Dienstag, 02. März 2010
Polizeiausbildung in Afghanistan: 70 Prozent schmeißen hin
Nach NATO-Angaben brechen fast 70 Prozent der afghanischen Polizeianwärter ihre Ausbildung ab. Nun soll das bisherige "extrem intensive" Training durch neue Ausbildungsmethoden ersetzt werden, die auch mehr Freizeit erlauben.
Ein Militärpolizist aus dem deutschen Polizeiberaterteam GPPT trainiert einen afghanischen Kollegen in Faisabad (Archivaufnahme Mai 2009).
(Foto: picture alliance / dpa)
Fast 70 Prozent der afghanischen Polizeianwärter bringen nach Angaben der NATO ihre Ausbildung nicht zu Ende. Die Abbrecherquote liege mit 67 Prozent "viel zu hoch", sagte der für das NATO-Ausbildungsprogramm zuständige US-General William Caldwell in London. Durch neue Lehrmethoden, die auch mehr Freizeit erlaubten, solle diese Zahl gesenkt werden. Bislang sei das Training "extrem intensiv" gewesen.
Die Polizeiausbildung ist laut Caldwell eine große Herausforderung. Die afghanische Bevölkerung misstraue der Polizei zutiefst und werfe ihr Korruption vor, was nicht verwunderlich sei. Schließlich hätten nur 30 Prozent der Polizisten überhaupt eine Ausbildung erhalten.
Zufrieden zeigte sich Caldwell mit der steigenden Zahl der Polizeianwärter. Während sich im vergangenen September nur rund 800 Afghanen beworben hätten, seien es jetzt monatlich knapp 7000.
ISAF-Soldaten bei Anschlägen getötet
Bei einem Anschlag und bei Feuergefechten sind drei Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF getötet worden. Die NATO-geführte ISAF teilte mit, bei einem Angriff Aufständischer sei in Südafghanistan einer ihrer Soldaten ums Leben gekommen. Zwei weitere Soldaten seien bereits am Montag im Süden beziehungsweise im Osten des Landes gestorben. Damit erhöhte sich die Zahl der am Montag getöteten ISAF-Soldaten auf insgesamt sechs. Bei Anschlägen in Südafghanistan waren am Montag zudem fünf Zivilisten gestorben.
Kabul rudert bei Medienzensur zurück
Die Absicht der afghanischen Regierung, die Medien-Berichterstattung über Taliban-Anschläge einzuschränken, hat scharfe Kritik der USA und auch afghanischer Journalistengruppen ausgelöst. Unterdessen ruderte die Regierung Karsai offenbar zurück. Karsais Sprecher Wahid Omar erklärte, die neuen Richtlinien seien noch nicht abschließend ausgearbeitet. Sie würden aber nicht auf eine Zensur hinauslaufen. Ziel sei es, zu verhindern, dass die Extremisten Live-Berichterstattungen zur Informationsbeschaffung nutzen könnten.
Es gebe Hinweise, dass die Aufständischen solche Berichterstattung nutzten, um ihre Kämpfer besser dirigieren zu können. Afghanische und große ausländische Fernsehsender, etwa die britische BBC, hatten in der Vergangenheit vor allem von länger dauernden Kommandoaktionen in der Hauptstadt Kabul mit Livebildern berichtet. Zudem solle die Sicherheit der Journalisten gewährleistet werden, sagte Omar weiter. Der Sprecher äußerte sich nicht dazu, wie diese Ziele umgesetzt werden sollen.
Der afghanische Geheimdienst NDS hatte am Montag strikte Einschränkungen bei der Berichterstattung über Anschläge angekündigt. Die USA erklärten daraufhin, das Thema bei Unterredungen mit der Regierung in Kabul zur Sprache bringen zu wollen.
AFP/rts/dpa
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