Unterhaltung

Die SixtiesDer ewige Sommer

03.08.2010, 10:52 Uhr
imageVon Manfred Bleskin

Mit Hippie-Balladen, unsterblichen Ohrwürmern und fast vergessenen Songs präsentiert "Summer of the 60s" den ewigen Sommer der Sixties - aus frankophoner Perspektive.

Um es vorwegzunehmen: Die Schubladisierung von Populärmusik in "Fifties", "Sixties" usw. macht nur insofern Sinn, als es um die Einordnung in einen bestimmten Zeitgeist geht. Leute, die daherkommen und verkünden, wie würden nur die sechziger oder die siebziger Jahre mögen, haben kaum begriffen, dass es zu allen Zeiten gute und schlechte Musik gab. Auch in den vielgerühmten Sechzigern gab es Kitschiges, Einfallsloses und Schlechtproduziertes am laufenden Band. Mit der vorliegenden Edition haben wir Glück: Es ist - überwiegend - die gute musikalische Seite besagten Jahrzehnts, die der deutsch-französische Kultursender "arte" gemeinsam mit RTL und der renommieren Pariser "Libération" auf den drei CDs zur Themenreihe "Summer Of The 60s" präsentiert.

Hippie-Ballade darf nicht fehlen

Dass das Projekt damit sehr frankophon ist, bringt dem deutschsprachigen Konsumenten den Vorteil der Bekanntschaft mit einer Popkultur, die diesseits des Rheins und damals auch diesseits der Elbe kaum bekannt war. "Tous les garçons et les filles" von Françoise Hardy aus 1962, dem deutschsprachigen Publikum ein Jahr später in der etwas unglücklich geratenen Version als "Peter und Lou" präsentiert, war das Lied der Yéyé genannten französischen Popkultur und Hymne einer rebellischen Jugend. Die französischen Jungkommunisten nannten ihr - über längere Zeit auch kommerziell - erfolgreiches Monatsmagazin "Nous les garçons et les filles". Weitere Bonbons des Yéyé sind "Les Cactus" von Hardys Lebensgefährten Jacques Dutronc und "Les marionettes" von Christophe. Schon über das Duett "Bonnie And Clyde" von Brigitte Bardot und Serge Gainsbourg kann man geteilter Meinung sein, auch wenn die Bardot in sympathischer Peter-Sellers-Maniers von "Bönni end glaid" singt.

Apropos Hymne: Natürlich fehlt auf der Kompilation die Hippie-Ballade "San Francisco" von Scott McKenzie nicht, die im "Summer of love" von 1967 weltweit von Liebe und Freiheit kündete.

Schön ist, dass EMI sich nicht auf Tracks aus dem eigenen Hause beschränkt hat, sondern unter anderem bei Atlantic, Sony, Universal und Warner an die Archivtüren geklopft hat. Sonst hätten Buddy Hollys unvergängliches "Peggy Sue", ein Relikt aus den Fünfzigern, das erst Anfang des darauffolgenden Jahrzehnts in Britannien zum Hit wurde, "Mrs. Robinson" von Simon & Garfunkel, "Mr. Tambourine Man" von den Byrds oder "Gimme Some Lovin’" von der Spencer Davis Group auf dieser Ausgabe gefehlt.

Unsterbliche Songs

Dass Beatles und Rolling Stones bei dieser und ähnlichen Editionen nicht dabei sind, hängt mit der strikten Handhabung der Rechte an den Songs zusammen. Doch hätte ein "Sunny Afternoon" von den Kinks - zum Beispiel - dem Projekt gut zu Gesicht gestanden. Doch dafür hat’s so überragende Stücke wie die Originalversion von "Shakin’ All Over" mit den leider völlig vergessenen Johnny Kidd & The Pirates, den Merseykracher "Hippy Hippy Shake" von den Swinging Blue Jeans oder den "Daydream" von den Lovin’ Spoonful und unzählige weitere unsterbliche Stücke. Wie singt Little Eva in ihrem 62er Stomper "Locomotion"? Die Musik "makes you happy even if you’re feeling blue". Die Sixties, die guten zumindest: Ein ewiger Sommer eben.

The Animals u.a.: "Summer Of The 60s”, 3 CD, EMI France

Quelle: ntv.de