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Attentäter erschüttert Istanbul: Acht Deutsche bei Anschlag getötet

Bei einem Anschlag in der türkischen Metropole sterben zehn Menschen. Es sind ausschließlich Touristen. Laut Regierung in Ankara sind es hauptsächlich Deutsche. Der Attentäter soll Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat gewesen sein.

Bei einem Anschlag in Istanbul sind zehn Menschen getötet und 15 verletzt worden. Unter den Todesopfern seien auch acht Deutsche, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Zudem seien neun deutsche Staatsbürger verletzt worden. Darüber habe ihn sein türkischer Kollege informiert. Eine endgültige Bestätigung durch die deutschen Diplomaten vor Ort gebe es aber noch nicht. Zuvor war die Zahl der aus Deutschland stammenden Getöteten von den türkischen Behörden mit neun angegeben worden. Die peruanische Regierung bestätigte ein Todesopfer aus dem Andenstaat. Ein Selbstmordattentäter hatte den Sprengsatz in der Nähe der weltberühmten Hagia Sophia im Istanbuler Altstadtviertel Sultanahmet gezündet.

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"Das sind für uns alle schwere Stunden", sagte ein sichtlich betroffener Steinmeier. So hart habe der Terror Deutschland seit vielen Jahren nicht getroffen. Steinmeier sprach von "Stunden der Trauer, der Wut und des Entsetzens". Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, dass das Kabinett am Abend zu einer Sondersitzung zusammenkommen werde. Ziel der Angreifer sei "unser freies Leben in freien Gesellschaften". Die Terroristen bezeichnete sie als "Feinde aller Menschlichkeit". Letztlich aber würden sich "unsere Freiheit und unser Vorgehen durchsetzen", sagte sie weiter.

Einige der getöteten Deutschen waren mit einem Berliner Reiseveranstalter unterwegs. Nach aktuellem Kenntnisstand seien unter den toten Deutschen "mehrere Personen einer Reisegruppe der Lebenslust Touristik GmbH Berlin", teilte das Unternehmen mit. Zudem müsse von einer "größeren Anzahl verletzter Reisender ausgegangen werden". Insgesamt war demnach eine 33 Reisende umfassende Gruppe zum Zeitpunkt des Anschlags in Istanbul. Zwei Vertreter der Geschäftsführung seien auf dem Weg nach Istanbul zu der Reisegruppe, hieß es weiter. Für Angehörige wurde eine Hotline mit der Nummer 030 880013039 eingerichtet.

Ankara: Täter ist IS-Mitglied aus Syrien

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Der Attentäter wurde laut türkischer Regierung als 28-jähriger Syrer identifiziert. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.  Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte: "Ein Selbstmordattentäter syrischer Herkunft hat diesen Terrorakt verübt." Ministerpräsident Davutoglu machte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für den Anschlag verantwortlich. Der Selbstmordattentäter habe der Terrormiliz IS angehört, sagte er. Laut Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus war der Verdächtige vermutlich erst kürzlich aus Syrien in die Türkei eingereist. Er gehöre nicht zu den Personen, die die Türkei zur Beobachtung ausgeschrieben habe.

In der Türkei zweifelt niemand daran, dass der Attentäter einer von möglicherweise mehreren Selbstmordattentätern der IS-Organisation war, die in den vergangenen Monaten in die Türkei geschleust worden sein sollen. Kurz vor dem Jahreswechsel waren in Ankara zwei mutmaßliche IS-Mitglieder festgenommen worden; damit habe man einen schweren Anschlag vereitelt, hieß es damals.

Sicherheitskabinette tagen

Der Attentäter zündete seinen Sprengsatz um 10.18 Uhr Ortszeit vor einem Obelisken auf dem früheren Pferderennplatz, als sich dort eine deutsche Reisegruppe aufhielt. Türkische Medien berichteten bereits wenige Stunden nach der Explosion von zahlreichen Reise-Stornierungen. "Das Jahr 2016 können wir wohl vergessen", wurde ein Fremdenverkehrsunternehmer zitiert.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu berief eine Krisensitzung des Sicherheitskabinetts ein, an der auch Geheimdienstchef Hakan Fidan teilnehmen sollte. Präsident Erdogan verurteilte das "terroristische Attentat" in einer Fernsehansprache. Die Türkei sei "das erste Ziel von allen Terrororganisationen, die in dieser Region aktiv sind".

Auch in Berlin nahm ein Krisenstab der Bundesregierung die Arbeit auf. Zudem hat Frankreich Krisenstäbe in Paris und Istanbul eingerichtet. Das Generalkonsulat in der türkischen Stadt ist ebenso mobilisiert wie das Außenministerium in Paris, wie Außenminister Laurent Fabius mitteilte. Franzosen in der Türkei wurden Hinweise zur Wachsamkeit übermittelt. Zudem richtete das Ministerium eine Hotline ein.

Augenzeugen berichteten von einem großen Feuerball. Auf dem Platz vor der Blauen Moschee sind täglich Tausende Touristen unterwegs; der Ort ist der größte Anziehungspunkt für Reisende in der größten Stadt der Türkei. Es habe eine extrem laute Explosion gegeben, die die Erde erzittern ließ, sagte eine deutsche Touristin, die mit ihrer Tochter in der Nähe unterwegs war. Dann habe sie einen starken Geruch wahrgenommen, der ihr in der Nase gebrannt habe. "Ich bin mit meiner Tochter weggelaufen." Sie hätten in einem Gebäude Zuflucht gesucht. "Ich habe einen sehr lauten Knall und viele Schreie gehört", sagte ein Anwohner. "Dann sah ich einen Feuerball und bin davongerannt."

Quelle: n-tv.de

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