Kein Eklat bei UN-VollversammlungAhmadinedschad wirkt handzahm

Einige freuen sich auf die Rede Ahmadinedschads, andere fürchten den Poltergeist, wieder andere erscheinen erst gar nicht. Der von vielen erwartete Eklat bei der vorerst letzten Rede Ahmadinedschads in der UN-Vollversammlung fällt jedoch aus. Seine erste Rede hält indes der neue ägyptische Präsident Mursi.
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat bei seiner mit Spannung erwarteten Rede vor der UN-Vollversammlung den Westen und Israel für Missstände in der Welt verantwortlich gemacht. Allerdings kam es nicht zu dem von Beobachtern erwarteten Eklat, weil Ahmadinedschad in New York auf wüste antisemitische oder antiwestliche Ausfälle und Beschimpfungen verzichtete.
Wettrüsten und die Einschüchterung durch Atomwaffen und Massenvernichtungswaffen seien vorherrschend, sagte Ahmadinedschad während seiner halbstündigen Rede in New York. Israel warf er vor, sein Land direkt zu bedrohen: "Die ständige Bedrohung unserer großen Nation durch die unzivilisierten Zionisten ist ein klares Beispiel dieser bitteren Realität."
Israel hat im Atomstreit mit dem Iran indirekt mit einem Militärschlag gegen iranische Nuklearanlagen gedroht. Der Westen und Israel verdächtigen den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms Atomwaffen zu entwickeln. Die Führung in Teheran bestreitet das.
Anders als bei früheren öffentlichen Auftritten verzichtete Ahmadinedschad auf antisemitische Ausfälle, die Leugnung des Holocausts oder den Vorwurf, die USA hätten die Terroranschläge vom 11. September 2001 selbst inszeniert. Auf den Bürgerkrieg in Syrien ging er nicht ein. Der Iran ist Verbündeter von Syriens Machthaber Baschar al-Assad.
Ahmadinedschads vorerst letzte Rede vor der UN-Vollversammlung war moderater als seine Reden in den sieben Jahren zuvor. Dennoch waren die Delegationen der USA und Israels erst gar nicht im Plenarsaal erschienen. Die diplomatischen Vertreter der EU-Staaten blieben diesmal bis zuletzt auf ihren Plätzen. Die meisten Länder waren nur mit Vertretern unterhalb der Botschafterebene erschienen. Ahmadinedschad beklagte in den 32 Minuten Redezeit - 15 waren erlaubt - den Zustand der Welt, die unter Hochrüstung, Arroganz und Armut leide. Er plädierte für eine neue, gerechte Weltordnung, in der jedermann gleich sei.
Auch Mursi kritisiert Israel
Nach Ansicht des neuen ägyptischen Präsidenten sind das Schicksal der Palästinenser und die Lösung des blutigen Konflikts in Syrien die Themen mit der höchsten Priorität auf der Liste der Weltpolitik. "Das palästinensische Volk muss die Früchte von Freiheit und Würde kosten können", sagte Mursi in seiner mit Spannung erwarteten ersten Rede vor der UN-Vollversammlung. "Das erste Problem, das die Welt auf Basis von Recht und Würde bewältigen muss, ist die palästinensische Sache."
Ohne Israel direkt zu nennen, machte Mursi das Land für die Situation verantwortlich: "Es ist beschämend, dass die freie Welt es hinnimmt, dass ein Mitglied der internationalen Gemeinschaft den Palästinensern, trotz ihrer gerechten Ansprüche, weiterhin das Recht auf eine Nation und Unabhängigkeit verweigert."
Syrien mit demokratischen Mitteln retten
Den blutigen Konflikt in Syrien bezeichnete Mursi in seiner rund halbstündigen Rede als "die Tragödie unserer Ära". Das Blutvergießen müsse unverzüglich beendet werden. "Nachdem diesem Regime, das Tag und Nacht seine eigenen Menschen umbringt, vorbei ist, muss das syrische Volk die Möglichkeit haben, frei zu wählen, von wem es vertreten werden will." Mursi rief die syrische Opposition dazu auf, Vorschläge für einen demokratischen Übergang zu machen. Eine militärische Lösung mit ausländischen Truppen lehnte der ägyptische Präsident ausdrücklich ab.
Beim Gipfel der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in Mekka hatte Mursi ein Syrien-Quartett aus Ägypten, dem Iran, der Türkei und Saudi-Arabiens vorgeschlagen. Diese Initiative sei für alle Länder offen, betonte Mursi nun.
Das islamfeindliche Mohammed-Video, das zu blutigen Ausschreitungen in islamischen Ländern geführt hatte, bezeichnete Mursi als "Obszönität". "Das Verhalten einiger Menschen und die Beleidigungen gegen Mohammed sind nicht akzeptabel und wir verurteilen das."