Samstag, 09. Januar 2010
Mehr Terroristen im Jemen: Abdulmutallab nicht allein
Der Nigerianer Abdulmutallab hat offenbar noch etliche Mitstreiter, die ebenfalls im Jemen für Terroranschläge auf Flugzeuge ausgebildet worden seien. Der frühere CIA-Chef McLaughlin soll nun prüfen, wie es zu den Sicherheitsmängeln kommen konnte, die Abdulmutallabs Anschlagsversuchs am 25. Dezember ermöglichten.Der US-CBS berichtete, Abdulmutallab habe nach Angaben des britischen Geheimdienstes damit geprahlt, "dass fast 20 weitere junge muslimische Männer im Jemen zur Anwendung der selben Technik zur Sprengung von Flugzeugen ausgebildet" worden seien. Der 23-jährige Nigerianer war am Freitag vor Gericht zu den gegen ihn vorgebrachten Vorwürfen befragt worden und hatte auf nicht schuldig plädiert. Die US-Sicherheitsbehörden machten keine inhaltlichen Angaben zu Abdulmutallabs Verhören. Sie teilten lediglich mit, dass er "nützliche" Informationen liefere.
Abdulmutallab muss sich in sechs Anklagepunkten verantworten, darunter versuchter Mord und versuchter Gebrauch einer Massenvernichtungswaffe. Ihm droht lebenslange Haft. Abdulmutallabs Pflichtverteidigerin Miriam Siefer sagte während der kurzen Anhörung, "zum derzeitigen Zeitpunkt" plädiere ihr Mandant in allen sechs Punkten auf nicht schuldig. Er beantrage jedoch keine bedingte Haftentlassung, sondern akzeptiere seine Inhaftierung bis zum Prozessbeginn.
Der Angeklagte hatte am 25. Dezember an Bord eines in Amsterdam gestarteten Flugzeugs mit 290 Menschen an Bord versucht, einen Sprengsatz zu zünden. Die Zündung im Landeanflug auf Detroit misslang aber und der Nigerianer wurde von Passagieren und Besatzungsmitgliedern überwältigt.
US-Präsident Barack Obama hatte den Anschlagsversuch als schweres Versagen der Geheimdienste kritisiert. Abdulmutallabs extremistische Ansichten waren bekannt, sein Vater hatte sogar der US-Botschaft in Nigeria Warnhinweise abgegeben.
EX-CIA-Chef soll aufräumen
Mit der Prüfung der Versäumnisse der Sicherheitsbehörden beauftragte US-Geheimdienstchef Dennis Blair den früheren CIA-Chef John McLaughlin. Außer den vereitelten Anschlag vom 25. Dezember solle McLaughlin mit einer kleinen Gruppe nationaler Sicherheitsexperten auch die Schießerei auf dem US-Stützpunkt Fort Hood Anfang November untersuchen, erklärte Blair in Washington. McLaughlin, der der CIA 2004 kurzzeitig vorstand und vorher ihr Vizechef war, sei "besonders gut qualifiziert, um eine unabhängige Überprüfung in diesem Bereich zu leiten und ehrliche, konstruktive Beratung zur Verbesserung unserer künftigen Leistungen anzubieten", erklärte Blair.
Bereits bei dem Vorfall im Fort Hood waren Sicherheitsmängel offenbar geworden. Auf dem größten Truppenstützpunkt in den USA hatte ein 39-jähriger palästinensischstämmiger Major um sich geschossen und dabei 13 Menschen getötet und 42 weitere verletzt. Sowohl der Täter von Fort Hood als auch Abdulmutallab sollen von dem im Jemen lebenden radikalen islamischen Geistlichen Anwar al Aulaqi beeinflusst worden sein.
Vor dem Gerichtsgebäude distanzieren sich Muslime von Gewalt.
(Foto: REUTERS)
Nach Abdulmutallabs Anschlagsversuch waren die Sicherheitsvorkehrungen in den USA verschärft worden. Am Freitag eskortierten Jagdflieger der US-Luftwaffe sicherheitshalber ein in Atlanta gestartetes US-Flugzeug. An Bord der Maschine habe sich ein "undisziplinierter" Passagier befunden, erklärte das Nordamerikanische Kommando für Luftraumverteidigung (NORAD).
Kurzes Hauptverfahren erwartet
Abdulmutallab droht im Fall eines Schuldspruchs lebenslange Haft. Bis zur Prozesseröffnung könnte es aber noch Monate dauern. In den meisten größeren Justizfällen folgt auf die Anklageverlesung noch eine Reihe von gerichtlichen Anhörungen, bevor schließlich das Hauptverfahren beginnt. Dieses dürfte nach Experteneinschätzung relativ kurz werden, weil die Beweislage klar sei: Abdulmutallab sei schließlich auf frischer Tat ertappt worden.
AFP/dpa
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