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Mittagessen in einer Potsdamer Kita.
Mittagessen in einer Potsdamer Kita.(Foto: dpa)

Emotionaler Streit in Frankfurt: Wie viel Schweinefleisch braucht ein Kind?

In den Kitas in Frankfurt am Main kommt immer weniger Schweinefleisch auf die Teller. Zunächst wird vermutet, dass eine Anweisung der Stadt die Ursache ist. Dem ist nicht so. Dennoch wird nun leidenschaftlich über eine Würstchenpflicht debattiert.

Wer je eine Elternversammlung besucht hat, weiß, dass die Essensversorgung der Kinder prinzipiell dazu geeignet ist, heftigste Kontroversen zu entfachen. Die Stadt Frankfurt am Main trifft es nun knüppeldick. Der Grund: In den städtischen Kindertageseinrichtungen kommt immer seltener Schweinefleisch auf den Tisch.

Das berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zunächst unter Verweis auf die Erklärung eines Caterers, dass auf Wunsch der Stadt inzwischen "grundsätzlich auf Schweinefleisch" verzichtet werde. Später stellte sich jedoch heraus, es handelte sich keineswegs um eine Anweisung der Stadt als vielmehr um die Bestellungswünsche der jeweiligen Kitas. Das Ergebnis ist dennoch das gleiche. Insgesamt essen Frankfurter Kita-Kinder inzwischen weniger Schweinefleisch.

Um diese Tatsache ist eine heiße politische Debatte entbrannt. Aus dem Bildungsdezernat der Stadt heißt es, den Kita-Leitungen sei freigestellt, was auf ihrem Speiseplan stehen soll. Da es in vielen Einrichtungen immer mehr Vegetarier-Kinder und auch muslimische Dreikäsehochs gibt, entscheiden sich die Kitas offenbar pragmatisch für den Verzicht aufs Schnitzel.

Recht auf Wiener Würstchen

Was bei Rosenkohl oder Blutwurst als kindliche Nahrungsvorliebe durchgehen würde, wird nun jedoch zum Politikum. Der Vorsitzende der städtischen CDU-Fraktion, Michael zu Löwenstein, will das Aussterben der Schweinefleischmahlzeit nicht so einfach hinnehmen. "Schweinefleisch gehört zu einer ausgewogenen Ernährung", sagt Löwenstein und verweist dabei auf seine eigenen guten Erfahrungen mit Wiener Würstchen. Dies dürfe nicht "allen anderen vorenthalten werden, nur weil manche Kinder sie nicht essen".

Der Vorsitzende der "Bürger für Frankfurt"-Fraktion, Wolfgang Hübner, sprach in einer Mitteilung von einer "offensichtlichen Kapitulation vor der Islamisierung der Öffentlichkeit", die auch noch verheimlicht werden solle. Er gehe davon aus, dass es trotz anderer Angaben eine entsprechende politische Anweisung gebe. SPD und Grüne sprachen sich gegen eine zentrale Weisung der Behörden aus, haben auch nichts dagegen, dass es Schweinefleisch gibt, wünschen sich aber Alternativen.

Derzeit ist in etwa 80 Prozent der 141 Kindertagesstätten des städtischen Eigenbetriebs Kita Frankfurt das Catering-Unternehmen Apetito für das Mittagessen verantwortlich. Die übrigen Kitas werden von dem Unternehmen Wisag beliefert oder kochen selbst. Den Kitas werden unterschiedliche Menüs angeboten, aus denen sie auswählen können. Dazu gehörten vegetarische Speisen, aber auch milcheiweiß-, gluten- und laktosefreie Essen für Allergiker sowie leichte Vollkost für Diabetiker. Auch Wünsche aufgrund religiöser Gebote müssten in der Angebotspalette berücksichtigt werden, zum Beispiel durch Menüs ohne Schweinefleisch. Stattdessen kommen dann beispielsweise Hühnchen oder Fisch auf die Teller.

Ernährungsforscher sehen übrigens andere Probleme. Aktuelle Studien ergaben, dass in Kitas viel zu viel Fleisch gegessen wird. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)  empfiehlt für die Verpflegung in Kitas, an maximal acht von 20 Tagen Fleisch anzubieten. Daran halten sich aber nur nur etwa die Hälfte der rund 54.000 Kitas in Deutschland. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung von 2014 kommt zudem zu dem Schluss, dass in 80 Prozent der Kitas nicht genügend Obst oder zu selten Salate oder Rohkost gibt. Von Schweinefleischmangel ist auch hier keine Rede.

Quelle: n-tv.de

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