Die wichtigsten TippsWie zeige ich Zivilcourage?
Der Fall des S-Bahn-Mords von München zeigt: Zivilcourage kann äußerst gefährlich sein. Dennoch kommt eine Gesellschaft ohne sie nicht aus. Hier die wichtigsten Tipps, wie man helfen kann, ohne sich selbst zu gefährden.
1. Als erste Maxime gilt die eigene Sicherheit: Helfen Sie nur, wenn Sie sich nicht selbst in Gefahr bringen. Wichtig ist, einen kühlen Kopf zu behalten und die Situation klar einzuschätzen. Lassen Sie sich nicht provozieren, noch provozieren Sie den oder die Täter. Auch Diskussionen sollten Sie vermeiden, da sonst die Gefahr zu groß ist, dass die Situation eskaliert. Nach Möglichkeit sollte man sich zwischen Täter und Opfer stellen und seine Hilfe anbieten. Versuchen Sie, das Opfer aus der Situation zu befreien. Dabei sollte man Abstand zu den Tätern halten und diese auch nicht duzen, da sonst Umstehende einen persönlichen Konflikt vermuten oder die Täter sich provoziert fühlen könnten.
2. Sprechen Sie andere gezielt an und fordern sie diese laut und deutlich zum Helfen auf. Wichtig ist die direkte Ansprache in der Art: "Sie, der Mann im Polo-Hemd, helfen Sie mir bitte!" So können Sie die Passivität des Zusehens durchbrechen.
3. Informieren Sie die Polizei mit dem Notruf 110. Sollten Sie kein Handy haben, bitten Sie Umstehende. Beim Handy funktioniert die Notrufnummer sogar ohne eingegebene PIN-Nummer. Je schneller die Polizei informiert wird, desto besser können die Täter ermittelt werden. Schildern Sie der Polizei das Geschehen in wenigen Worten, aber dennoch umfassend („Wer?”, „Was?”, „Wo?”, „Wann?”). Auch Vermutungen helfen der Polizei bei der Ermittlungsarbeit oft weiter.
4. Beobachten Sie die Situation genau und prägen Sie sich das Aussehen der Täter ein. Welche Haarfarbe haben sie, wie groß sind sie, welche Kleidung tragen sie? Wohin sind sie verschwunden? Oft sind es vermeintliche Nebensächlichkeiten, die am Ende dazu führen, dass ein Verbrechen aufgeklärt und der Täter überführt werden kann.
5. Kümmern Sie sich um die Opfer. Allein schon die Ausrichtung in einer stabilen Seitenlage kann für das Opfer äußerst wichtig sein. Alarmieren Sie den Rettungsdienst. Wenn Sie allerdings nicht aktiv bei der Versorgung des Opfers tätig sind, sollten Sie sich zurückziehen: Rettungsdienste und Polizei verlieren oft wertvolle Minuten, weil Schaulustige die Zufahrtswege blockieren.
6. Melden Sie sich als Zeuge bei der Polizei. Ohne Ihre genaue Beschreibung des Geschehens und des Täters ist eine Überführung oft nur sehr schwer möglich.