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Am dritten Prozesstag im Mordfall Maria L. sind Zeugen geladen, die Hussein K. am Abend zuvor begegnet sind.
Am dritten Prozesstag im Mordfall Maria L. sind Zeugen geladen, die Hussein K. am Abend zuvor begegnet sind.(Foto: dpa)
Mittwoch, 13. September 2017

Betrunken und bekifft?: Zeugen widersprechen Hussein K.

Was geschah am Abend vor dem gewaltsamen Tod der Studentin Maria L. in Freiburg? Wen traf Hussein K.? Zeugen aus einer Homosexuellen-Bar erinnern sich. Eine Frau beschreibt sein Verhalten als "wahnsinnig penetrant".

Zeugen im Freiburger Mordprozess haben dem angeklagten Hussein K. in wesentlichen Teilen widersprochen. Der mutmaßliche Mörder der Studentin Maria sei wenige Stunden vor der Tat nicht erkennbar betrunken gewesen, sagten Mitarbeiter und Besucher einer Bar beim dritten Prozesstag.

Der junge Flüchtling hatte sich in der als Treffpunkt von Homosexuellen bekannten Bar kurz vor dem Mord an der 19 Jahre alten Studentin aufgehalten. Eine Besucherin berichtete, sie sei von dem jungen Mann bedrängt worden und habe sich bedroht gefühlt. "Irgendwann bin ich richtig wütend geworden und habe ihn weggestoßen", sagt die Zeugin aus. "Sein Verhalten war wahnsinnig penetrant", sagte die Zeugin. Betrunken sei er aber nicht gewesen.

Ein anderer Zeuge beschrieb Hussein K. als sehr offenherzig. Er habe sich mit Homosexuellen unterhalten und den Arm um deren Schultern gelegt. Sein Verhalten ähnelte einem "Social Butterfly", er sei von einer Blüte zur anderen Blüte gesprungen, um sich einladen zu lassen, so der Barkeeper.

Dem Angeklagten wird Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Am Montag hatte er gestanden, im vergangenen Oktober die Studentin Maria L. überfallen, gewürgt, vergewaltigt und in den Fluss Dreisam gelegt zu haben. Dort ertrank sie.

Mit der Hand missbraucht

Nach seinem Geständnis hatte K. grausame Details der Mordnacht geschildert. Er habe die 19-Jährige vom Fahrrad gestoßen, ihr den Mund zugehalten und schließlich mit seinem Schal gewürgt. Dann habe er bemerkt, dass sie ein hübsches Mädchen sei. "Es ist in meinen Kopf gegangen: Komm', mach' mal mit ihr Sex." Nach mehreren vergeblichen Versuchen, sie zu vergewaltigen, habe er sie mit der Hand missbraucht.

Der Angeklagte schilderte, wie er in den Stunden vor dem Mord an Maria L. gemeinsam mit Freunden zwei Flaschen Wodka und später alleine Bier und Wein getrunken habe. Er habe mehrere Joints geraucht. Nach einem Bar- und einem Discobesuch am späten Abend sei er schließlich mit der Straßenbahn in die Nähe des späteren Tatorts gefahren. Er stahl ein Fahrrad, stürzte und schob das Rad. Weil er sich bei dem Sturz verletzt hatte, habe er sein Opfer schließlich in den Fluss gezerrt, um sein Blut von ihrem Körper zu waschen. Danach sei er geflohen. Viele Details seines Geständnisses blieben widersprüchlich. Der Angeklagte berief sich mehrfach auf Erinnerungslücken.

Vergewaltigung in Afghanistan

Wie der Leiter der Ermittlungen vor dem Landgericht Freiburg berichtete, soll K. als 14-Jähriger in Afghanistan eine Zwölfjährige vergewaltigt haben. Das habe der junge Flüchtling während der Untersuchungshaft einem Mitinsassen erzählt. Den Berichten des Mithäftlings zufolge hätten sich die Eltern von K. seinerzeit mit denen des Mädchens unter der Hand geeinigt. Rechtlich sei die Tat nicht geahndet worden.

"Das, was ich getan habe, darüber bin ich aus tiefstem Herzen traurig", sagte K. zu seiner aktuellen Tat. "Ich verstehe, dass es für die Familie sehr schwer ist", sagte er in der nach Worten seines Anwaltes selbst verfassten Erklärung, die von einem Dolmetscher übersetzt wurde. Die Familie der jungen Frau nimmt nicht am Prozess teil. Nach dem Tod des Opfers habe er täglich Qualen erlitten, sagte der Angeklagte. Er lebe momentan wie in der Hölle. "Ich bete jeden Tag für sie. Mehr kann ich nicht tun", sagte der Angeklagte.

Im Prozess sollen 45 Zeugen und zehn Sachverständige gehört werden - unter anderem zur Frage, wie alt der vor der Jugendkammer stehende Mann tatsächlich ist. Er selbst hatte behauptet, zur Tatzeit 17 Jahre alt gewesen zu sein. Zum Prozessauftakt vergangene Woche gab er jedoch zu, gelogen zu haben und älter zu sein. Ein Urteil könnte im Dezember fallen.

Quelle: n-tv.de

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