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Montag, 15. September 2008

Rettungsaktion nach "Ike": Zahl der Todesopfer steigt

Weit über tausend Einsatzkräfte haben zwei Tage nach dem verheerenden Zug des Hurrikan "Ike" über die texanische Golfküste die fieberhafte Suche nach Opfern und Überlebenden verstärkt. Unterdessen steigt die Zahl der Todesopfer: Bisher bargen Helfer in sieben betroffenen US-Staaten Medienberichten zufolge mindestens 25 Leichen. Mit der größten Such- und Rettungsaktion in der texanischen Geschichte wollen die Behörden in der überschwemmten Küstenregion weitere 140.000 Bewohner retten, die sich Zwangsevakuierungen widersetzt hatten. Viele sind von den Fluten eingeschlossen. Etwa 2000 Menschen wurden bereits in Sicherheit gebracht, hunderte davon mit Hubschraubern.

Weitere Opfer erwartet

US-Heimatschutzminister Michael Chertoff befürchtete derweil, dass die Zahl der Todesopfer im Laufe der nächsten Tage noch weiter steigt. Beim Durchkämmen der überfluteten Gebiete, "könnte es unerfreuliche Überraschungen geben", sagte er.

Der Gouverneur von Texas, Rick Perry, wehrte sich gegen Kritik, versprochene Hilfslieferungen träfen zu langsam in den verwüsteten Gegenden und in der Millionenmetropole Houston ein. "Die Dinge sind auf dem Weg", sagte er CNN. "Aber es kann natürlich nie schnell genug gehen." Als Lichtblick bezeichnete er die offenbar nur geringen Schäden an Anlagen der wichtigen Öl- und Gasindustrie. "Dort ist man dem Schlimmsten entkommen." US-Präsident George W. Bush will die Katastrophenregion besuchen.

"Kommen Sie nicht zurück"

In der Gegend um die besonders schwer getroffene Küstenstadt Galveston gingen Helfer von Haus zu Haus, um Vermisste aufzuspüren. Bürgermeisterin Lyda Ann Thomas warnte die Menschen vor einer vorschnellen Rückkehr in den weithin zerstörten Ort: "Kommen Sie nicht zurück! Sie können hier jetzt nicht leben!" Vielerorts sperrten die Behörden größere Zufahrtsstraßen für den Verkehr, um den Weg für die Rettungskräfte freizuhalten. "Die gesamte Gegend ist noch immer ein sehr gefährlicher Ort. Es gibt an vielen Stellen kein Wasser und keinen Strom", hieß es aus dem texanischen Verkehrsministerium.

Auch Gouverneur Perry sagte, "in absehbarer Zukunft" könnten Galvestons Bewohner nicht zurückkehren. Er sprach den Menschen Mut zu: "Hurrikan "Ike" hat uns einen heftigen Schlag versetzt, aber unseren Glauben hat er nicht erschüttert", sagte er einem Zeitungsbericht zufolge nach einem Flug über den auf rund 800 Kilometern Länge verwüsteten Küstenstreifen. Auch an der Grenze zum Nachbarstaat Louisiana wurde die Suche nach Eingeschlossenen fortgesetzt. "Wenn wir auch nur einen Menschen retten, dann ist das unseren Einsatz wert", sagte ein Feuerwehrmann in Port Arthur.

Festnahmen nach Plünderungen

In einzelnen Bezirken der Millionenmetropole Houston wurde eine mehrtägige Ausgangssperre erlassen. Obwohl die Lage größtenteils ruhig blieb, kam es nach Angaben von Polizeichef Harold Hurtt nach Plünderungen zu etwa 30 Festnahmen. An den beiden Flughäfen sollte der Flugbetrieb am Montag wieder begrenzt aufgenommen werden.

Als Hurrikan der Kategorie zwei auf der fünfteiligen Skala hatte "Ike" die texanische Küste mit voller Wucht getroffen. Im Golf von Mexiko demolierte der Hurrikan einige Öl-Plattformen und -Pipelines. Nach Angaben des "Houston Chronicle" entstand insgesamt ein Schaden von schätzungsweise bis zu zehn Milliarden US-Dollar (rund sieben Milliarden Euro).

Auf seinem weiteren Zug über den Mittelwesten der USA schwächte sich "Ike" zu einem tropischen Sturm ab. Sintflutartige Regenfälle setzten den Menschen aber vor allem in den Staaten Arkansas, Missouri und Indiana zu. In Vororten von Chicago gab es Evakuierungen, in Kentucky wurden zahlreiche Straßen gesperrt. US-Präsident George W. Bush sagte: "Dies ist ein schlimmer Sturm (...). Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich die Menschen von ihm erholt haben."

Kuba schlägt US-Hilfe aus

Kuba hat erneut das Angebot der USA zur Hilfe nach den Hurrikans "Gustav und "Ike" zurückgewiesen. Stattdessen forderte die Regierung des kommunistischen Landes Washington auf, Restriktionen des seit Jahrzehnten gegen Kuba verhängten Embargos vorübergehend auszusetzen, damit US-Unternehmen vor allem Baumaterialien und Lebensmittel gegen Kredite nach Kuba liefern können. Kuba sei nicht bereit, Geschenke von einem Land anzunehmen, das es "blockiert", hieß es in einer offiziellen Note an das US- Außenministerium, die am Montag in der kubanischen staatlichen Presse veröffentlich wurde.

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