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A. oder B. am Fenster seiner Unterkunft. Bislang konnten über 90 Patenschaften mit der Bundeswehr vermittelt werden.
A. oder B. am Fenster seiner Unterkunft. Bislang konnten über 90 Patenschaften mit der Bundeswehr vermittelt werden.(Foto: dpa)
Dienstag, 12. Mai 2015

Vom Helfer zum Schutzsuchenden: Afghanen ungewollt in Deutschland

Ortskräfte der Bundeswehr in Afghanistan können nach Deutschland kommen, wenn es für sie in der Heimat zu gefährlich wird. Hier stehen die Afghanen vor allem vor bürokratischen Hürden. Helfen sollen ihnen nun Soldaten.

Sie sind hier, ohne es wirklich zu wollen. Die Afghanen A. und B. haben für die Deutschen gearbeitet und sind deswegen von den Taliban bedroht worden. Nun sitzen sie im schmucklosen Aufenthaltsraum einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin. Hier sind sie in Sicherheit, aber weit weg von Afghanistan - ihrer Heimat, für deren Zukunft sie kämpfen wollen.

Für das Patenschaftsprogramm der Bundeswehr haben sich fast 160 Afghanen und rund 260 Freiwillige von der Bundeswehr angemeldet.
Für das Patenschaftsprogramm der Bundeswehr haben sich fast 160 Afghanen und rund 260 Freiwillige von der Bundeswehr angemeldet.(Foto: dpa)

A., großgewachsen und schwarzhaarig, spricht nahezu perfekt Englisch. Der 25-Jährige hat fast fünf Jahre lang für die Bundeswehr in Masar-i-Scharif in Nordafghanistan übersetzt: zwischen Dari und Englisch, aber auch zwischen afghanischer und deutscher Kultur. Für die Bundeswehr unverzichtbar, sagt Thomas Kolatzki, Sprecher des Einsatzführungskommandos: "Bei Kontakten mit der afghanischen Bevölkerung und den Sicherheitskräften hätten wir ohne die Übersetzer nicht viel erreichen können. Wir hätten uns nicht verständlich machen können."

Für A. war das eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, vor allem aber: seinem Land zu dienen. "Mir war klar, dass ISAF den afghanischen Sicherheitskräften hilft, Frieden und Sicherheit nach Afghanistan zu bringen", sagt er. "Deshalb habe ich es als meine Pflicht angesehen, mich zu beteiligen." Sobald er kann, will er zurück. Doch schon 2010 drohten die Taliban, jeden zu töten, der für die ISAF arbeitet. Später wurde A. vom afghanischen Geheimdienst gewarnt: Die Taliban hätten ihn als Bundeswehr-Mitarbeiter erkannt und hätten sein Nummernschild und seine Adresse. Das meldete A. im Bundeswehr-Lager Camp Marmal bei Masar-i-Scharif und kam im April vor einem Jahr mit einem Koffer voll Kleidung in einem Übergangswohnheim für Flüchtlinge in Berlin an.

Die meisten waren Übersetzer

B. hat fast drei Jahre als Übersetzer für die deutsche Polizei gearbeitet, die in Afghanistan auf Ausbildungsmission war. Auch er wurde bedroht. Der 28-Jährige ist seit dem vergangenen Oktober zusammen mit seiner Frau in Berlin. Beide ehemaligen Ortskräfte heißen in Wirklichkeit anders - ihre echten Namen wollen sie aus Angst, sich dadurch zu gefährden, nicht abgedruckt sehen.

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A. und B. haben in Afghanistan studiert, hatten gut bezahlte Jobs und eigene Wohnungen. In Berlin fangen sie bei null an: Über einhundert Mietwohnungen hat A. hier angeschaut - ohne Erfolg. In der Flüchtlingsunterkunft teilt er sich ein Zimmer mit einem Mitbewohner. Als Zwischenlösung gedacht, scheint daraus ein Dauerzustand geworden zu sein. Auch er war wie alle ehemaligen Ortskräfte in den ersten vier Wochen in Deutschland nicht krankenversichert. Die meisten sprechen kein Deutsch, viele nicht einmal Englisch - fast unmöglich für sie, sich an die richtigen Ämter zu wenden.

Jetzt soll die Bundeswehr helfen

Um den Start ihrer ehemaligen Helfer in Deutschland zu erleichtern, hat die Bundeswehr im Januar ein Patenschaftsprogramm gestartet: Soldaten sollen den Afghanen helfen, etwa bei der Wohnungssuche, beim Ämtergang oder beim Deutsch-Kurs.

"Wenn Sie versuchen, bei Jobcenter, Wohnungsfürsorge und Wohnungsamt herauszufinden, wer für was verantwortlich ist und was bezahlt, da wären Sie schon als Deutscher nach sechs Wochen kurz davor, aufzugeben", sagt Marcus Grotian. Der 37-jährige Berufssoldat war für die Bundeswehr in Afghanistan und nimmt an dem Programm teil. "Sie haben Schulter an Schulter mit uns gekämpft, sie waren in der gleichen Gefahr wie wir. Und als wir gegangen sind, mussten sie auch gehen."

Während die Soldaten nach dem Einsatz in ihren Alltag in Deutschland zurückkehren konnten, mussten die Afghanen den ihren zurücklassen. Grotian sieht die deutsche Gesellschaft in der Verantwortung, sich zu kümmern, und hat Anfang Mai den Verein "Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte" gegründet, über den sich Afghanen und Paten bundesweit vernetzen und über Probleme austauschen können. So ist zum Beispiel unklar, an welcher Uni die Afghanen auf Englisch weiter studieren können. Bis jetzt gibt es nur die Möglichkeit, so lange Deutsch zu lernen, bis das entsprechende Niveau erreicht ist.

Anstatt zu studieren, verbringen A. und B. nun viel Zeit im Fitnessraum des Flüchtlingswohnheims. "Wir werden behandelt, als wenn wir illegal nach Deutschland gekommen wären", findet B. Er wollte sein Wirtschaftsstudium beenden, bevor er nach Afghanistan zurückkehrt - um mitzuhelfen, die wirtschaftlichen Probleme des Landes zu lösen. Daraus wird wohl zunächst nichts werden.

Quelle: n-tv.de

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