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Bischof Zollitsch steht selbst noch im Zentrum von Ermittlungen.
Bischof Zollitsch steht selbst noch im Zentrum von Ermittlungen.(Foto: AP)

Missbrauch im Erzbistum Freiburg: Zollitsch räumt schwere Fehler ein

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat persönliche Fehler im Missbrauchskandal der Kirche eingeräumt und die Opfer um Verzeihung gebeten. Zollitsch, der Vorsitzender der katholischen deutschen Bischofskonferenz ist, räumte ein, dass das Erzbistum früher als bisher bekannt von Missbrauchsfällen im badischen Oberharmersbach erfahren habe. Als damaliger Personalreferent hätte er den Hinweisen schon 1992 mit größerem Nachdruck nachgehen sollen. Er hätte auch intensiver nach weiteren Opfern und das Gespräch mit Zeugen suchen sollen.

"Dafür bitte ich Sie auch auf diesem Weg nochmals von ganzem Herzen um Verzeihung", teilte Zollitsch nach einem Gespräch mit den Opfern des früheren Gemeindepfarrers von Oberharmersbach mit. Der Pfarrer soll über Jahre hinweg Ministranten und andere Jungen sexuell missbraucht haben. 1991 wurde er lediglich in den Ruhestand versetzt, die Staatsanwaltschaft wurde nicht eingeschaltet. 1995 nahm er sich das Leben.

Über das Ausmaß geschockt

17 Opfer - damals etwa im Alter zwischen 10 und 16 Jahren - haben sich laut Erzbistum gemeldet. Nach Gesprächen sei inzwischen nicht auszuschließen, dass es mehr seien, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Zollitsch zeigte sich schockiert über das Ausmaß des Missbrauchskandals in Oberharmersbach: "Damals war uns allen nicht bewusst, wie groß die Zahl der Betroffenen in der Gemeinde ist."

Zollitsch bedauerte auch eine Stellungnahme des Erzbistums vom März 2010: Das Ordinariat sei irrtümlich zunächst davon ausgegangen, es habe erst 1995 einen Hinweis auf Missbrauch in Oberharmersbach gegeben. Zollitsch hatte im März gegen ihn erhobene Vertuschungsvorwürfe zurückgewiesen, aber schon damals die Opfer um Verzeihung gebeten.

Begeistert von Zdarsa

Im ersten Halbjahr 2010 sind dem Erzbistum Freiburg Hinweise und Missbrauchsvorwürfe gegen 44 Priester, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter aus den Jahren 1950 bis 2000 bekanntgeworden. In vier Fällen betreffen die Vorwürfe Ordenspriester, jeweils zweimal werden Ordensbrüder beziehungsweise Erzieher im Dienst der Erzdiözese beschuldigt. Von den beschuldigten 36 Diözesanpriestern seien 16 gestorben, 12 im Ruhestand. 4 Priester seien zurzeit beurlaubt, 2 Anzeigen würden derzeit geprüft, 2 weitere Hinweise ließen sich bislang nicht einer Person zuordnen. In 10 Fällen sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden.

Der Bischof des Bistums Görlitz, Konrad Zdarsa, in der Kathedrale St. Jakobus in Görlitz.
Der Bischof des Bistums Görlitz, Konrad Zdarsa, in der Kathedrale St. Jakobus in Görlitz.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Gegen Zollitsch selbst ermittelt seit Anfang Juni die Staatsanwaltschaft Konstanz wegen des Verdachts der Beihilfe zum sexuellen Kindesmissbrauch. Es geht um Vorfälle in Birnau am Bodensee ebenfalls zu der Zeit, als Zollitsch Personalreferent des Erzbistums Freiburg war. Nach Ansicht der Erzdiözese entbehrt der Vorwurf jeder Grundlage.

Zollitsch äußerte sich zudem über den künftigen Augsburger Bischof Konrad Zdarsa. In ihm sieht er einen geeigneten Brückenbauer in schwierigen Situationen. Der Papst habe den 66-Jährigen als Nachfolger für den zurückgetretenen Augsburger Oberhirten Walter Mixa ausgewählt, um wieder Einigkeit in das Bistum zu bringen, so Zollitsch. "Er hat die Fähigkeit, Brücken zu bauen und Verbindungen herzustellen", betonte der DBK-Vorsitzende. Die solide Art von Zdarsa habe ihn zum Zuge kommen lassen. "Man suchte einen Mann, der nicht große Worte macht, sondern einen Mann der Tat."

Quelle: n-tv.de

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