Minusrekorde und Frost in FloridaWinter legt Europa lahm
Klirrende Kälte und Schnee legen halb Europa lahm. In England fallen die Temperaturen auf bis zu minus 18 Grad, in Deutschland gibt es schulfrei für Kinder und Ausgangssperren für Zootiere.
Vor allem in Norddeutschland behinderte die Kälte weiter die Binnenschifffahrt. Der Elbe-Lübeck-Kanal blieb auf rund 60 Kilometern gesperrt, teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt in Lauenburg mit. Am künftigen Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) wurden die Bauarbeiten teilweise unterbrochen. Erdarbeiten seien nicht möglich, sagte der Sprecher der Hauptstadt- Flughäfen, Leif Erichsen.
Auf den bestehenden Berliner Flughäfen wurden die Dienstpläne umgestellt, damit möglichst viele Leute zum Räumen der Start- und Landebahnen da sind. Enteisungsmittel sei genug vorhanden, hieß es. Beim derzeitigen Wetter würden pro Tag bis zu 100.000 Liter davon verbraucht.
Giraffen mit Ausgangssperre
Im Kreis Verden in Niedersachsen fiel gleich am ersten Tag nach den Weihnachtsferien die Schule aus. Das Streusalz sei ausgegangen, ein Durchkommen für die Schulbusse deshalb schwierig, erklärte die Kreisverwaltung. Auch viele Zootiere blieben "zuhause": Giraffen hatten in den meisten Zoos und Tierparks ganztägige Ausgangssperre - aus Sorge, die Tiere könnten auf dem Eis ausrutschen und sich verletzen. Affen wurde warmer Tee gereicht, Elefanten bekamen die Ohren mit schützendem Fett eingeschmiert.
Mehr draußen als sonst waren dagegen viele Feuerwehrleute. Bundesweit häuften sich die Einsätze, sagte eine Sprecherin des Deutschen Feuerwehrverbandes in Berlin. Es gebe viele Unfälle, Wasserrohrbrüche und ausgerutschte Passanten. Allein im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) komme derzeit etwa die Hälfte der rund 140 Notfallpatienten pro Tag mit Sturzverletzungen in die Rettungsstelle, sagte Oberarzt Kai Dragowsky. "Einerseits haben die Leute sich schon an das Wetter gewöhnt und sind vorsichtiger. Andererseits müssen viele Ältere, die bisher in den Wohnungen geblieben sind, auch irgendwann wieder raus und einkaufen gehen."
Flüge in Großbritannien gestrichen
Großbritannien hatte das Schneechaos gerade überwunden, nun hält bittere Kälte das Land im Griff. Der Billigflieger Easyjet strich etwa 70 Flüge. Auch British Airways kündigte Verspätungen und Ausfälle an. Hunderte Schulen blieben zu. In der südenglischen Grafschaft Hampshire fiel der Strom aus. In Frankreich dringe der Winter vom Westen immer weiter ins Landesinnere und nach Süden vor, teilte der Wetterdienst mit. In mehreren Départements durften weder Lastwagen noch Schulbusse fahren. Am Morgen blieb knapp drei Wochen nach dem Eurostar-Chaos erneut ein Hochgeschwindigkeitszug im Tunnel unter dem Ärmelkanal liegen.
Selbst in Spanien behinderten Schnee und Eisglätte vielfach den Verkehr. In der Nordhälfte wurden Landstraßen und Bergpässe gesperrt. Auch in der Hauptstadt Madrid schneite es. Im Süden setzten heftige Regenfälle Straßen, Keller und Tiefgaragen unter Wasser.
Im Norden Albaniens sorgte eine ungewöhnlich frühe Schneeschmelze in den ohnehin überfluteten Gebieten für zusätzliche Probleme. Rettungsmannschaften mussten tausende Familien aus überschwemmten Häusern retten. Aus Bulgarien wurden nach dem Schneechaos vom Dienstag frühlingshafte Temperaturen um 17 Grad gemeldet.
Fast Frost in Florida
Den wärmeverwöhnten Menschen im US-Bundesstaat Florida machten bereits Temperaturen um den Nullpunkt zu schaffen. "Viele Menschen im Süden Floridas mussten sich erst mal einen Wintermantel, Mütze und Handschuhe kaufen", schrieb die Zeitung "The Miami Herald". Die Zitrus- und Gemüseernte sei in Gefahr. Im Süden Floridas herrschen in dieser Jahreszeit sonst Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad.
Schlimm erwischte der Winter auch Teile Asiens: In China wurde nach Rekordschneefällen und den niedrigsten Temperaturen seit Jahrzehnten in großen Teilen des Landes der Strom für Betriebe und öffentliche Gebäude rationiert. Die Vorräte in den staatlichen Kohlelagern schwinden zusehends, berichteten chinesische Medien. In der nordwestchinesischen Region Xinjiang steckten 400 Reisende in ihren Autos mehr als einen Tag lang auf einer Fernstraße fest.