Mittwoch, 18. Juni 2008
Rechte Hand Bin Ladens: Abu Quatada wieder frei
Der als islamistischer "Hassprediger" bekannte Abu Qatada ist in Großbritannien gegen strenge Auflagen auf freien Fuß gesetzt worden. Der 47-Jährige verließ am Dienstagabend das Long Lartin Gefängnis im Westen Englands in einem silbernen Peugeot, nachdem er zuvor erfolgreich gegen eine Auslieferung nach Jordanien vorgegangen war. Dem radikalen Kleriker, der als rechte Hand von El Kaida-Chef Osama bin Ladens gilt, wurde allerdings eine strikte Ausgangssperre auferlegt: Pro Tag darf er nur zwei Stunden das Haus verlassen. Zudem muss er eine elektronische Fußfessel tragen und darf nicht in eine Moschee gehen oder Kontakt zu bestimmten Menschen aufnehmen, darunter Bin Laden.
Die britische Regierung hatte die Abschiebung des Jordaniers gefordert, war jedoch vor Gericht gescheitert. In seinem Heimatland droht Qatada, der Ende der 90er Jahre in Jordanien in Abwesenheit für die Beteiligung an Terroranschlägen verurteilt wurde, möglicherweise Folter. Qatada war im Frühjahr erfolgreich gegen eine Auslieferung vorgegangen. Der Mann saß lange Zeit im Hochsicherheitsgefängnis in London.
Die britische Innenministerin Jacqui Smith erklärte, sie sei "extrem enttäuscht", dass Qatada freigelassen wurde. Die Regierung werde vor dem Berufungsgericht weiter für eine Auslieferung kämpfen.
Der muslimische Prediger ist eine Schlüsselfigur in "Londonistan", wie britische Zeitungen die Islamistenszene von London nennen, und gilt als Bin Ladens "geistiger Botschafter in Europa". Die Polizei sieht ihn als eine Schlüsselfigur des Terrornetzes El Kaida. Qatada stand auf der Liste der Terrorverdächtigen, die die USA nach den Anschlägen vom 11. September veröffentlichten.
Er wird unter anderem verdächtigt, den britischen "Schuh-Bomber" Richard Reid, der 2001 in einem amerikanischen Passagierflugzeug Sprengstoff in seinen Schuhen zünden wollte, rekrutiert zu haben. Aufnahmen seiner Gebete waren in einer Wohnung in Hamburg gefunden worden, in der Attentäter vom 11. September 2001 gewohnt hatten.
Qatada war 1993 nach Großbritannien gekommen. Nach den Anschlägen vom 11. September tauchte er unter, wurde aber Monate später in London ausfindig gemacht und 2002 ins Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh gebracht. Im März 2005 wurde er vorübergehend gegen Kaution freigelassen, wegen der schwebenden Auslieferung nach Jordanien aber wenige Monate später wieder verhaftet.
Hintergründe zur Nachricht
Bilderserien zur Nachricht
Politik
-
Kampf gegen "Schuldenschirmpolitik"
Euro-Gegner bellen und beißen
-
Bin-Laden-Suche war Landesverrat
CIA-Helfer bekommt 33 Jahre
-
Kipping und Schwabedissen
Die letzte Chance der Linken
-
Wenig Konkretes beim Kanzlergipfel
Energie-Neustart verpufft
-
Droht ein neues Wettrüsten?
Moskau präsentiert Stealth-Rakete
-
Regierung beschließt strengere Regeln
Tiere werden besser geschützt
-
Komplott in Assads Führungszirkel
Syrische Rebellen morden mit Gift
-
Kabinett treibt Geld ein
Wehrsold wird besteuert
-
Dorf für Montagebasis abgerissen
Nordkorea baut mehr Raketen
-
Röttgen-Rauswurf lässt Bosbach nicht verzweifeln
"Merkel muss sich keine Sorgen machen"
-
Regierung setzt auf Selbstheilung
Gesetz gegen Ärztepfusch steht
-
Lafontaine wirft hin
Abgang in alter Arroganz