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"Es kommt immer darauf an, wie Kollegen manche Handlungen bewerten", meint Zypries zur Kommunikationspanne beim Missbrauchsverdacht an der Charité.
"Es kommt immer darauf an, wie Kollegen manche Handlungen bewerten", meint Zypries zur Kommunikationspanne beim Missbrauchsverdacht an der Charité.(Foto: picture alliance / dpa)

"Pannen sind nicht ungewöhnlich": Zypries beurteilt Charité-Vorfall

Nach den Missbrauchsvorwürfen nimmt Ex-Bundesjustizministerin Zypries den internen Informationsfluss an der Berliner Charité unter die Lupe. Dass es in großen Häusern zu Kommunikationspannen kommt, ist nicht ungewöhnlich, meint Zypries.

Aus Sicht der früheren Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sind Kommunikationsprobleme wie die an der Berliner Charité nicht ungewöhnlich für große Organisationen. "In großen Verwaltungen stellt sich immer die Frage, wie einzelne Abteilungen mit ihrem Wissen umgehen. Behalten sie es für sich oder teilen sie es?", sagte Zypries in einem Interview.

Auch sexueller Missbrauch in Kliniken sei nicht ungewöhnlich, sagte Zypries. "Krankenhäuser und Heime sind besonders gefährdet, da Menschen dort in der Abhängigkeit von anderen Menschen sind." Dass Mitarbeiter einen Missbrauchsverdacht nicht weiter kommunizierten, sei manchmal auch eine Frage der Einschätzung, meinte Zypries. "Es kommt immer darauf an, wie Kollegen manche Handlungen bewerten." Grund für den oft stockenden Informationsfluss sei zudem, dass sich einzelne Bereiche in Unternehmen zu sehr auf sich selbst konzentrierten: "Es fehlt der Blick für das Ganze."

Nach dem Missbrauchsvorwurf gegen einen Pfleger der Charité wird Zypries ab Montag gemeinsam mit vier anderen Experten die Kommunikationsstrukturen und Abläufe in der Uniklinik unter die Lupe nehmen. Am vergangenen Mittwoch hatte die Klinik den Missbrauchsverdacht bekanntgegeben, der Vorfall lag aber zu diesem Zeitpunkt bereits eine Woche zurück. Klinikchef Karl Max Einhäupl musste erhebliche Kommunikationspannen an Deutschlands größtem Uniklinikum einräumen.

Versäumnisse der Kollegen

Nach Darstellung von Charité-Chefs Einhäupl haben Versäumnisse von Kollegen zu den Informationspannen nach dem Missbrauchsverdacht an Deutschlands größtem Uni-Klinikum beigetragen. Einhäupl verteidigt sich in der "Welt am Sonntag" und der "Berliner Morgenpost" gegen Vorwürfe, er habe auf erste Hinweise zu dem Missbrauchsverdacht nicht rasch genug reagiert. Ein 58 Jahre alter Pfleger soll demnach eine 16-jährige Patientin sexuell missbraucht haben.

Der Klinik-Chef erklärt in dem Interview, er sei davon ausgegangen, dass der Ärztliche Direktor und die Pflegedienstleitung dem Fall nachgingen. "Für mich war zunächst nur erkennbar, dass zwei leitende Mitarbeiter der Charité sich verantwortlich kümmern", sagt Einhäupl. "Mir waren keine Details bekannt, es wurde mir gesagt, es sei bereits in den Händen von A und B..."

Er selber habe nicht gewusst, dass es sich um ein Kind und eine Patientin gehandelt habe. Er habe das nicht richtig eingeordnet. "Aber ich erwarte als Vorstandsvorsitzender, dass solche gravierenden Probleme mir in ihrer gesamten Tragweite geschildert werden", betont Einhäupl. Der 58-jährige Pfleger soll auch schon früher auffällig geworden sein.

Quelle: n-tv.de

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