Mittwoch, 17. Dezember 2008
Polizist schoss nicht in die Luft: 600 Schulen bleiben besetzt
In Griechenland haben Schüler und Studenten am zwölften Tag in Folge friedlich aber auch gewalttätige gegen Polizeigewalt und Willkür in Griechenland protestiert. Rund 50 Aktivisten hängten am Mittwochmorgen auf der Akropolis - dem Wahrzeichen der griechischen Hauptstadt - ein weithin sichtbares Transparent mit der Parole: "Widerstand" in griechischer, englischer, spanischer und deutscher Sprache auf. Zudem sind rund 600 Schulen nach Angaben der Demonstranten weiter besetzt, auch mehrere Universitätsgebäude in Athen und Thessaloniki seien betroffen.
In Athen attackierten rund 20 Vermummte einen Polizeibus mit Brandflaschen. Der Fahrer, der allein im Bus war, habe sich in "letzter Minute" aus dem brennenden Fahrzeug retten können, berichtete das Fernsehen. Eine Gruppe von rund 40 Autonomen besetzte zudem die Büros des größten Gewerkschafts-Dachverbandes (GSEE) im Zentrum der griechischen Hauptstadt. Bereits am Dienstag hatten Jugendliche in der Stadt im Nordwesten Griechenlands das Gebäude des Lokalradios und ein Kulturzentrum gestürmt. Über den Radiosender verbreiteten die Protestierenden ihr eigenes Programm.
Schuss in Richtung Opfer
Derweil wurden weitere Ergebnisse der ballistischen Untersuchung der Polizeikugel bekannt, die am 6. Dezember den 15-Jährigen Alexandros Grigoropoulos tötete. Laut staatlichem Rundfunk bestätigen sie zwar, dass es sich um einen Querschläger handelte. Die Untersuchung zeige aber, dass der wegen Morde angeklagte 37-jährige Polizist, aus dessen Waffe die Kugel kam, in Richtung des Opfers und nicht wie von ihm behauptet in die Luft geschossen habe. Der Tod des Schülers hatte die teils gewalttätigen Proteste ausgelöst.
Auf einem zweiten auf der Akropolis aufgehängten Banner riefen die Protestierenden für diesen Donnerstag zu europaweiten Protestdemonstrationen auf. In Athen und anderen Städten wollen gleichzeitig erneut Schüler, Studenten und Lehrer gegen Polizeigewalt und für Reformen im Bildungssystem auf die Straße gehen.
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