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Verhör und mögliche Auslieferung: Abdeslam aus Klinik entlassen

Die Festnahme des meistgesuchten Mannes Europas endet mit einem Schusswechsel. Dabei wird der mutmaßliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam verletzt. Nun wird er aus dem Krankenhaus entlassen. Ihm droht die Auslieferung an Frankreich.

Nach seiner Festnahme in Brüssel ist der mutmaßliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam aus dem Krankenhaus entlassen worden. Abdeslam und ein mutmaßlicher Komplize seien aus der Klinik Saint-Pierre abgeführt worden, schrieb der Brüsseler Bürgermeister Yvan Mayeur bei Twitter. Die beiden Männer waren bei dem Polizeieinsatz angeschossen und über Nacht medizinisch versorgt worden.

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Sie dürften nun verhört werden, anschließend soll über ihre Auslieferung nach Frankreich entschieden werden. Der französische Staatschef François Hollande hatte am Freitag angekündigt, sein Land werde umgehend einen Auslieferungsantrag für Abdeslam stellen. Ob und wann er nach Frankreich zurückkehren wird, ist unklar.

Abdeslam wehrt sich gegen seine Auslieferung nach Frankreich, meldete die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf dessen Anwalt, Sven Mary. Er gebe zu, am 13. November in Paris gewesen zu sein, und kooperiere mit der belgischen Justiz, sagte der Anwalt demnach weiter.

Terroropfer verlangen Auslieferung

Insgesamt wurden in Brüssel fünf Verdächtige festgenommen.
Insgesamt wurden in Brüssel fünf Verdächtige festgenommen.(Foto: REUTERS)

Der belgische Premier Charles Michel hatte angedeutet, gegen das Auslieferungsgesuch Frankreichs gebe es keine politische Einwände, wegen rechtlicher Regelungen könne es aber noch einige Wochen dauern. Hinterbliebene der Pariser Terroropfer hatten Abdeslams sofortige Auslieferung nach Frankreich verlangt, um ihn dort zur Verantwortung zu ziehen.

Der Islamist wurde am Freitag im Brüsseler Stadtteil Molenbeek gefasst. Zudem wurden drei Mitglieder der Familie, die ihm Unterschlupf gewährten, sowie der nun mit ihm aus der Klinik entlassene Verdächtige festgenommen.

Abdeslam, ein 26-jähriger Franzose marokkanischer Abstammung, soll eine Schlüsselrolle bei der Ausführung der Pariser Attentate gespielt haben. So soll er Mietautos und Zimmer für die Kommandos organisiert und mehrere Attentäter zum Anschlagsort gefahren haben. Nach den Attentaten mit 130 Toten floh er offenbar mit Komplizen nach Belgien. Er war bis zu seiner Festnahme der meistgesuchte Terrorist Europas.

Bericht: Abdeslam war in Ulm

Derweil gibt es erneut Berichte, wonach sich Abdeslam vor den Pariser Attentaten in Ulm aufgehalten hat, um mögliche Komplizen abzuholen. Wie der Südwestrundfunk unter Berufung auf polizeiliche Ermittlungen berichtete, fuhr er in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober mit einem auf seinen Namen angemieteten Wagen nach Ulm und offenbar nach nur rund einer Stunde wieder zurück.

Bei dem Abstecher nach Ulm könnte Abdeslam dem Bericht zufolge drei Männer, die sich als Syrer ausgegeben hatten, aus einer Flüchtlingsunterkunft abgeholt haben, in deren Nähe er geparkt hatte. Die drei Männer fehlten dort seither. Ihre Identität werde vom Bundeskriminalamt gemeinsam mit französischen und belgischen Sicherheitsbehörden geprüft, hieß es. Die deutschen Behörden wollten sich demnach nicht zu dem Vorgang äußern.

Abdeslams Familie ist erleichtert

Abdeslams Familie hat sich unterdessen nach der Verhaftung erleichtert gezeigt. Die Anwältin seines Bruder Mohammed sagte im belgischen Fernsehen, ihr Mandant wolle im Namen seiner Familie die Botschaft übermitteln, dass alle ein "Gefühl der Erleichterung" verspürten. In erster Linie fühle die Familie so, weil Abdeslam lebend gefasst wurde, sagte Nathalie Gallant dem Sender RTBF. "Das war eine ihrer Hoffnungen." Erleichtert sei die Familie aber auch deshalb, weil die Jagd auf den 26-Jährigen nun ein Ende habe. Seit vier Monaten habe das Umfeld des Gesuchten unter einem dauerhaften Druck gestanden.

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Quelle: n-tv.de

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