Panorama

Zweifel an der Mafia-TheorieZeigt Video den Attentäter?

20.05.2012, 13:21 Uhr
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"Die Tat eines psychisch Kranken"? Die Ermittler halten das für möglich. (Foto: AP)

Vor einer Schule in Süditalien detoniert eine Bombe. Alles deutet zunächst darauf hin, dass die Mafia hinter dem Attentat steckt. Doch mittlerweile sind sich die Ermittler nicht mehr so sicher. Bislang bekennt sich noch niemand zu der Tat. Nun könnten möglicherweise Aufnahmen einer Überwachungskamera den Bombenleger überführen.

Nach dem Bombenanschlag auf eine Modeschule im süditalienischen Brindisi setzten die Ermittler auf Bilder von Überwachungskameras. "Wir haben gute Bilder - Bilder die fast mit Sicherheit im Zusammenhang mit dem Attentat stehen", sagte Staatsanwalt Marco Dinapoli laut Nachrichtenagentur Ansa.

Die Bewegtbilder sollen dabei helfen aufzuklären, wer vor der Berufsschule "Morvillo Falcone" in Brindisi eine Bombe installiert und damit eine 16-Jährige in den Tod gerissen hat. Fünf weitere Schülerinnen wurden verletzt, einige von ihnen erlitten schwere Verbrennungen. Eine 16-Jährige, die zeitweise in Lebensgefahr schwebte, sei inzwischen stabil, sagten Ärzte am Sonntag.

Die Tageszeitung "La repubblica" berichtete, auf den Bildern einer Videokameras ganz in der Nähe der Schule sei ein Mann zu sehen, der möglicherweise etwas mit dem Anschlag zu tun habe. Zwei Personen, die auf den Video-Aufzeichnungen zu sehen waren, seien von den Ermittlern verhört und wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Mafia fürchtet sozialen Unmut

Über den Hintergrund des Attentats herrscht weiter Unklarheit. Ermittler und Experten äußerten Zweifel an der These, die Mafia könne hinter dem Anschlag stecken. Bei dem Anschlag handele es sich "möglicherweise um die Tat einer Person, die mit dem Rest der Welt im Krieg steht oder psychologische Probleme hat", sagte Staatsanwalt Di Napoli. "Er wollte ein Massaker verüben", sagte der Ermittlungschef.

Der Antimafia-Staatsanwalt der Stadt Lecce, Cataldo Motta, bekräftigte, er glaube nicht an die Mafia-Version. Gerade die örtliche Mafia sei um sozialen Konsens bemüht, und eine solche Tat stehe dazu im Widerspruch.

Über einen Mafia-Hintergrund war unter anderem spekuliert worden, da die Schule nach dem Ehepaar Falcone benannt ist. Der Untersuchungsrichter Giovanni Falcone und seine Frau Francesca Laura Morvillo waren fast genau vor 20 Jahren am 23. Mai 1992 bei Palermo mit einem 500-Kilo-Sprengsatz in die Luft gejagt worden.

20.000 Kräfte gegen den Terror

In mehreren Städten Italiens gingen am Samstagabend die Menschen auf die Straße, um ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen und der getöteten Schülerin zu gedenken. Bereits in den vergangenen Wochen hatten die Verantwortlichen die Terror-Warnstufe angehoben, unter anderem angesichts eines Attentats Anfang Mai auf den Atommanager Roberto Adinolfi in Genua. Die anarchistische FAI (Informelle Anarchistische Föderation - Federazione Anarchica Informale) hatte sich zu den Schüssen auf den Chef der Atomfirma Ansaldo Nucleare bekannt und weitere Anschläge angekündigt.

Vergangenen Donnerstag hatte Rom Anti-Terror-Maßnahmen beschlossen. Mehr als 14.000 Einrichtungen werden demnach überwacht. Rund 550 Menschen bekommen bewaffneten Begleitschutz. 20.000 Sicherheitskräfte sind dafür im Einsatz.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP