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Kinder fliehen vor den Explosionen eines Luftangriffs in einem Vorort von Damaskus.
Kinder fliehen vor den Explosionen eines Luftangriffs in einem Vorort von Damaskus.(Foto: REUTERS)

50.000 Tote im vergangenen Jahr: 2015 war schlimmstes Jahr im Syrien-Krieg

Einem Bericht mehrerer Hilfsorganisationen zufolge hat sich die Lage im Bürgerkriegsland Syrien im Jahr 2015 dramatisch verschlechtert. Russland und der Westen haben demnach maßgeblich dazu beigetragen, dass die Menschen im Land immer mehr leiden.

Die Situation der Bevölkerung in Syrien hat sich laut einem Bericht im vergangenen Jahr noch einmal dramatisch verschlechtert. Die Zahl der Hilfsbedürftigen, der Flüchtlinge und der Menschen in belagerten Städten und Gebieten sei deutlich gestiegen, schrieb ein internationaler Zusammenschluss von 30 Hilfsorganisationen in einem zum fünften Jahrestag des Syrienkonflikts veröffentlichten Bericht mit dem Titel "Fuelling the Fire".

Die Kriegsparteien hätten schlimmste Verwüstungen angerichtet, Nothilfe verhindert und ganze Städte von jeglicher Versorgung abgeschnitten, kritisierten die Organisationen, zu denen Oxfam, Care und Save the Children gehören. Sie warfen den vier UN-Vetomächten Russland, USA, Frankreich und Großbritannien vor, durch ihre militärische Intervention und ihre Politik zur Verschärfung der Lage beigetragen zu haben.

500.000 Menschen leben in belagerten Gebieten

Wie der Krieg Syrien verändert

Der Krieg hat desaströse Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche des Lebens in Syrien. Wie der Bericht "Fuelling the Fire" schildert,

  • ist die Lebenserwartung seit Beginn des Krieges von 70,5 Jahren auf rund 55 Jahre gesunken.
  • ist das durchschnittliche monatliche Einkommen von 600 US-Dollar im Monat vor dem Krieg auf rund 100 Dollar im Jahr 2015 gesunken.
  • ist die Arbeitslosigkeit von 8 Prozent in 2011 auf über 50 Prozent in 2015 gestiegen.
  • ist der Anteil der Bevölkerung, der in Armut lebt, von 35 Prozent vor dem Krieg auf 85 Prozent im Jahr 2015 gestiegen.

Laut dem Bericht stieg die Gewalt stark an, wozu auch die russischen Luftangriffen seit Ende September 2015 beigetragen hätten. Im ganzen Jahr seien in dem Konflikt mindestens 50.000 Menschen getötet worden. Zusätzliche 1,5 Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen, während knapp eine Million Syrer hätten fliehen müssen. 200.000 Häuser seien ganz oder teilweise zerstört worden - ein Fünftel mehr als 2014.

Nach UN-Angaben verdoppelte sich die Zahl derer, die in belagerten Orten und Gebieten lebten, auf fast 500.000, hieß es in dem Bericht. Nur 3,5 Prozent dieser Menschen konnten demnach medizinisch versorgt werden und nur ein Prozent hatte Zugang zu Nahrungsmitteln. Laut dem Bericht wurden zudem 112 Angriffe auf Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen gezählt - 44 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nur zehn Prozent der Hilfskonvois kommen an

Weitere 400.000 Kinder in Syrien konnten demnach nicht mehr zur Schule gehen, womit die Gesamtzahl auf mehr als zwei Millionen gestiegen sei. Die Organisationen beklagten auch, dass nur zehn Prozent der Hilfskonvois die Frontlinien überqueren und ihr Ziel erreichen konnten. Obwohl einige belagerte Orte seit der Waffenruhe wieder zugänglich seien, würden Hilfsorganisationen weiter behindert.

"Angriffe auf Zivilisten und Helfer müssen aufhören", forderte der Oxfam-Nothilfeleiter für Syrien, Andy Baker. "Russland, die Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien müssen endlich an einem Strang ziehen und stärkeren Druck auf die Konfliktparteien in Syrien ausüben, um die völkerrechtswidrige Blockade ganzer Städte und Gebiete zu beenden." Auch dürften sie keine Waffen mehr an die Kampfparteien liefern, um den Konflikt nicht noch zu verschärfen.

Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland-Luxemburg e.V., kommentiert: "Die Weltgemeinschaft steht vor einer gewaltigen Bewährungsprobe. Sie muss sicherstellen, dass die Waffen endlich schweigen und die Konfliktparteien sich endlich zum Frieden bekennen. Sie muss einen umfassenden Friedensprozess einleiten, um diesen Konflikt zu beenden, der seit fünf Jahren die universalen Prinzipien von Humanität und Moral zersetzt."

Quelle: n-tv.de

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