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Die Menschen stehen unter Schock.
Die Menschen stehen unter Schock.(Foto: AP)

Nur zwei Tage nach der Katastrophe: Wieder Feuer in Textilfabrik

Nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch bricht dort in einem ähnlichen Werk ein Feuer aus. Ein Hochhaus mit insgesamt drei getrennten Textilfabriken steht in Flammen. Dabei werden mehrere Menschen verletzt. Die Anlage liegt in einem Vorort von Dhaka.

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Keine zwei Tage nach dem verheerenden Brand in einer Bekleidungsfabrik in Bangladesch ist erneut ein Feuer in einem Textilbetrieb in der Hauptstadt Dhaka ausgebrochen. Die Feuerwehr schickte zahlreiche Einheiten aus der ganzen Stadt zu dem zwölfstöckigen Gebäude im Stadtteil Uttara, das mehrere Textilunternehmen beherbergt. Ob die zahlreichen Arbeiter in dem Gebäude verletzt wurden, war zunächst nicht klar.

Am Samstag waren bei einem Brand in einer anderen Fabrik mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen, 200 weitere hatten zum Teil schwere Verletzungen erlitten. Die Regierung von Bangladesch erklärte den Montag zum Trauertag.

Die Hallen brannten vollkommen aus.
Die Hallen brannten vollkommen aus.(Foto: AP)

Die Menschen waren bei dem Unglück am Samstag in Panik geraten, viele sprangen aus Verzweiflung aus Fenstern des neunstöckigen Gebäudes in der Nähe der Hauptstadt Dhaka. Auf Fotos waren verkohlte Nähspindeln und ausgebrannte Säle zu sehen. Ein Untersuchungskomitee wurde eingesetzt, um die Brandursache zu erkunden. Einer der Überlebenden sagte dem privaten Fernsehsender Channel I, das Feuer sei dem elektrischen Hauptschalter entsprungen: "Ein Kurzschluss könnte das Feuer verursacht haben."

Die am Samstag ausgebrannte Fabrik Tazreen Fashion Limited war 2009 errichtet worden und gehört zur Tuba Group, die laut Unternehmenshomepage unter anderem für C&A, Carrefour und Walmart produziert. C&A-Sprecher Thorsten Rolfes bestätigte, die Fabrik sei beauftragt gewesen, 220.000 Sweatshirts herzustellen und von Dezember 2012 bis Februar 2013 an C&A in Brasilien zu liefern. "Unser Mitgefühl gilt den Opfern dieses furchtbaren Unglücks sowie deren Familien und Angehörigen", sagte Rolfes als Sprecher von C&A Europa. Die Kapazität der Firma lag diesen Angaben zufolge monatlich bei einer Million T-Shirts, 800.000 Polo-Shirts und 300.000 Fleecejacken.

Fast 1000 Euro für jede Opferfamilie

Der Verband der Textilhersteller und -exporteure in Bangladesch versprach eine Entschädigung. Jede Familie, die einen Toten zu beklagen habe, solle 1230 Dollar (umgerechnet 948 Euro) erhalten.

Ein Sprecher von Tazreen Fashion Limited erklärte vor Kameras, der Betrieb habe Standards der Europäischen Union eingehalten. So habe es etwa vier alternative Treppenaufgänge gegeben, doch die Arbeiter seien in der Panik zum Hauptausgang gestürmt.

Weil das Feuer im ersten Stock des Gebäudes ausbrach, gab es für die meisten Opfer kein Entrinnen.
Weil das Feuer im ersten Stock des Gebäudes ausbrach, gab es für die meisten Opfer kein Entrinnen.(Foto: AP)

Jedoch führten wie in nahezu jedem Bekleidungsunternehmen die Notausgänge nicht außen am Gebäude entlang, sondern im Inneren. "So gut wie nie gibt es sinnvoll angelegte Fluchtwege", sagte ein Entwicklungsexperte, der die Fabrik mit ihren insgesamt 1300 Beschäftigten kannte. Selbst diese Gänge seien oft zugestellt mit Kartons. Da es in einer engen Stadt wie Dhaka keine Lagerhallen gebe, würden einfach die Treppenhäuser als Stauraum genutzt. "Wenn es irgendwo anfängt zu brennen, stehen die Fluchtwege dann in kürzester Zeit in Flammen. Und die Kleidung produziert auch noch giftige Dämpfe."

Kaum Kontrollen am Arbeitsort

Zwar gibt es in Bangladesch eine Vielzahl von Schutzregelungen für Arbeiter, auch zur Sicherheit am Arbeitsplatz. Doch griffen die Behörden kaum durch und die Betroffenen genössen keinen Rechtsschutz, klagt die "Kampagne für Saubere Kleidung" in ihrer jüngsten Studie aus dem Entwicklungsland. Sie fanden bei ihrer Untersuchung von Fabriken, die für deutsche Unternehmen produzieren, oft keine Notausgänge, Brandmeldesysteme oder Notbeleuchtung. Und wenn es einen Feueralarm gibt, ist er möglicherweise gar nicht angeschlossen.

Schon Freude über kleinste Einsichten

Doch der lange Kampf von Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften hat allmählich etwas in Bewegung gesetzt. Auftraggeber wie C&A, Esprit, H&M und viele andere verpflichten sich etwa, Jeans nicht mehr dem schädlichen Sandstrahlen zu unterziehen. Tchibo und Tommy Hilfiger haben in den vergangenen Jahren weitreichende Vereinbarungen zum Brandschutz getroffen, mit unabhängigen Inspektionen und Schulungen. "Denn die staatlichen Zertifikate können sie auf der Straße kaufen", sagt ein Insider.

Im September gab es einen verheerenden Brand mit 259 Toten in einer Textilfabrik in Pakistan. Bangladesch war bis 1971 ein Teil Pakistans. Die pakistanische Unglücksfabrik belieferte auch den deutschen Textildiscounter KiK. Für die Angehörigen der Toten habe KiK als Nothilfe 500.000 US-Dollar bereit gestellt, teilte das Unternehmen am Sonntag mit. In der nun abgebrannten Fabrik in Bangladesch habe KiK nicht herstellen lassen.

Quelle: n-tv.de

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