen. Erst dann soll die Elbe wieder genug Wasser führen.

Wirkt sich der Unfall auf die Diskussion um die Sicherheit des Schiffsverkehrs aus?
Umweltschützer haben den Fall bereits zum Anlass genommen, sich zu äußern. "Die Havariegefahr wächst mit der Größe der Schiffe. Es ist fahrlässig, dass die politischen Entscheider dieses ökologische, nautische und finanzielle Risiko täglich in Kauf nehmen und herunterspielen", teilte das Aktionsbündnis Lebendige Tideelbe aus BUND, Nabu und WWF mit. Der Unfall sei ein weiteres Argument für eine Hafenkooperation, da die Mega-Frachter im Tiefwasserhafen Wilhelmshaven ohne Probleme abgefertigt werden könnten. Eine weitere Elbvertiefung könnte hingegen dazu führen, dass noch größere Schiffe nach Hamburg fahren. Bereits ein Schiff wie die "CSCL Indian Ocean" würde, wenn sie querab zur Elbe zum Liegen käme, den gesamten Schiffsbetrieb zum und vom Hamburger Hafen zum Erliegen bringen.

Quelle: n-tv.de

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