Timoschenkos Geheim-DiagnoseÄrzte übergeben Papiere

Einen "kleinen Sieg" für die ukrainische Ex-Regierungschefin Timoschenko nennt ihr Anwalt die Untersuchung durch deutsche Ärzte im Straflager. Zugleich warnt er, die Behörden wollten die Ergebnisse fälschen. Nun wird mit Spannung die Diagnose erwartet.
Nach fünfstündiger Untersuchung der inhaftierten ukrainischen Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko haben deutsche Ärzte ihre Diagnose an die Behörden der Ex-Sowjetrepublik übergeben. Der versiegelte Umschlag mit dem Befund sollte dann von der Gefängnisleitung der 51-jährigen Oppositionsführerin ausgehändigt werden, sagte Timoschenkos Anwalt Sergej Wlassenko vor Journalisten in Kiew.
Der Befund könnte über eine mögliche Verlegung in den Hausarrest entscheiden. Timoschenko misstraut ukrainischen Ärzten. Die Untersuchung durch internationale Experten im Straflager im ostukrainischen Charkow sei ein kleiner Sieg für Timoschenko, weil sich die Behörden lange dagegen gesträubt hatten.
Ärzte unter Druck
Die Spezialisten von der Berliner Charité - ein Neurologe und ein Orthopäde - seien nach der Untersuchung noch bis drei Uhr nachts von Mitarbeitern des Gefängnisdienstes in Diskussionen verwickelt worden, sagte Wlassenko. Der Anwalt warf den Behörden vor, die Diagnose beeinflussen zu wollen.
Die wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilte Timoschenko klagt seit Monaten über starke Rückenschmerzen. Angeblich kann sie sich nicht aus eigener Kraft bewegen. Der Staatliche Gefängnisdienst bestreitet dies.
Tochter in Sorge
Timoschenkos Tochter beklagte, dass sie erneut nicht zu ihrer Mutter in das Straflager in der Stadt Charkow rund 450 Kilometer östlich von Kiew gelassen worden sei. "Ich weiß nicht, was mit meiner Mutter los ist. Weder die Familie noch der Anwalt wissen, wie es ihr geht", sagte Jewgenija Timoschenko nach Medienangaben.
Nach der Abreise der Deutschen setzten drei kanadische Mediziner ihre Arbeit weiter fort. Auch zwei einheimische Ärzte waren an der Untersuchung beteiligt. Dem Besuch des internationalen Teams waren lange Verhandlungen vorausgegangen, weil Timoschenko die Ärzte des ukrainischen Gesundheitsministeriums zunächst abgelehnt hatte. Der Besuch der Berliner Mediziner war auf Vermittlung der Bundesregierung zustande gekommen.