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Auch "Youporn" gehört zum Firmengeflecht des Deutschen.
Auch "Youporn" gehört zum Firmengeflecht des Deutschen.(Foto: youporn.com / Screenshot n-tv.de)

Youporn, Steuern und der deutsche Geek: "Pornokönig" bangt um Millionen

Von Thomas E. Schmitt

Fabian Thylmann ist ein gefürchteter Mann, innerhalb weniger Jahre kauft sich der Deutsche ein Pornoimperium zusammen. Wettbewerber berichten von fragwürdigen Praktiken. Sein "dreckiges Hobby" könnte ihn nun Millionen kosten.

14 Milliarden US-Dollar, so viel Geld setzt die Pornobranche Angaben der "New York Times" zufolge pro Jahr um. Ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag davon geht über die Konten von Manwin, dem Marktführer der Online-Industrie. Alleinherrscher der Holding ist Fabian Thylmann, ein Aachener. Weil er Steuern hinterzogen haben soll, nahmen Ermittler den 34-Jährigen am Montag in Belgien in Haft. Er soll nach Deutschland ausgeliefert werden.

Noch im Oktober musste die "Welt" einen Artikel entfernen, in dem es hieß, Thylmann sei "ein Fall für die Steuerfahnder". Nach der Aktion der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Staatsanwaltschaft Köln lachen nun die betroffenen Journalisten – sie hatten womöglich Recht. Die Kölner kooperieren mit Steuerfahndern. Manwin hat seinen Hauptsitz in Luxemburg, betreibt aber auch ein Büro in Hamburg. Damit fallen Teile der Geschäftstätigkeit unter deutsches Steuerrecht.

Thylmann hatte den Verdacht der Steuerhinterziehung vor zwei Monaten zurückgewiesen. Manwin sei zwar steueroptimiert aufgebaut, sagte er der "Financial Times Deutschland", "aber das als Steuerhinterziehung zu deuten, ist einfach nicht korrekt". Eine große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sei für die Struktur des Unternehmens verantwortlich.

16 Milliarden Seitenaufrufe

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Dass es überhaupt so weit kommen konnte, hat auch mit dem Expansionsdrang des Deutschen zu tun. Thylmann war 17 Jahre alt, als er eine Statistiksoftware für Online-Datenverkehr schrieb. "Ich war ein Geek", sagte Thylmann der "New York Times". Pornos machten den größten Teil des Durchsatzes aus, also beschäftigte er sich vor allem damit. Er gründete seine erste Firma, wurde mit ihr Marktführer und verkaufte sie im Jahr 2006.

Seither hat er mehr und mehr Seiten gekauft, darunter die Mansef Holding samt ihrer bekannten Marke "Brazzers". Deren Besitzern war ihr eigenes Unternehmen offenbar zu heiß geworden, nachdem US-Ermittler Ende 2009 von zwei Konten 6,4 Millionen US-Dollar wegen Steuerbetrugs beschlagnahmt hatten. Thylmann übernahm das Firmengeflecht trotzdem.

Als endgültiger Schritt zur Marktdominanz ist wohl der Erwerb von "Youporn" zu werten – eine der größten Porno-Websites weltweit. Manwin betreibt auch den Online-Auftritt sowie die Fernsehkanäle des "Playboy". Zusätzlich gehören dem Deutschen auch Marken wie "PornHub", "Webcams.com", "xTube" und "MyDirtyHobby". Das Geschäftsprinzip ist dabei umstritten. Wettbewerber berichten, Manwin publiziere urheberrechtlich geschütztes Material in großem Umfang und frage später bei den betroffenen Inhabern an, ob sie die Filme nicht im Nachhinein lizenzieren wollten.

Innerhalb von sechs Jahren schwang sich Thylmann so mit Manwin zum Marktführer in der Branche auf. Mehr als 30 Firmen operieren inzwischen unter dem Dach der Holding. Über 300 Millionen Nutzer besuchen derzeit monatlich die von der Holding betriebenen Seiten und produzieren 16 Milliarden Aufrufe, so der Firmenchef. Auch ein Kredit half dem Aachener dabei, sein Pornoimperium aufzubauen. Ein Wall-Street-Fonds soll ihm 362 Millionen Dollar geliehen haben.

Verdächtiger Servicevertrag

Ansatzpunkt der deutschen Ermittler ist der "Welt" zufolge die Frage, wer die Internetseite "MyDirtyHobby" betreibt. Die Colbette Holdings Limited aus Zypern, wie Thylmann sagt, oder die Hamburger Manwin Germany GmbH? Die Fahnder durchsuchten die Privaträume des Firmenchefs sowie die Büros in Norddeutschland. Rechnungen für "MyDirtyHobby" wurden demnach auf den deutschen Computern gespeichert, als Absender ist jedoch die Colbette Holding angegeben.

30 Prozent des Umsatzes fährt die Holding den Angaben des inzwischen Verhafteten zufolge pro Jahr an Gewinn vor Steuern ein. "MyDirtyHobby" ist bereits deutlich länger im Besitz Thylmanns. Es dürfte bei den Ermittlungen der Steuerfahnder also um eine stattliche Summe gehen.

Zwar habe die Hamburger Niederlassung einen Service-Vertrag mit der Colbette Holding, um solche Aufgaben zu übernehmen, heißt es. Der sei aber von Thylmann für Manwin sowie dem Geschäftsführer des Büros, Alexander Pschorr, für die deutsche Niederlassung unterschrieben worden. Überspitzt formuliert: Thylmann ist Pschorrs Chef.

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Quelle: n-tv.de

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