Politik
Bundeschef Jörg Meuthen wertete das Ergebnis als Erfolg - in bisherigen Landtag war die AfD nicht vertreten.
Bundeschef Jörg Meuthen wertete das Ergebnis als Erfolg - in bisherigen Landtag war die AfD nicht vertreten.(Foto: dpa)
Sonntag, 15. Oktober 2017

Rund 6 Prozent in Niedersachsen: AfD sucht Erklärung für maues Ergebnis

Die AfD zieht in den 14. Landtag in Folge ein - für Parteichef Meuthen ein Erfolg. Die rund 6 Prozent in Niedersachsen bleiben aber unter den Erwartungen. Wie das zu deuten ist, darüber sind sich aktive und ehemalige AfD-Politiker alles andere als einig.

Spitzenfunktionäre der AfD sind bemüht, die vergleichsweise eher bescheidenen rund 6 Prozent ihrer Partei bei der Landtagswahl in Niedersachsen als Erfolg zu werten. Bundeschef Jörg Meuthen hob hervor, die AfD sei die Partei mit den stärksten Zuwächsen. Durch den Zweikampf zwischen CDU und SPD habe es schwierige Bedingungen für die kleinen Parteien gegeben.

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Frauke Petry, Meuthens ehemalige Ko-Chefin, sieht das völlig anders. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen ihrem Austritt aus der AfD und dem Ergebnis ihrer Ex-Partei in Niedersachsen. "Dass sich das Ergebnis im Vergleich zur Bundestagswahl verschlechtern würde, war abzusehen", sagte Petry. Das sei auch zurückzuführen auf "die Aufregung, die es nach meinem Austritt in der Partei gab". Petry vermutet, unter den Listenkandidaten in Niedersachsen sei sicher der eine oder andere, "der mit dem gemäßigten Kurs sympathisiert, für den ich stehe".

Petrys Ehemann Marcus Pretzell, der die AfD ebenfalls verlassen hat, twitterte am Wahlabend den Screenshot eines Facebook-Chats, in dem die Fraktionschefin im Bundestag, Alice Weidel, den Wahlausgang in Niedersachsen als "Katastrophe für die AfD" bezeichnete. Die Echtheit konnte bisher nicht überprüft werden.

Querelen im Landesverband

Petry bezeichnete den niedersächsischen Landesverband zudem als "schwach". Dort stehen sich seit Monaten die Anhänger von Landeschef Paul Hampel und Spitzenkandidatin Dana Guth gegenüber. Teile des AfD-Vorstands hatten noch am Sonntagabend ein Rundschreiben an die Parteimitglieder verschickt, in dem sie heftige Kritik am Landeschef äußerten und zur Wahl einer neuen Landesspitze aufriefen.

Hampel forderte dagegen Geschlossenheit "Wir müssen uns jetzt endlich wieder an Inhalten messen lassen, nicht an Intrigen und Personalfragen", sagte er und kritisierte seinerseits Petry. Weil sie als Parteichefin unmittelbar nach der Bundestagswahl aus der AfD ausgetreten sei, fühlten sich die Wähler "enttäuscht und missbraucht". Das habe der AfD Zustimmung bei den Wählern gekostet. "Die fühlen sich missbraucht, und da hab ich sogar Verständnis für", sagte Hampel.

Auch Björn Höcke äußert sich

Dem widersprach AfD-Vorstandsmitglied Georg Pazderski, der den Berliner Landesverband führt. Petrys Austritt spiele "nur eine untergeordnete Rolle", sagte er. Größeren Schaden als der Parteiaustritt der früheren AfD-Chefin hätten wohl die inzwischen wieder eingestellten Betrugsermittlungen gegen Paul Hampel sowie die Differenzen im niedersächsischen Landesverband angerichtet. "Ich hätte mir ein besseres Ergebnis gewünscht, aber wichtig ist, dass die Erfolgsserie nicht unterbrochen wurde, und dass die AfD jetzt in 14 Landtagen vertreten ist", sagte Pazderski, der auch Fraktionschef der AfD im Berliner Abgeordnetenhaus ist.

Auch der umstrittene Thüringer Landeschef Björn Höcke meldete sich nach der Wahl zu Wort. "Mit dem Einzug in den niedersächsischen Landtag setzt die AfD ihren Siegeszug zur politischen Erneuerung des Landes fort", erklärt er. Höcke tritt seit dem Austritt Petrys wieder vermehrt in Erscheinung. Petry hatte ihren Schritt unter anderem mit dem gewachsenen Einfluss des nationalen Flügels der AfD begründet, für den Höcke steht.

Quelle: n-tv.de

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