Panorama

Das neue Buch ...: ... der verrückten Experimente

Eine kuriose Sammlung von skurrilen und manchmal auch etwas befremdlichen Experimenten - zum Wundern und Schmunzeln.

Cover_Das_neue_Buch_der_verrueckten_Experimente.jpgDenken Sie jetzt nicht an einen weißen Bären! Auf gar keinen Fall! Klappt nicht? Dieses Phänomen ist eines von 100 Studienergebnissen, die Reto Schneider in seinem Buch "Das neue Buch der verrückten Experimente" beschreibt. Die Fortsetzung von "Das Buch der verrückten Experimente" ist aber keineswegs eine Restesammlung, sondern mindestens ebenso amüsant und kennenswert wie sein erfolgreicher Vorgänger.

Chronologisch sortiert erfährt der Leser etwa, dass auch kleine Affenjungen lieber mit Autos und Bällen spielen als mit Puppe und Kochtopf. Oder auch, dass Asiaten viel schneller übler wird als Europäern – diese Erkenntnis ist einem 1875 erfundenen Apparat zu verdanken. Es handelt sich um eine von der Decke hängende, sich drehende Papptrommel. Den Augen des innen sitzenden Probanden wird so Bewegung vorgegaukelt – während sein Gleichgewichtsorgan dem Gehirn Bewegungslosigkeit meldet. Das Ergebnis: Übelkeit bis hin zum Erbrechen.

15 Kinder im Schlaraffenland

Ein Leben im Schlaraffenland verschaffte ein Experiment 1926 dem acht Monate alten Abraham. Im Dienste der Wissenschaft durfte der Knirps futtern, wonach ihm der Sinn stand. Zur Auswahl standen etwa Äpfel, pürierte Ananas, gebackene Kartoffeln, gekochter Weizen, Hirn, Niere und gehackter Fisch.

Das Ergebnis: Abraham und 14 andere Kinder ernährten sich jahrelang nach eigenem Gutdünken, ohne Mangelerscheinungen zu zeigen oder zu dick oder zu dünn zu werden – auch wenn sie schon mal vier Bananen oder sieben Eier hintereinander in sich hinein stopften. Ihnen wurden allerdings nur unverarbeitete, ungewürzte und ungezuckerte Nahrungsmittel angeboten.

Marshmallow-Test

Ein weiterer Versuch eignet sich besser zur Nachahmung. Wie erkennt man, ob ein etwa vierjähriges Kind später gut klarkommt im Leben, viele Freunde hat, keine Drogen nimmt und eine harmonische Partnerschaft führt?

Der Psychologe Walter Mischel hatte dafür den Marshmallow-Test: Lasse dem Kind die Wahl zwischen einem sofort oder zwei davon später. Je länger es bereit ist, auf die zwei Marshmallows zu warten, desto besser wird es sein Leben meistern. Der Versuch sei schlicht – und dennoch sehr aussagekräftig, heißt es in dem Buch.

Ein anderer Versuch imponiert mit seiner Dauer: 1927 goss Thomas Parnell heißes Pech in einen verschlossenen Trichter. Drei Jahre lang wartete der Professor, dann öffnete er das Gefäß. Und was geschah? Herzlich wenig und das auch noch herzlich langsam: acht Jahre dauerte es, bis sich der erste Tropfen Pech löste und in ein Becherglas unter dem Trichter platschte. Später landete das Experiment im Guinness-Buch der Rekorde. Der Trichter steht noch heute in der Universität von Queensland im australischen Brisbane. Der achte Tropfen löste sich im November 2000, der nächste soll in etwa fünf Jahren fallen.

Beschrieben wird auch, warum bei einer Hochzeit im Juni 1932 neben dem Brautpaar und dem Pfarrer ein weiterer Mann stand, der mit einem elektrischen Gerät mit Kabeln und Schläuchen daran hantierte. Die unromantische Trauung diente dem Zweck, eine Erfindung publik zu machen: den Lügendetektor. Und tatsächlich fand das Foto der Hochzeit auf die Seiten etlicher Zeitungen. Bei der Braut steig der Blutdruck übrigens während der Zeremonie stetig und massiv an. Beim Bräutigam ließ sich kaum eine Reaktion ausmachen.

Wirkung von Todesangst auf die Leistungsfähigkeit

Eher gemein waren Forscher, die ihren Probanden vorgaukelten, sie stürzten gerade mit ihrem Flugzeug ab – und sie schnell noch ein paar Fragebogen ausfüllen ließen. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie sich Todesangst auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt.

Forscher quälen aber nicht nur ihre Mitmenschen im Dienst der Wissenschaft, sie tun sich auch selbst einiges an: Einige versuchten etwa, sich selbst – fast – zu erhängen, andere ließen sich auf Raketenschlitten festschnellen und auf das 40-fache Erdbeschleunigung bringen, obwohl dabei brechende Knochen und Blindheit drohten.

"Das neue Buch der verrückten Experimente" ist ein ideales Buch zum Schmökern. Der Wissenschaftsredakteur Reto Schneider zeigt erneut ein Händchen dafür, spannende Studien auszuwählen und amüsant zu beschreiben.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen