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Das ägyptische Militär bei einer Patroullie auf der Sinaihalbinsel im Mai 2013. Nun attackierte die Armee dort Dschihadisten.
Das ägyptische Militär bei einer Patroullie auf der Sinaihalbinsel im Mai 2013. Nun attackierte die Armee dort Dschihadisten.(Foto: AP)

Neue Anklage gegen Mursi: Ägyptens Militär attackiert Milizen

Mit Kampfhubschraubern und Panzern greift die ägyptische Armee Islamisten auf der Sinaihalbinsel an. Häuser werden mit Raketen beschossen. Indes gibt es eine weitere Anklage gegen den Ex-Präsidenten Mursi: Ihm wird Beleidigung vorgeworfen.

Das ägyptische Militär geht massiv gegen islamistische Milizen auf der Sinaihalbinsel vor. Soldaten und Polizisten machten an der Grenze zu Israel mit Kampfhubschraubern und Panzern Jagd auf Dschihadisten. Es seien Raketen auf Häuser in der Ortschaft Scheich Suwajid und nahe der Grenze zum Gazastreifen abgefeuert worden, sagten Offiziere. Am Morgen wurde ein Anschlag auf eine Bahnlinie am Suezkanal verhindert.

Laut Mitgliedern der Sicherheitskräfte wurden bei dem gemeinsamen Einsatz von Polizei und Militär in Scheich Suwajid zehn islamistische Kämpfer getötet, 20 weitere verletzt und 15 festgenommen. In dem Wüstengebiet hat die Gewalt zwischen Islamisten und Sicherheitskräften zuletzt deutlich zugenommen. Das ägyptische Militär muss Einsätze im Grenzgebiet mit Israel absprechen, da diese sonst gegen das Friedensabkommen von Camp David verstoßen würden.

Bereits am Dienstag hatte die Armee ihre "bisher größten Luftangriffe" auf dem Sinai gegen mutmaßliche Verstecke von Islamisten geflogen. Dabei seien acht Islamisten getötet worden, erklärte das Militär. Eine unabhängige Bestätigung der Angaben ist nicht möglich, da die betroffenen Gebiete gesperrt sind.

Dorfbewohner entdecken Sprengsatz

Ein Vertreter der Sicherheitskräfte teilte unterdessen mit, Spezialisten der Armee hätten an der Bahnstrecke zwischen den Städten Suez und Ismailia einen Sprengsatz entschärft. Demnach sollte die Bombe offenbar den Zug um 6.00 Uhr morgens treffen, doch hätten Dorfbewohner sie rechtzeitig entdeckt und die Sicherheitskräfte informiert. Den Angaben zufolge bestand der Sprengsatz aus zwei Mörsergeschossen, einer Granate und einer Zündvorrichtung.

Am Donnerstag hatte es in Kairo einen Anschlag auf Innenminister Mohammed Ibrahim gegeben. Er überlebte, 73 Polizisten wurden verletzt. Die staatliche Zeitung "Al-Ahram" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass die Tat von einem Selbstmordattentäter verübt worden war, der den Milizen auf dem Sinai angehört habe.

Ibrahim hatte daraufhin vor einer "Welle des Terrorismus" gewarnt. Ibrahim ist eine treibende Kraft beim gewaltsamen Vorgehen gegen die Anhänger des am 3. Juli vom Militär gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi. Er spielte insbesondere eine zentrale Rolle bei der Räumung zweier Protestlager der islamistischen Muslimbrüder in Kairo, bei der am 14. August hunderte Menschen getötet wurden.

Mursi wegen Beleidigung angeklagt

Das Bündnis, das die Wiedereinsetzung Mursis fordert, hatte den Anschlag auf den Innenminister verurteilt und seinen Aufruf zu friedlichen Protesten erneuert. Experten warnen, dass die gewaltsame Unterdrückung der islamistischen Opposition zur Radikalisierung der Bewegung führen könnte. Bereits in den 1990er Jahren hatten verschiedene Extremistengruppen eine blutige Terrorkampagne gegen Polizei, Behörden und Touristen geführt.

Mursi wurde derweil wegen Beleidigung der Justiz angeklagt. Ein Richter ordnete eine viertägige Untersuchungshaft für den Islamisten an, wie staatliche Medien berichteten. Der Vorwurf lautet demnach: Mursi habe die Richter, die bei der Parlamentswahl im Jahr 2005 die Aufsicht führten, vor kurzem beschuldigt, die Abstimmung manipuliert zu haben. Seit seiner Entmachtung durch das Militär am 3. Juli wird Mursi an einem unbekannten Ort festgehalten.

Gegen ihn laufen bereits mehrere Verfahren. So wird ihm der Tod von Demonstranten, die im Dezember 2012 gegen den autoritären Führungsstil der Islamisten protestiert hatten, zur Last gelegt. Ferner wird Mursi eine Verschwörung mit der radikalen Palästinenserbewegung Hamas bei der Befreiung von Insassen eines Gefängnisses im Januar 2011 vorgeworfen. Während der Massenproteste im Arabischen Frühling war Mursi gemeinsam mit anderen inhaftierten Spitzenfunktionären der Muslimbrüder aus ungeklärten Gründen aus dem Gefängnis entkommen.

Quelle: n-tv.de

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