Ende eines GrillabendsWindhose verwüstet Dorf

Das Unwetter brach unerwartet über das Dorf Plate in Mecklenburg-Vorpommern herein. "Wir wollten gerade grillen, als diese schwarze Wolkenfront auf uns zu kam", berichtet Ralph Kobow, der Löschmeister der Freiwilligen Feuerwehr.
Das Unwetter brach unerwartet über das Dorf Plate in Mecklenburg-Vorpommern herein. "Wir wollten gerade grillen, als diese schwarze Wolkenfront auf uns zu kam", berichtet Ralph Kobow, der Löschmeister der Freiwilligen Feuerwehr. Bäume knickten um, Dachziegel flogen durch die Luft, Holzschuppen wurden über die Gartenzäune hinweg gefegt. Die Dorfbewohner müssen sich wie in einem Tornado-Film gefühlt haben. Wahrscheinlicher ist, dass eine Windhose durch Plate fegte und dort eine Schneise der Verwüstung hinterließ.
Der Spuk dauerte am Donnerstagabend nur wenige Minuten, dann heulten die Sirenen. Der Hagel prasselte auf die Dächer. "Am Gerätehaus war ich schon klitschnass", erzählt Kobow. Die Feuerwehren der Nachbardörfer und das Technische Hilfswerk waren bis weit nach Mitternacht im Einsatz. "Es ist ein Wunder, dass niemand verletzt wurde", glaubt der übermüdete Löschmeister.
Am Tag nach dem Unwetter knattern Abdeckplanen im Wind, um die Löcher in den Dächern notdürftig abzudichten. Zerbrochene Ziegel landen scheppernd auf den Haufen am Straßenrand. Dachdecker lärmen mit Kreissägen und Hämmern, und Baufirmen haben Radlader bereitgestellt, um den Schutt abzufahren. Gutachter der Versicherungen gehen mit ihren Kameras und Formularen von Haus zu Haus, um die Schäden zu dokumentieren.
65 Häuser und 17 Autos an gerade einmal drei Straßen in dem 3500-Einwohner-Dorf haben Wind und Hagel geschädigt, bevor sie über die flachen Wiesen gen Osten weiter zogen. Rechts und links von dieser gut hundert Meter breiten Schneise hat das Unwetter offenbar kaum einen Zweig geknickt. Vor allem kleine Einfamilienhäuser aus DDR-Zeiten hat es getroffen, die nach der Wende mit neuen Ziegeln und Klinkersteinen verschönert wurden.
"Mein Dachgeschoss kann ich erstmal nicht mehr betreten", sagt eine Anwohnerin, bevor sie weitereilt, um abgerissene Äste aus ihrem Garten fortzubringen. Eine andere erzählt, sie habe sich während des Gewitters im Keller versteckt. Am schwersten getroffen hat es ein Haus an der Hauptstraße. Ihm fehlt das halbe Dach. Aber auch dieser Schaden erscheint nicht irreparabel.
"Das muss ein Tornado gewesen sein", mutmaßt Bürgermeister Albert Hilbig. Horst Rohner vom Deutschen Wetterdienst ist skeptisch. Denn offenbar hat niemand den für einen Tornado typischen Rüssel beobachtet. "Aber zweifellos handelte es sich in Plate um eine schwere Gewitterzelle, vielleicht auch um eine Windhose", sagt der Wetterexperte. Mit 38 Litern pro Quadratmeter sei zudem innerhalb einer Stunde extrem viel Regen über Plate niedergegangen.
"Langsam entspannt sich die Lage", sagt der stellvertretende Bürgermeister Ronald Radscheidt. Weil viele Plater den Brückentag zwischen Himmelfahrt und Wochenende frei genommen haben, sind genügend helfende Hände vor Ort. Bis zum Abend sollen alle Dächer zumindest notdürftig geflickt sein. Die Wetterfrösche haben die nächsten Gewitter für den Abend angekündigt. Und Kobows Grillfleisch ist in dem Chaos des Vortags sowieso abhanden gekommen.