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Blackboxes geborgen: Züge prallten mit "hoher Geschwindigkeit" aufeinander

Noch immer ist unklar, was genau zu dem schweren Zugunglück im oberbayerischen Bad Aibling geführt hat. Aufschluss könnten die Blackboxes geben, die die Regionalbahnen mit an Bord hatten und geborgen worden sind.

Nach dem Zugunglück in der Nähe des oberbayerischen Bad Aibling haben die Rettungskräfte zwei der drei in den beiden Zügen verbauten Blackboxes sichergestellt. Das gab Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bekannt, nachdem er sich einen Überblick über die Lage an der Unfallstelle gemacht hat. "Die dritte Blackbox befindet sich noch in einem verkeilten Zugteil", sagte der CSU-Politiker.

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Nach Auswertung der Daten könne man nähere Angaben über die Unfallursache treffen, derzeit sei es dafür jedoch noch zu früh. Dobrindt schilderte den Hergang des Unfalls als für die Zugführer unausweichlich: "Die Züge müssen mit sehr hoher Geschwindigkeit aufeinander geprallt sein. Auf der Strecke sind etwa 100 km/h möglich, die Unfallstelle liegt in einer Kurve, so dass man davon ausgehen muss, dass die beiden Zugführer keinen Blickkontakt hatten." Der eine Zug habe sich in den anderen förmlich hineingebohrt und ihn auseinandergerissen. Nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann hätten sich die Züge fahrplanmäßig in dem Ort Kolbermoor begegnen sollen. "Warum es eine Abweichung vom Fahrplan gab, muss jetzt ermittelt werden", sagte er.

Sicherheitssystem kürzlich überprüft

Der Verkehrsminister bestätigte, dass der Streckenabschnitt mit dem System PZB 90 ausgestattet ist. Es handelt sich dabei um ein Punktzugsicherungssystem, das automatisch dafür sorgen soll, dass Züge nicht kollidieren können. Das System sei flächendeckend nach dem Unglück von Hordorf in Sachsen-Anhalt im Jahr 2011 eingebaut worden. "Mitarbeiter des Eisenbahnbundesamts sind vor Ort, um eine entsprechende Untersuchung durchzuführen." Nach Angaben des Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für Bayern, Klaus-Dieter Josel, wurde das PZB erst vor rund einer Woche technisch überprüft. Dabei habe es keine Probleme gegeben, sagte er.

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Dobrindt dankte den rund 500 Rettungskräften von Feuerwehr, Polizei, Rotem Kreuz und THW für ihren professionellen Einsatz. "Die Feuerwehr hat sich bereits drei Minuten, nachdem der Alarm eingegangen ist, vor Ort eingefunden und mit der Bergung der Verletzten begonnen." Es sei eine "schwere Stunde in der Geschichte des Zugverkehrs in Deutschland". Die Unfallstelle habe ein erschreckendes Bild abgegeben. Was er gesehen habe, seien "Bilder, die einen natürlich auch sehr stark emotional belasten, weil man sich nicht vorstellen kann, dass solche Unglücke auch bei uns vorkommen können", sagte Dobrindt. Im Einsatz waren auch Helfer aus dem benachbarten Österreich.

Die Einsatzkräfte seien "mit schwerstem Leid und unglaublichen Verletzungen" konfrontiert worden, sagte Bayerns Innenminister Herrmann. "Auch wenn es die hundertprozentige Sicherheit nie geben kann, müssen wir alles dafür tun, um menschliches wie technisches Versagen so weit wie möglich auszuschließen."

150 Fahrgäste an Bord der Züge

Der Polizeipräsident von Oberbayern Süd, Robert Kopp, zog ebenfalls eine "traurige Bilanz". Er schilderte jedoch auch, dass die Schulferien die Ausmaße des Unglücks positiv beeinflussten: "Mittlerweile gehen wir davon aus, dass die Züge mit rund 150 Fahrgästen besetzt waren. An normalen Tagen nehmen die Züge wesentlich mehr Menschen auf."

Bei dem Frontalzusammenstoß auf der Strecke Holzkirchen-Rosenheim waren am Morgen zwei Nahverkehrszüge auf einer eingleisigen Strecke zusammengestoßen. Mindestens zehn Menschen kamen ums Leben. Rund 80 wurden verletzt, 18 von ihnen schwer. Laut Transdev, die die Züge auf der Nahverkehrsstrecke betreibt, starben auch die beiden Lokführer.

Beide Züge des Unglücks wurden vom Schweizer Hersteller "Stadler Rail" produziert. Zur Unfallursache konnte die Firma vorerst nichts sagen. "Über die Unfallursache kann Stadler als Hersteller beider am Unfall beteiligter Züge zur Zeit keine Auskunft geben", teilte das Unternehmen mit. Man warte auf die Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden.

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Quelle: n-tv.de

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