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Nach Mordaufruf des IS: Abu Sayyaf will deutsche Geiseln töten

Die IS-Führung ruft ihre Unterstützer auf, "ohne großen logistischen Aufwand" Ausländer zu töten, deren Heimatstaaten gegen den IS kämpfen. Auf den Philippinen wächst jetzt die Sorge um zwei deutsche Geiseln in den Händen muslimischer Extremisten.

Nur wenige Tage ist es her, dass die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ihre Anhänger weltweit aufruft, Europäer oder US-Bürger "auf offener Straße zu töten". Umgehend wird mit der Ermordung eines in Algerien entführten Franzosen gedroht, sollte sich Frankreich weiter an den Luftangriffen gegen den IS beteiligen. Jetzt wächst die Sorge um zwei auf den Philippinen entführten Deutschen. Sie sollen sich in den Händen muslimischer Extremisten befinden.

Im Internet kursieren bereits Botschaften, wonach die Terrorgruppe Abu Sayyaf mit der Tötung der beiden Segler droht, falls kein Lösegeld gezahlt wird. Zugleich wurde die Forderung erhoben, Deutschland dürfe sich nicht am Kampf gegen den IS in Syrien und im Irak beteiligen.

Die US-Firma Site, die Webseiten von Extremisten beobachtet, berichtete über die neuen Drohungen von Abu Sayyaf. Die Authentizität der Botschaften konnte zunächst nicht verifiziert werden. Die beiden Deutschen im Alter von 55 und 71 Jahren waren im April von ihrer Segeljacht in Palawan im Westen der Philippinen verschleppt worden. Abu Sayyaf veröffentlichte im August ein Foto, auf dem sie umringt von vermummten Kämpfern zu sehen waren. Die Polizei vermutet das Versteck in der Provinz Sulu im muslimischen Süden der Philippinen. Nun verlangen die Extremisten angeblich 250 Millionen Pesos (rund 4,3 Millionen Euro) und haben eine Frist zur Erfüllung ihrer Forderungen bis zum 10. Oktober gesetzt. 

Die Bundesregierung sieht keine Veranlassung, ihre Strategie im Kampf gegen den IS zu ändern. Drohungen seien nicht das geeignete Mittel, um Einfluss auf die deutsche Außenpolitik zu nehmen, betonte das Außenministerium in Berlin. "An unserer Politik in Syrien und Irak wird sich deshalb auch nichts ändern", sagte eine Sprecherin. Es werde daran gearbeitet, wie man zu einer Freilassung der Geiseln kommen könne. "Wir haben einen Krisenstab, der sich mit dem Fall befasst." Die beiden Segler waren im April von ihrer Jacht in Palawan im Westen der Philippinen verschleppt worden.

Wahllos Ausländer töten

Für Sicherheitsexperten ist die neue Stoßrichtung der Islamisten, die sich bisher auf ihren Kampf in Syrien und im Irak konzentriert hatten, keine Überraschung. Denn schon lange wird vor Anschlägen von Syrien-Rückkehrern gewarnt. Die IS-Führung ruft ihre Unterstützer nun de facto auf, "ohne großen logistischen Aufwand" oder eine "monatelange Anschlagsplanung einfach loszugehen und den Nächstbesten auf der Straße zu überfahren oder zu erstechen". Für die Sicherheitsbehörden ist das ein Albtraum.

Zielscheibe der Extremisten sind nun alle Bürger jener Staaten, die sich der US-Koalition gegen den IS angeschlossen haben - auch Deutschland und "vor allem die boshaften und dreckigen Franzosen", wie es in der IS-Botschaft hieß. Hatte sich Frankreich doch als bisher einziges europäisches Land den US-Luftangriffen auf IS-Stellungen im Irak angeschlossen. Jetzt sind es schon viele Länder mehr. Deutschland schickt aktuell eine Waffenlieferung an die Perschmergas in Nord-Irak, die von dort aus den Kampf gegen die IS führen.

Das Thema IS steht zudem auf der Tagesordnung der UN-Vollversammlung in New York. Die Zahl jener Staaten, die sich dem Kampf gegen den IS stellen, dürfte damit sprunghaft steigen.

Quelle: n-tv.de

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